In der Familie: Konsum und soziale Unterschiede besprechen

«Mami, ich will auch einen Monstertruck zum Spielen!», «Rahel hat ein Handy, ich brauche auch eines» oder «Alle kommen mit dem Trottinett zur Schule, wieso habe ich keines?» Eltern werden häufig mit solchen und ähnlichen Wünschen und Träumen des Nachwuchses konfrontiert.

Das Konsumverhalten der Freundesgruppe hat nämlich einen starken Einfluss auf Kaufentscheide Ihres Kindes. Gleichzeitig bringt es auch viel Positives mit sich: Die Kinder entdecken Neues, zudem sind Empfehlungen und Erfahrungen von Freundinnen und Freunden häufig authentischer als ein Verkaufsgespräch im Laden oder die Vorschläge in einer Werbung. 

Als Eltern oder Erziehungsberechtigte möchte man natürlich nicht, dass das Kind ausgeschlossen wird, weil es nicht das neueste Handy oder die coolsten Jeans hat. Zugleich kann oder will man dem Kind auch nicht jeden teuren Wunsch ermöglichen.

Ganz vermeiden lassen sich solche Diskussionen deshalb kaum. Aber die Konsumwünsche, die durch den Gruppendruck ausgelöst werden, können Sie als Lernfeld nutzen, um mit Ihren Kindern über Wert, Konsum und soziale Unterschiede zu sprechen – sodass das Kind zu eigenen Konsumentscheiden befähigt wird.

TikTok und Co.: Konsumdruck in der Pubertät

Über den eigenen Konsum und die Sachen, die sie besitzen, definieren Menschen einen Teil ihrer Identität – auch Kinder. Und sie fangen schon früh an, sich mit Gleichaltrigen zu vergleichen, teilweise schon im Kindergartenalter.

Aber Vergleiche können auch zu Gruppendruck führen, speziell bei Kindern mit geringem Selbstwertgefühl. Dabei gilt: Je älter das Kind wird, desto stärker wird Gruppendruck spürbar. Speziell stark ausgeprägt ist er in der Pubertät, da die Kinder in dieser Lebensphase ihren Charakter entwickeln und sich immer mehr nach aussen orientieren.

So nimmt zum einen der Einfluss der Eltern auf die Konsumentscheide ab. Zum anderen kommen neben den Freundinnen und Freunden auch Influencerinnen und Influencer auf TikTok, Instagram, YouTube und anderen Social-Media-Plattformen hinzu, die den Druck noch weiter verstärken können.

Wichtig: Wenn Ihr Kind sich ausgeschlossen fühlt oder gemobbt wird, kann eine Beratung bei einer Fachstelle, beispielsweise bei Pro Juventute, eine wichtige Unterstützung sein.

Kinder und Teenager suchen Akzeptanz und Zugehörigkeit, das kann Gruppendruck begünstigen.
Johanna Aebi, CEO bei Young Enterprise Switzerland

Prioritäten setzen und Selbstbewusstsein aufbauen

Durch Freunde und Influencerinnen werden auch Konsumwünsche geweckt, die vielleicht nicht mit den Vorstellungen der Eltern übereinstimmen. Weisen Sie die Wünsche Ihres Kindes aber nicht kategorisch zurück, sondern führen Sie einen Dialog auf Augenhöhe. Hören Sie genau zu und setzen Sie sich mit den Bedürfnissen des Nachwuchses auseinander.

Fragen Sie also gezielt nach, warum Ihr Kind eine neue Puppe, ein Handy oder ein Trottinett braucht. Geht es überhaupt um den Gegenstand oder eher darum, dass sich Ihr Kind auf dem Schulweg ausgeschlossen fühlt?

Es ist wichtig, dass die Eltern verstehen, in welcher Lage sich das Kind befindet, um allfälligen Frust oder Unsicherheiten zu erkennen.
Noëlle Müller, Executive Assistant bei Young Enterprise Switzerland

Falls Letzteres der Fall ist, bestärken Sie Ihr Kind darin, dass es zum Beispiel auch ohne Trottinett ein genauso wichtiger Teil der Klasse ist. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Freundschaften nicht davon abhängen, was man besitzt. Man ist befreundet, weil man sich mag, nicht weil man die neuesten Spielsachen oder die coolsten Schuhe hat.

Wichtig ist, dass Sie das Kind darin unterstützen, eigene Werte zu entwickeln, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen und Prioritäten zu setzen. Und selbst wenn die Wünsche des Kindes ohne Weiteres ins Familienbudget passen würden, ist es nicht sinnvoll, alles sofort zu kaufen. Auf etwas zu warten, sich genau zu informieren und vielleicht sogar selbst dafür zu sparen, sind wichtige Lernfelder.

5 Tipps: So stärken Sie das Konsumbewusstsein Ihres Kindes

Tipp 1: Konsumwünsche hinterfragen

Unterstützen Sie Ihr Kind bei seinen Kaufentscheiden. So verhindern Sie, dass es sich etwas einfach kauft oder wünscht, nur weil es andere auch haben. Dabei können Sie solche Situationen direkt als Lernfeld nutzen. Etwa, indem Sie das Kind fragen, was es denn wirklich cool findet und weshalb es ausgerechnet die neongelbe Mütze möchte. 

Sie können auch die Individualität des Kindes fördern. Beispielsweise über Fragen wie: «Findest du, das passt zu dir?» oder «Hättest du dir das auch ausgesucht, wenn die anderen es nicht hätten?» So lernt Ihr Kind, den eigenen Konsumwunsch zu hinterfragen, was die Resilienz gegen Konsumdruck stärkt.

Tipp 2: Über eigene Konsumwünsche nachdenken

Warum haben Sie sich für die Automarke entschieden, die nun in Ihrer Garage steht, und warum tragen Sie genau diese Taschenmarke? War der Grund vielleicht auch eine Empfehlung aus dem Freundeskreis? Oder haben Sie die Tasche gekauft, weil Sie Werbung auf Instagram dazu gesehen haben?

Seien Sie diesbezüglich ehrlich und offen mit Ihren Kindern. Erklären Sie aber, dass auch Sie nicht alles sofort kaufen können, sondern dafür sparen müssen, und zeigen Sie, wie Sie das genau machen.

Tipp 3: Selbstwirksamkeit fördern

Ein gesundes Selbstvertrauen hilft, zufrieden zu bleiben, ohne immer alle Trends komplett mitzumachen. Stärken Sie also das Selbstbewusstsein und den Selbstwert Ihrer Kinder und fördern Sie deren Selbstwirksamkeit. Beispielsweise über positives Feedback oder indem Sie ihnen schon früh mehr Verantwortung übertragen. 

Geben Sie Ihren Kindern Freiraum, eigene Entscheidungen zu treffen und Dinge auszuprobieren – auch wenn dabei Fehler passieren. Um im Umgang mit Geld Selbstwirksamkeit zu ermöglichen, sind Taschengeld oder später der Jugendlohn passende Instrumente.

Positives Feedback stärkt Kinder – nicht Belohnung durch Konsum.
Johanna Aebi, CEO bei Young Enterprise Switzerland

Das Konzept der Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, Aufgaben aufgrund eigener Fähigkeiten bewältigen zu können. Die Selbstwirksamkeit kann durch vier Faktoren gestärkt werden:

  1. Eigene Erfolgserlebnisse (wichtigster Faktor)
    Ein Kind schafft es, seine Schuhe selbst zu schnüren.
  2. Stellvertretende Erfahrungen
    Ein Kind sieht, wie seine beste Freundin oder sein bester Freund die Schuhe selbst schnürt.
  3. Verbale Ermutigung
    Ein Elternteil ermutigt sein Kind, die Schlaufen nochmals etwas grösser zu machen und es erneut zu probieren.
  4. Balance zwischen Fürsorge und Eigenständigkeit
    Die Eltern oder Erziehungsberechtigten schnüren die Schuhe des Kindes, wenn es müde ist. Ist es erholt und ausgeruht, überlassen sie es dem Kind.

Tipp 4: Medienkompetenz stärken

Klassische und soziale Medien können einen starken Einfluss auf die Konsumwünsche haben. Daher ist es zentral, dass Kinder über Medienkompetenz verfügen. Diese können Sie als Eltern oder Erziehungsberechtigte fördern, indem Sie etwa mit Ihren Kindern darüber sprechen, wieso es etwas unbedingt haben möchte, was Marketing – besonders auch Influencer-Marketing – ist und was es bewirken kann.

Suchen Sie zum Beispiel einige Tage lang gemeinsam online nach einem bestimmten Produkt und schauen Sie im Nachgang, wie für den Account – etwa auf Instagram – fast nur noch Werbung zu genau diesem Produkt angezeigt wird. So kann das Kind einfach nachvollziehen, wie Marketing funktioniert.

Eine wichtige Unterstützung sind hierbei auch die Schulen. Sie haben den Auftrag, Medienkompetenz und kritisches Denken in den Lektionen und oft auch über Sonderveranstaltungen zu vermitteln. Dieses Wissen können Sie in den Familienalltag mitnehmen.

Tipp 5: Aufzeigen, dass Zugehörigkeit ohne Konsum möglich ist

Gemeinsame Freizeitbeschäftigungen mit anderen bieten sich gut gegen Gruppendruck an. So geben etwa Sportvereine, die Pfadi oder der Musikunterricht den Kindern Struktur und ein Gefühl von Zugehörigkeit. Zudem fördern solche Aktivitäten oft das Durchhaltevermögen, die Teamfähigkeit und das Selbstvertrauen.

Nicht zuletzt können Kinder, wenn sie regelmässig einer Sportart nachgehen oder ein Instrument spielen, viel lernen. Unter anderem, wie sie schrittweise auf ein grosses Ziel hinarbeiten oder dass sich Fortschritte zeigen, wenn sie sich Mühe geben. So erleben sie Erfolge ganz ohne materielle Vergleiche.

Häufige Fragen rund um Gruppendruck

Fazit: Gruppendruck und Vergleiche gehören zur Entwicklung

  • Die Orientierung von Kindern an ihren Freundinnen und Freunden beginnt teilweise bereits im Kindergartenalter (4–5 Jahre). Sie gehört zur Entwicklung und hat viele positive Aspekte. Es ist daher normal, dass dabei auch neue Konsumwünsche entstehen.
  • Nicht jeder Wunsch kann und muss in Erfüllung gehen. Auf etwas zu warten, beispielsweise bis zum Geburtstag oder bis man selbst genug gespart hat, ist ein wichtiger Lernschritt.
  • Wie treffen Sie als Eltern Konsumentscheidungen? Sind Sie völlig unbeeinflusst von Freundinnen und Freunden? Sprechen Sie auch mit Ihren Kindern darüber und hinterfragen Sie Ihre eigenen Konsumentscheide.
  • Ein wichtiger Schutz gegen Gruppendruck ist, dass Kinder ihre eigenen Fähigkeiten kennen (Selbstwirksamkeit), Medien besser verstehen und Zugehörigkeit auch in sinnvollen Freizeitaktivitäten erleben – unabhängig von Konsum.

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