Samir und Tina, beide 12 Jahre alt, bekommen von ihren Eltern Geld – aber auf völlig verschiedene Art und Weise. Samir bekommt pro Monat 50 Franken Taschengeld und gibt es normalerweise ziemlich schnell wieder aus: «Das meiste gebe ich schon in der ersten Woche aus, wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin», sagt er. «Die Handyrechnung wird aber von meinen Eltern bezahlt.»

Anders bei Tina. Sie bekommt 300 Franken Jugendlohn pro Monat. «Mit meinem Jugendlohn muss ich nicht nur meine Handyrechnung, sondern auch den Zmittag in der Schule und das Busticket decken», erklärt sie. «Am Schluss bleibt meistens nicht mehr viel fürs Shoppen und so übrig. Wenn ich ein bestimmtes Armbändeli unbedingt will, muss ich eine Weile sparen.»

Mehr als nur Kleingeld: Was ist Jugendlohn?

Das Prinzip des Jugendlohns ist einfach. Die Eltern oder Erziehungsberechtigten geben ihrem Kind jeden Monat einen deutlich höheren Betrag, als es zuvor als Taschengeld erhalten hat. Mit diesem Geld muss Ihr Kind dann aber auch einen Teil seiner Alltagskosten selbst decken. Dazu gehören, je nach Abmachung, die Kleidung, das Handy-Abo, Freizeitaktivitäten oder das Abo für Bus und Zug.

Als Eltern geben Sie also ungefähr gleich viel Geld aus, übergeben aber gleichzeitig die Verantwortung für einen Teil des Familienbudgets an Ihr Kind.

Während das Taschengeld also primär als Einstieg in den Umgang mit Geld dient und kleinere persönliche Ausgaben deckt, geht es beim Jugendlohn um das eigenständige Bezahlen von regelmässigen Lebenskosten. Damit bietet der Jugendlohn ein sehr viel grösseres Lernfeld für Jugendliche und sie können selbstständig üben, zwischen Wünschen und wichtigen Anschaffungen zu unterscheiden und ihre Ausgaben zu priorisieren.

Beim Jugendlohn lernen Jugendliche, zwischen Wünschen und Bedürfnissen abzuwägen und Prioritäten zu setzen.
Noëlle Müller, Young Enterprise Switzerland (YES)

Der richtige Moment: Ab welchem Alter ist Jugendlohn sinnvoll?

Der richtige Zeitpunkt für den Jugendlohn ist so individuell wie jedes Kind. Entscheidend ist die Reife: Wenn Ihr Kind selbstständig planen und auch auf etwas verzichten kann, ist es vermutlich bereit, mehr Verantwortung für das eigene Budget zu übernehmen

Der Verein Jugendlohn gibt die Empfehlung, mit 12 Jahren vom Taschengeld auf den Jugendlohn zu wechseln. In diesem Alter haben Kinder meist die Fähigkeiten, die es braucht, um selbstständig mit ihrem Geld zu planen und Prioritäten zu setzen. Und natürlich haben sie auch vermehrt das Bedürfnis, selbst über bestimmte Dinge zu entscheiden und nicht immer Mami und Papi wegen allem fragen zu müssen.

Mit dem Jugendlohn erhalten Kinder diese Freiheiten. Aber sie müssen auch entscheiden, ob sie ihr Geld für die neuen Jeans ausgeben oder doch lieber mit Freundinnen ins Kino gehen. Wichtig ist, dass die Eltern oder Erziehungsberechtigten den Prozess eng begleiten. Besonders in der Anfangsphase ist die Unterstützung für das Kind enorm wertvoll.

Der Schritt vom Taschengeld zum Jugendlohn sollte kein Sprung ins kalte Wasser sein, sondern bewusst vorbereitet und eng von den Erziehungsberechtigten begleitet werden.
Johanna Aebi, CEO Young Enterprise Switzerland (YES)

Sneakers, Snacks und Streaming: Welche Kosten deckt der Jugendlohn?

Bestimmen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, welche Ausgaben es mit seinem Jugendlohn übernimmt, bevor Sie ihn das erste Mal auszahlen. Der Verein Jugendlohn empfiehlt, nur die Ausgaben dem Jugendlohn zuzuordnen, die für den persönlichen Bedarf gedacht sind. Dazu zählt in der Regel Folgendes:

  • Kleidung und Schuhe
  • Unterhaltungs-Abos, wie beispielsweise fürs Handy, Streaming etc.
  • Kosten für den Coiffeurbesuch
  • Freizeitaktivitäten
  • Abos für die öffentlichen Verkehrsmittel
  • Kosten für ein Velo oder Ähnliches
  • Digitale Geräte
  • Kosmetikartikel wie Parfüm, Make-up etc.
  • Auswärtige Mahlzeiten, wie das Mittagessen in der Schulmensa
  • Sportgeräte, -bekleidung und -ausrüstung
  • Schreibwaren, Etuis und Ähnliches

Sie sollten auch alle Ausgaben einrechnen, die sonst mit dem Sackgeld bezahlt wurden. Dieses wird in den Jugendlohn integriert.

Bedenken Sie zudem, dass nicht alle Kosten regelmässig anfallen. So können beispielsweise die Kleiderkosten im Winter deutlich höher sein, wenn eine neue Winterjacke oder neue Winterschuhe nötig sind. Planen Sie die Höhe des Jugendlohns daher vorausschauend.

Wichtig ist auch, dass alle Ausgaben, die sowieso von der Familie getragen werden, in der Regel vom Jugendlohn ausgeschlossen sind. Ihr Teenie sollte nicht die eigene Miete, tägliches Essen oder gar Versicherungs- und Schulgelder bezahlen. Auch gemeinsame Aktivitäten in der Familie werden oftmals weiterhin von den Eltern übernommen. Schlussendlich ist das Ziel, dass die Jugendlichen zwar finanzielle Entscheidungsfreiheit haben, aber nur innerhalb klar definierter Grenzen.

Fair berechnet: Wie hoch ist ein angemessener Jugendlohn?

Der Jugendlohn ist in jeder Familie unterschiedlich hoch. Entscheidend ist zum einen das Einkommen der Familie – schliesslich soll der Jugendlohn das Familienbudget nicht übermässig belasten. Zum anderen kommt es auf die Ausgaben, die durch den Jugendlohn gedeckt werden, und die Reife des Kindes an. Der Jugendlohn muss immer realistisch berechnet werden und auf den bisherigen Ausgaben für das Kind beruhen.

Wie viel Jugendlohn das Kind pro Monat erhält, ist also nicht in Stein gemeisselt. Beobachten Sie über einige Monate, wie hoch die Ausgaben tatsächlich sind, und besprechen Sie diese mit dem Kind.

Den Jugendlohn berechnen: Schritt für Schritt

Für einen angemessenen Jugendlohn überlegen Sie sich als Erstes folgende Punkte:

  • Wie viel Jugendlohn kann sich die Familie leisten?
  • Welche Ausgaben soll das Kind künftig selbst bezahlen?
  • Wie viel Geld benötigt das Kind, um diese Kosten zu decken?

Berechnen Sie im zweiten Schritt die Höhe des Jugendlohns. Erfassen oder schätzen Sie dazu am besten die Jahreskosten für alle Bereiche, für die Ihr Kind die Entscheidungskompetenz übernehmen soll. Falls Sie bei gewissen Kosten nicht sicher sind, welchen Betrag Sie schätzen sollten, können die Richtwerte der Budgetberatung Schweiz helfen.

Teilen Sie die Zahl durch 12, so erhalten Sie den monatlichen Jugendlohn. Einige Eltern entscheiden sich auch dazu, einen 13. Monatslohn im November oder Dezember für Winterkleidung einzuplanen. Dann müssen Sie Ihrer jährlichen Schätzung einen weiteren Monatslohn hinzufügen. Anschliessend können Sie den Betrag schriftlich festhalten und an einem fixen Datum überweisen.

Jugendlohn in der Schweiz: Tabelle und Beispiel

Um die Berechnung des Jugendlohns zu vereinfachen, bietet der Verein Jugendlohn zwei Vorlagen gratis zum Download an. Eine für den gesamten Jugendlohn und eine speziell für das monatliche Kleidergeld.

Beispiel: Mit der folgenden Tabelle haben Tina und ihre Eltern ihren Jugendlohn von 300 Franken berechnet. Die Kosten, die mit 0 Franken budgetiert sind, haben sie gemeinsam als Fixkosten definiert, für die weiterhin die Eltern aufkommen.

Aufstellung für 12 Monatslöhne

Kategorie

Kategorie

Kosten pro Jahr

Kosten pro Jahr

Kosten pro Monat

Kosten pro Monat

Kategorie

Kleider

Kosten pro Jahr

960

Kosten pro Monat

80

Kategorie

Schuhe

Kosten pro Jahr

360

Kosten pro Monat

30

Kategorie

Coiffeur

Kosten pro Jahr

240

Kosten pro Monat

20

Kategorie

Fahrrad/Mofa (Unterhalt/Reparaturen), Fahrkosten öffentliche Verkehrsmittel

Kosten pro Jahr

720

Kosten pro Monat

60

Kategorie

Besondere Hygieneartikel

Kosten pro Jahr

0

Kosten pro Monat

0

Kategorie

Sportgeräte, Sportbekleidung und Sportausrüstung

Kosten pro Jahr

0

Kosten pro Monat

0

Kategorie

Handy-, Computer- und weitere digitale Gerät (Anschaffung)

Kosten pro Jahr

0

Kosten pro Monat

0

Kategorie

Handy Abo/Prepaid

Kosten pro Jahr

240

Kosten pro Monat

20

Kategorie

Schreibwaren, Etui, Agenda und Ähnliches

Kosten pro Jahr

0

Kosten pro Monat

0

Kategorie

Taschengeld: Kino, Konzerte, Disco, Kiosk, Heftli etc.

Kosten pro Jahr

480

Kosten pro Monat

40

Kategorie

Auswärtige Mahlzeiten

Kosten pro Jahr

600

Kosten pro Monat

50

Kategorie

Total

Kosten pro Jahr

3600

Kosten pro Monat

300

5 Tipps für die Einführung des Jugendlohns

Mit diesen 5 Tipps wird die Einführung des Jugendlohns leichter:

1. Schaffen Sie klare Voraussetzungen: Setzen Sie sich als Familie zusammen und diskutieren Sie gemeinsam, ob der Jugendlohn für Sie infrage kommt. So hat Ihr Kind schon früh die Möglichkeit, Ängste und Fragen zu äussern. Machen Sie auch die Zusammensetzung des Jugendlohns transparent. Dadurch lernt Ihr Kind, welche Ausgaben wo anfallen. Haben sich am Ende alle Familienmitglieder für einen Jugendlohn entschieden, sollten Sie die Vereinbarung schriftlich festhalten. Sie können in einem Familienvertrag klare und einfache Regelungen formulieren, die Ihrem Kind die nötige Orientierung und Freiraum geben, beispielsweise bei Themen wie Online-Shopping.

2. Richten Sie ein Konto ein: Damit Ihr Kind den Umgang mit echtem Geld lernt, sollte es auch auf ein eigenes Konto zugreifen können. Helfen Sie Ihrem Kind dabei, das Konto einzurichten, und besprechen Sie mit ihm, worauf es achten muss, und überweisen Sie das Geld per Dauerauftrag auf das Konto.

3. Führen Sie regelmässige Gespräche über den Jugendlohn: Impulskäufe geschehen bei Kindern in der Regel viel häufiger als bei Erwachsenen. Da ist das neue Online-Spiel schnell wichtiger als die notwendige Winterjacke. Der Jugendlohn ist genau für diese Abwägungen gedacht und lädt die Kinder dazu ein, aus den eigenen Fehlern zu lernen. Sprechen Sie daher regelmässig darüber und teilen Sie eigene Erfahrungen mit Ihrem Kind. Diese Gespräche sollen nicht der Kontrolle dienen, sondern für Feedback, aus dem Ihr Kind lernen kann.

4. Geben Sie Ihrem Kind keinen Zustupf: Das eigentliche Ziel des Jugendlohns – den Umgang mit Geld zu erlernen – verpufft schnell, wenn das Kind weiss, dass es sich auf die Eltern verlassen kann, wenn es sein Geld für Unnützes ausgegeben hat. Auch wenn es sicher schwer ist: Versuchen Sie, nicht sofort finanziell auszuhelfen. Sollte das Geld mal nicht reichen, geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, zu erklären, wie es dazu kam. Anschliessend können Sie gemeinsam entscheiden, welche Massnahmen sie ergreifen – eine bessere Planung, ein Nebenjob oder eine Erhöhung des Jugendlohns.

5. Sprechen Sie auch unbequeme Themen an: Es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem Kind auch darüber sprechen, dass es für alle seine Handlungen selbst verantwortlich ist. Wird beispielsweise eine 16-Jährige oder ein 16-Jähriger im Zug ohne Billett erwischt und bezahlt die Busse nicht, wird er oder sie persönlich betrieben, nicht die Eltern. Das kann langfristige Folgen haben.
 

Mit dem Jugendkonto startklar für die Zukunft

Der erste Schritt in die finanzielle Unabhängigkeit beginnt mit dem richtigen Konto. Das Banking-Angebot für Jugendliche bietet kostenlose Konten, Karten und Digital Banking. Die Kontoeröffnung ist einfach und komplett online.

Die Vorteile des Jugendlohns

Vorteile für Jugendliche

Mit dem Jugendlohn lernen Jugendliche, sich selbstständiger um ihr Geld zu kümmern. Sie müssen mehr Verantwortung übernehmen und auch mal Verzicht üben.

Konkret profitieren sie von diesen Vorteilen:

  • Sie gewinnen an Selbstvertrauen und Sicherheit bei Finanzentscheidungen.
  • Sie lernen, langfristig zu planen und für grössere Anschaffungen zu sparen.
  • Sie verstehen, wie viel Geld man für das alltägliche Leben benötigt und dass Geld nicht unbegrenzt verfügbar ist.
  • Sie treffen bewusste Kaufentscheidungen und können Anschaffungen abwägen.
  • Sie schätzen den Wert der eigenen Anschaffungen mehr.

Vorteile für Eltern und Erziehungsberechtigte

Mit dem Jugendlohn auch die entsprechende Verantwortung abzugeben, kann für Eltern erst einmal ungewohnt und sorgenvoll sein. Ist er aber einmal eingeführt, profitieren auch sie von verschiedenen Vorteilen:

  • Sie prüfen ihren eigenen Umgang mit Geld durch die zahlreichen Gespräche mit den Kindern zum Jugendlohn.
  • Sie klären Rollen und Kompetenzen innerhalb der Familie, die sich mit dem Älterwerden der Kinder verändern.
  • Sie trauen ihren Kindern den Umgang mit Geld eher zu und erfahren, dass diese Eigenverantwortung übernehmen können.
  • Streit und Konflikte ums Geld werden durch die klaren, festgehaltenen Absprachen reduziert.

Tina: «Also, wenn ich mich mit meinen Freundinnen vergleiche, habe ich das Gefühl, dass ich mir besser überlege, wie ich mein Geld ausgebe. Dadurch kann ich mir manchmal auch noch etwas leisten, wenn die anderen schon pleite sind. Früher konnte ich viel weniger gut mit Geld umgehen. Ich bin also voll für Jugendlohn.»

Häufige Fragen rund um den Jugendlohn in der Schweiz

Fazit: Jugendlohn ist ab 12 Jahren geeignet

  • Der Jugendlohn ist der nächste Schritt nach dem Taschengeld und fördert Selbstständigkeit und Finanzkompetenz.
  • Er soll, anders als das Sackgeld, jegliche alltäglichen Ausgaben des Kindes abdecken und kann ab dem 12. Lebensjahr ausgezahlt werden, am besten regelmässig auf ein Jugendkonto.
  • Der genaue Betrag des Jugendlohns richtet sich nach dem Familienbudget, dem Verantwortungsbewusstsein des Kindes und den Kosten, die es übernehmen soll. Und er sollte nicht zur Strafe gekürzt oder als Belohnung erhöht werden.
  • Der Jugendlohn deckt in der Regel Ausgaben wie Handy, Kleider, ÖV und Freizeit. So werden «echte» Kosten für das Kind sichtbar. Fixkosten wie Wohnen, Essen oder Versicherungen bleiben Teil des Familienbudgets.
  • Die Rolle der Eltern und Erziehungsberechtigten verändert sich. Sie geben die Kontrollfunktion vermehrt ab, begleiten die Jugendlichen mit Feedback und stehen nur noch mit Rat und ihrem finanziellen Wissen zur Seite. Sie müssen ausserdem das nötige Vertrauen in das Kind setzen.

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