Pensionierungsplanung Was kostet mein Ruhestand?

Der Übertritt in den Ruhestand ist eine grosse Veränderung im Leben. Eine Budgetanalyse gibt Ihnen finanzielle Sicherheit.

von Jackie Bauer und Veronica Weisser 29. Jun 2020

Bild: UBS

Während angesichts der neuen Freiheit als Rentnerin oder Rentner bei vielen Aufbruchsstimmung aufkommt, gibt es auch einschneidende Aspekte. Das Einkommen schrumpft, denn die obligatorische 1. und 2. Säule macht im Durchschnitt nur gut 60 Prozent des letzten Lohnes aus. Somit drängt sich die Frage auf, ob der gewohnte Lebensstandard gesichert ist. Die Antwort hängt davon ab, wie hoch die laufenden Kosten sind und wie sie sich entwickeln werden. Eine gute Vorbereitung und eine genaue Budgetierung lohnen sich. Denn: Die durchschnittliche Restlebenserwartung für Neurentner beträgt fast 25 Jahre, Tendenz steigend.

Von heute auf morgen wird nicht alles anders

Die Ausgabenstruktur schwankt über ein Leben hinweg und folgt dabei meist einem gewissen Muster. Dies zeigen Daten aus der schweizerischen Haushaltsbudgeterhebung (HABE) des Bundesamts für Statistik, dargestellt am Beispiel eines kinderlosen Paares, welches das Schweizer Medianeinkommen erzielt.

Beim Start ins Erwerbsleben sind die Ausgaben noch tief, nehmen aber dann in der Regel schnell zu. Im Alter von 40 bis 65 Jahren erreichen sie den Höhepunkt, wobei typischerweise die Ausgabenkategorie Wohnen die grösste ist. Auch Steuern und Sozialabgaben fallen stark ins Gewicht, lassen sich aber kaum beeinflussen. Jede Steuersituation ist anders. Generell lässt sich jedoch sagen, dass die Steuern im Ruhestand weniger stark sinken als meist angenommen.

Gegen Ende des Erwerbslebens und zu Beginn des Ruhestands nehmen die Ausgaben allgemein leicht ab. Die letzten Lebensjahre sind häufig von einem deutlichen Anstieg der Gesundheits- und Pflegekosten gekennzeichnet.

Wie sich die Ausgabeposten verändern

Eine individuelle Erwägung der Hauptbudgetposten und ihrer wahrscheinlichen Entwicklung im Ruhestand lohnt sich, siehe Grafik «Monatliche Lebenshaltungskosten». So können Sie bewusst und gezielt Entscheidungen zugunsten des einen oder anderen Postens treffen.

  • Konsum von Nahrungs- und Genussmitteln sinkt. Gemessen am gesamten Ausgabenkorb ist dieser Posten ein relativ kleiner Teil. Beim Start ins Erwerbsleben agiert man hier meist kostenbewusst. Mit zunehmendem Alter steigen die Ausgaben leicht an, im Ruhestand nehmen sie wieder etwas ab.
  • Wohnen ist in allen Lebensphasen der grösste Posten. Für Mieter sind es relativ konstant rund 30 Prozent der Gesamtausgaben. Nach der Pensionierung wird es allerdings für viele möglich, auf kleinerem Fuss zu leben. Bei der Frage bezüglich Miete oder Kauf spielen viele Faktoren eine Rolle. Insbesondere wegen der niedrigen Zinsen ist Wohneigentum aktuell etwa 15 Prozent günstiger als das Mieten einer vergleichbaren Wohnung.
  • Gesundheitskosten steigen gegen Lebensende. Im Ruhestand verdoppeln sich die gesamten Gesundheitskosten im Vergleich zum Erwerbsleben. Gegen Lebensende muss zudem mit exponentiell erhöhten Gesundheitsausgaben gerechnet werden, beispielsweise für Pflegekosten. Wenn Sie für das Rentenalter budgetieren, sollten Sie wenn möglich einen separaten Sparbetrag für die Pflegekosten zur Seite legen.
  • Transportkosten nehmen ab. Rentnerinnen und Rentner geben durchschnittlich nur noch halb so viel für den Transport aus. Das Pendeln entfällt. Häufig wird die Strasse gegen die Schienen getauscht; das Auto ist der grösste Kostentreiber im Mobilitätsbudget von Herrn und Frau Schweizer.
  • Freizeit und Erholung sind differenziert zu betrachten. In den ersten Jahren des Ruhestands steigen die Ausgaben für Reisen. Für Freizeit und Erholung wird durchschnittlich jedoch nicht mehr ausgegeben. Der grösste Betrag, etwa die Hälfte dieser Kategorie, wird für Restaurantbesuche und Bars aufgewendet, ein Viertel für Sport und Kultur. Vor allem zum Lebensende hin nehmen diese Ausgaben stark ab.

Ein Budget bringt Klarheit

Erstellen Sie zunächst eine Liste mit den voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben. Anschliessend geht es im Budgetierungsprozess darum, diese in Einklang zu bringen – meist bedeutet dies, auf der Ausgabenseite Abstriche zu machen. Als Paar, in einer Wohngemeinschaft oder wenn Sie von der «Sharing Economy» Gebrauch machen, können Sie von Skaleneffekten profitieren. Vor allem die grösseren Posten wie ein Auto oder die Wohnung haben einen gewissen Grundpreis, den Sie bei breiterer Nutzung aufteilen können. Insgesamt muss ein Einzelhaushalt – und das ist aufgrund der höheren Lebenserwartung im Rentenalter öfter eine Frau als ein Mann – mit durchschnittlich 60 bis 70 Prozent der Ausgaben eines Paares rechnen.

Wir unterstützen Sie gerne

Damit Sie gut auf den Ruhestand vorbereitet sind, sollten Sie rechtzeitig einen soliden Finanzplan erstellen. Kontaktieren Sie Ihren Kundenberater. Er unterstützt Sie gerne mit seinem Know-how.