Die letzten Jahre waren für viele Familien finanziell herausfordernd. Manche mussten aufgrund wirtschaftlicher Veränderungen, wie der Teuerung, mit einem tieferen Familienbudget auskommen. Zwar ist die Inflation in der Schweiz im internationalen Vergleich oft moderat, aber auch hier spüren Haushalte Preissteigerungen, besonders bei Mieten, Lebensmitteln und Energie. Doch auch freudige Ereignisse wie Familienzuwachs oder eine umfassende Weiterbildung haben Auswirkungen auf das Familienbudget.

Viele Eltern denken vielleicht: «Ins Familienbudget möchte ich mein Kind nicht involvieren.» Doch Kinder spüren sehr genau, wenn Erwachsene etwas beschäftigt – auch bei Geldthemen. Indem Sie ehrlich und kindgerecht über die finanzielle Lage sprechen, geben Sie Ihrem Kind die Chance, zu verstehen, dass sich ein Budget verändern kann – mal nach oben, mal nach unten.

Sparen als Familie: Kinder schrittweise einbeziehen

Kinder lernen durch Beobachten und Mitmachen. Das ist beim Sparen und Budgetieren nicht anders. Wenn Sie Ihren Kindern früh einen Einblick in Familienfinanzen geben, fördern Sie ihr Verantwortungsbewusstsein sowie ihr Verständnis von Geld und dessen Wert.

Sinnvoll ist ein schrittweiser Start im Alltag: Setzen Sie beispielsweise zunächst kurzfristige Sparziele und lassen Sie Ihr Kind kleine Entscheidungen selbst treffen, mit denen es zum Erreichen des Ziels beitragen kann. Beispielsweise kann Ihr Kind beim Wocheneinkauf den Zvieri auswählen, der ins Familienbudget passt.

Auch wenn Kinder mitentscheiden: Die Gesamtverantwortung fürs Familienbudget liegt immer bei den Erziehungsberechtigten.
Johanna Aebi, CEO bei Young Enterprise Switzerland

Das jährliche Familienbudget kindgerecht erklären

Doch wie erklärt man Kindern das Familienbudget? Meist sind es die festen Ausgaben der Familie wie Miete oder Krankenkassenprämien, die den grössten Teil des Budgets ausmachen.

Es lohnt sich, den Unterschied zwischen Fixkosten und variablen Kosten klar und verständlich aufzuzeigen: «Die Miete fällt immer an, egal was passiert. Aber ob wir ins Kino gehen oder einen Film zu Hause schauen, das können wir beeinflussen.» So verstehen Kinder, dass manche Ausgaben unveränderbar sind, während andere flexibel bleiben.

Wichtig ist, dass Sie das Kind nicht überfordern. Es sollte sich keine Sorgen machen müssen, dass die Hypothek oder die Miete nicht gezahlt werden kann. Wie transparent Sie mit den konkreten Angaben aus dem Familienbudget sind, ist daher immer ein Balanceakt und stark von der Reife des Kindes abhängig. So kann es auch sinnvoll sein, beim Einkommen keine genauen Zahlen zu nennen, solange Sie nicht sicher sind, ob das Kind es auf dem Pausenplatz offen seinen Gspänli erzählt.

Transparenz beim Familienbudget ist eine Gratwanderung. Eltern sollten sich an der Reife und Verantwortung des Kindes orientieren.
Noëlle Müller, Executive Assistant bei Young Enterprise Switzerland

Mit den Kindern Geld sparen: das Familienkässeli

Wenn Ausgaben gekürzt werden müssen, sollten Eltern entscheiden, wo gespart werden soll, und den Kindern offen erklären, warum. Zum Beispiel: «Die Miete ist gestiegen, deshalb gehen wir jetzt seltener ins Restaurant.» So verstehen Kinder den Zusammenhang. Das nimmt Druck weg und zeigt gleichzeitig, wie man Prioritäten setzt. Und als Ausgleich können Sie ergänzen: «Die Pizza essen wir jetzt nicht mehr auswärts, dafür machen wir jeden Sonntag einen gemütlichen Pizzaplausch zu Hause.»

Sind die Prioritäten gesetzt, können Sie gemeinsam Sparziele für die ganze Familie setzen. Es hilft, die Ziele zu visualisieren. Stellen Sie zum Beispiel ein spezielles Familienkässeli auf und hängen Sie eine Zeichnung des Sparziels dazu. So haben alle immer vor Augen, wofür sie gerade sparen.

Nach Alter: mit dem Familienbudget Finanzkompetenz fördern

Kinder lernen am besten in Alltagssituationen. Nutzen Sie diese, um das Thema Budget verständlich zu machen und das Sparen zu fördern. Fangen Sie bei kleinen Kindern mit einfachen Begriffen und Fragen an, mit zunehmendem Alter und höherer Reife des Kindes können Sie die Komplexität erhöhen.

Kinder im Vorschul- und Kindergartenalter (1 bis 5 Jahre) ins Familienbudget einbeziehen

Kleine Kinder sind sehr neugierig und lernen viel durch Beobachten und Nachahmen. Sie können Ihr Kind daher schon im Vorschulalter (1–3 Jahre) einbinden – allerdings nur in sehr grundlegenden Punkten. Zum Beispiel, indem Sie zusammen Münzen zählen und das Kind an der Kasse selbst das Schoggistängeli bezahlen lassen. So erlebt es Schritt für Schritt, wie Bezahlen im Alltag funktioniert.

Kinder in der Unterstufe und Mittelstufe (6 bis 11 Jahre) ins Familienbudget einbeziehen

Im Primarschulalter können Kinder vermehrt in die Planung des Familienbudgets einbezogen werden.

Zum Beispiel können Sie den Wocheneinkauf gemeinsam planen: eine Einkaufsliste schreiben, Preise vergleichen und darauf achten, dass der Budgetrahmen eingehalten wird. So erlebt das Kind direkt, dass Geld begrenzt ist und man Prioritäten setzen muss. Ausserdem lohnt es sich, gemeinsam anzuschauen, wie viel das Hobby oder bestimmte Freizeitaktivitäten kosten, um zu zeigen, dass auch Freizeit mit Ausgaben verbunden ist.

Hilfreich ist auch, ab und zu einzelne Rechnungen gemeinsam anzuschauen. Die vierteljährliche Stromrechnung eignet sich beispielsweise gut: Sie ist regelmässig und zeigt klar, dass bestimmte Kosten immer wieder anfallen. So lernt das Kind, wie Fixkosten funktionieren und warum man dafür Geld einplanen muss.

Kinder ab der Oberstufe (ab 12 bis 14 Jahre) ins Familienbudget einbeziehen

Teenager können beim Planen des Haushaltsbudgets für die Familie schon deutlich mehr mitwirken. Falls das Kind einen Jugendlohn erhält, können Sie seine eigenen Ausgaben auch ins Gespräch miteinbeziehen.

Sie können sich beispielsweise feste Ausgaben wie für das Handy-Abo gemeinsam anschauen. Prüfen Sie den Vertrag, überlegen Sie sich, welche Leistungen wirklich nötig sind, vergleichen Sie Angebote und zahlen Sie eine erste Rechnung zusammen.

Häufige Fragen rund um das Familienbudget und Sparen als Familie

Fazit: Das Familienbudget betrifft auch die Kinder

  • Kinder fühlen sich abgeholt und wertgeschätzt, wenn sie angehört und einbezogen werden.
  • Sprechen Sie offen, aber behutsam mit Ihren Kindern über Geld, sie können dabei viel lernen. Wie transparent Sie dabei sind, ist abhängig von Alter und Reife der Kinder.  Erklären Sie die Lage über Alltagssituationen.
  • Verheimlichen Sie Sorgen um die finanzielle Situation Ihrer Familie nicht. Kinder merken, wenn Erwachsene gestresst sind. Wenn sie wissen, was los ist, kennen sie den Grund und suchen ihn nicht bei sich.
  • Suchen Sie sich als Eltern oder Erziehungsberechtigte externe Hilfe, wenn Sie merken, dass eine Einkommenseinbusse existenziell wird.

Weitere Inhalte entdecken

Wir sind persönlich für Sie da

Vereinbaren Sie einen Termin für ein unverbindliches Beratungsgespräch oder rufen Sie uns bei Fragen direkt an.

Disclaimer