Werbung und Marketing der Modeindustrie beeinflussen nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche. Das überrascht nicht, wenn man bedenkt, wie intensiv 12- bis 19-Jährige Medien nutzen und dass die beliebtesten Apps der Teens Instagram und TikTok sind – stark von Werbung geprägte Social-Media-Plattformen. Das Problem: Durch Marketing entsteht häufig ein verzerrtes Bild von Wert und Preis. Einen Teil der Kosten zahlt man nicht für das Produkt, sondern für den Namen und die Marke dahinter.

Ab einem gewissen Punkt zahlt man einfach den Namen – und das ist für Kinder schwer greifbar, wenn sie zu Hause nicht über dieses Konzept aufgeklärt wurden.
Johanna Aebi, CEO bei Young Enterprise Switzerland

Turnschuhpreis: So setzt er sich zusammen

Ihr Kind möchte unbedingt die teureren Turnschuhe mit Logo statt des günstigeren No-Name-Modells? Nutzen Sie die Gelegenheit, um darüber zu sprechen, wie sich der Preis eines Produkts zusammensetzt.

Gemäss diesem Beispiel von SRF setzen sich die Kosten eines Schuhs für 160 Franken ungefähr wie folgt zusammen:

  • Handel: 80 Franken (50 Prozent)
  • Mehrwertsteuer: 12.80 Franken (8 Prozent)
  • Marke: 38.40 Franken (24 Prozent)
  • Material: 12.80 Franken (8 Prozent)
  • Transport: 8 Franken (5 Prozent)
  • Fabrik: 7.20 Franken (4,5 Prozent)
  • Lohn für Arbeiterinnen und Arbeiter: 80 Rappen (0,5 Prozent)

An diesem Beispiel wird schnell klar, dass ein grosser Teil unseres Geldes an den Markenkonzern sowie an den Einzelhandel fliesst und nur ein kleiner Teil in Material, Produktion und Löhne.  

Zu den Marketingmassnahmen der Mode- und Sportmarken gehören beispielsweise aufwendige Werbekampagnen, Social-Media-Werbung, gesponserte Events oder Stars und Sternchen, welche die Produkte nutzen. Produkte ohne bekannte Marke dahinter sind deshalb nicht automatisch schlechter, sondern häufig einfach mit weniger Marketing und demzufolge geringeren Marketingkosten verbunden.

Achtung, Hype: das Markenbewusstsein der Kleinen stärken

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über diese Marketingmechanismen. So versteht es besser, wie Werbung, Image und Logos den Endpreis und unseren Kaufwunsch beeinflussen. Das hilft ihm, Werbung einzuordnen und zu verstehen, was das eigentliche Produkt kostet und was man für den Produktnamen drauflegt – eine wichtige Voraussetzung, um sich von Hypes abgrenzen zu können.

In der Regel sind Kinder ab der Mittelstufe, also zwischen 9 und 11 Jahren, empfänglich dafür. Gehen Sie das Ganze spielerisch an, zum Beispiel mit kleinen Blindtests zu Hause: Wie schmeckt welche Schokolade? Sind sie alle gleich oder merkt man einen Unterschied? Oder vergleichen Sie im Laden, ob sich Markenturnschuhe anders anfühlen als das günstigere No-Name-Produkt. So entwickelt Ihr Kind ein Gefühl dafür, ob sich die Qualität so stark unterscheidet, dass sie den Preisunterschied rechtfertigt.

Ab der Oberstufe, also mit ungefähr 12 bis 14 Jahren, können Sie ins Detail gehen. Sprechen Sie zum Beispiel über die Wertschöpfungskette. Solche Infos helfen Jugendlichen, Konsumentscheide bewusster und faktenbasiert zu treffen.

Preis-Leistungs-Verhältnis erklären

Manchmal können höhere Preise aber auch ihre Berechtigung haben, zum Beispiel, wenn sich eine Marke besonders durch Qualität und Zuverlässigkeit auszeichnet. So würden Sie selbst vielleicht auch eher zur Bohrmaschine einer bekannten Marke greifen, die für Langlebigkeit steht, als zum No-Name-Modell, dessen Qualität Sie nicht einschätzen können.

Erklären Sie Ihrem Kind, warum Sie bei manchen Kategorien wie Werkzeugen, Wanderausrüstung oder Bio-Lebensmitteln bewusst auf bekannte Marken achten und wo Ihre preisliche Obergrenze liegt. So lernt es, dass ein Markenprodukt durchaus einen Mehrwert haben kann, wenn Preis und Leistung im richtigen Verhältnis stehen.

Über Werbebotschaften sprechen: Werbung vs. das echte Leben

Dass Kinder und Jugendliche ein Gefühl für Preis und Leistung entwickeln, ist auch deshalb wichtig, weil sie täglich mit Werbung in Berührung kommen: auf Social Media, in Games, im Fernsehen oder unterwegs.

Lassen Sie das Kind mit diesen Eindrücken nicht allein, sondern suchen Sie das Gespräch dazu. Ein guter Einstieg ist die Frage: «Wo siehst du überall Werbung?» So kann Ihr Kind selbst Beispiele wie Plakate, Online-Anzeigen oder Werbung über Influencerinnen- und Influencer-Accounts nennen. Darauf aufbauend können Sie gemeinsam überlegen: Wie wird das «perfekte» Leben in der Werbung so dargestellt, und wie realistisch ist es? Was will die Werbung eigentlich erreichen? So lernt Ihr Kind, nicht alles, das über den Bildschirm flimmert und auf Plakaten erscheint, ganz so ernst zu nehmen.

Influencerinnen und Influencer, Social Media oder TV-Werbung beeinflussen alle, auch Erwachsene. Kinder brauchen jedoch Erwachsene, die ihnen helfen, das einzuordnen.
Johanna Aebi, CEO bei Young Enterprise Switzerland

Clever konsumieren: hilfreiche Fragen fürs Familiengespräch

  • Wo treffen wir Werbung überall an?
  • Wie wird das ideale Leben in der Werbung dargestellt? 
  • Was macht diese Darstellung mit uns?
  • Welche Rollenbilder werden vermittelt?
  • Welches Körperbild wird in der Werbung dargestellt und welchen Einfluss hat das auf uns?
  • Wo wird Werbung eher versteckt und wo ist sie ganz offensichtlich?
  • Was will die Werbung überhaupt erreichen?

Gruppendruck auf dem Pausenplatz

Das eine ist, wie Sie zu Hause mit dem Thema Marken umgehen, etwas anderes, was Ihr Kind auf dem Pausenplatz oder in anderen Situationen mit Gleichaltrigen erlebt. Dort spielen Identifikation, Vergleiche mit anderen und Gruppendruck meist eine grosse Rolle. Kinder und Jugendliche möchten dazugehören, insbesondere wenn es um Äusserlichkeiten geht. So kaufen mit der Zeit viele die gleichen Dinge, haben ähnliche Frisuren oder tragen dieselben Marken. Logos werden zu Statussymbolen, die im Schulalltag viel Gewicht haben.

Sie als Eltern oder Erziehungsberechtigte können diesen Gruppendruck nicht (ganz) verhindern. Sie können Ihr Kind aber emotional bestärken, indem Sie es in seinen Stärken und Interessen unterstützen und zuhören. So bauen Sie sein Selbstvertrauen auf und zeigen ihm, dass seine Persönlichkeit und sein Verhalten wichtiger sind, um anerkannt zu werden, als ein Logo auf einem T-Shirt.

Kinder müssen lernen, dass Anerkennung nicht von der Marke abhängt.
Noëlle Müller, Executive Assistant bei Young Enterprise Switzerland

Häufige Fragen rund um Marken und Marketing

Fazit: Kinder für Marketing sensibilisieren

  • Marketing hat eine starke Wirkung auf Kinder und Jugendliche. Sprechen Sie deshalb mit ihnen über die Mechanismen hinter Werbung, Influencern, Logos und so weiter.
  • Fördern Sie kritisches Denken, indem Sie mit Ihrem Kind besprechen, ob Preis und Qualität übereinstimmen und ob hier vor allem die Marke oder tatsächlich die Leistung bezahlt wird.
  • Erklären Sie, warum Sie bei manchen Produkten bewusst eine bekannte Marke wählen und wo ein günstigeres Modell oder No-Name-Produkt für Sie genauso gut ist.
  • Gruppendruck und soziale Medien können Markenwünsche verstärken. Sie als Erziehungsberechtigte können Ihr Kind unterstützen und begleiten, sodass es sich selbstbewusst vom Markengruppendruck abgrenzen kann.

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