Tipps zur Altersvorsorge Pensionierung mit Budget planen

Wer die Pensionierung planen will, stellt am besten schon jetzt ein Budget auf. Vier UBS-Vorsorgeexperten geben weitere Hinweise.

von UBS Wissen 13. Dez 2018

Illustration: Pia Bublies

Die Pensionierung ist ein Wendepunkt im Leben, an dem sich vieles verändert. Vor allem auch die finanzielle Situation. Oft wird die Planung dieses neuen Lebensabschnitts vergessen oder zu spät in Angriff genommen. «Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte die Planung bereits 10 bis 15 Jahre vor der Pensionierung beginnen», empfiehlt Privatkundenberaterin Natali Geiser. «Dann sind die Möglichkeiten noch da, um Optimierungen vorzunehmen und Vorsorgelücken zu schliessen.»

Die Grundlage, um eine Pensionierung seriös zu planen, ist eine detaillierte Budgeterstellung. Denn erst eine Gegenüberstellung der zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben zeigt, ob der Lebensstandard nach der Pensionierung aufrechterhalten werden kann. «Die Gelder aus der 1. und der 2. Säule reichen dafür meist nicht aus, da sie lediglich 60 bis 70 Prozent des letzten Einkommens decken», erklärt Privatkundenberater Giuseppe Degiorgi. Mit einer Budgetplanung lässt sich ermitteln, ob und wie das restliche Einkommen kompensiert werden kann. Sie erleichtert aber auch Entscheidungen im Zusammenhang mit der Pensionierung: Soll ich die Pensionskassengelder als Kapital, als Rente oder als Mischform beziehen? Kann ich mir eine Frühpensionierung leisten? Ist eine Amortisation meiner Hypothek sinnvoll? Und vor allem: Welche Wünsche kann ich mir nach der Pensionierung erfüllen?

Welche Ausgaben habe ich?

Bei der Budgetierung gilt es in einem ersten Schritt, die aktuellen Ausgaben zusammenzutragen. Die Kosten sollten nach Bereichen wie Versicherungen, Wohnen, Steuern, Haushalt, Gesundheit, Mobilität und Freizeit gegliedert werden. Dafür sind zum einen die fixen monatlichen Auslagen wie Miete, Krankenkasse und Telefonrechnungen zu erfassen, zum anderen quartalsweise oder jährlich anfallende Kosten, zum Beispiel Hypothekarzinsen, Hausratversicherungen und Steuern. Aus solchen grösseren Rechnungen kann ein monatlicher Durchschnitt errechnet werden. Dies gilt auch für variable Kosten wie Ausgaben für Kleider oder Lebensmittel.

In einem zweiten Schritt geht es darum, die Veränderungen der Ausgaben nach der Pensionierung abzuschätzen. Einerseits fallen dann berufsbezogene Aufwendungen weg, etwa die Kosten für den Arbeitsweg. Andererseits erhöhen sich gewisse Kosten mit zunehmendem Alter. So werden beispielsweise Zusatzversicherungen der Krankenkasse teurer. Vor allem aber haben Rentner mehr Zeit zum Geldausgeben. Die Ausgaben für Reisen und Hobbys steigen in den ersten Jahren nach der Pensionierung häufig stark an.

Welche Kosten können vergessen gehen?

Die Steuern bleiben für Rentner ein wesentlicher Ausgabenposten, der vielfach unterschätzt wird. «Die Steuern sinken nach der Pensionierung oft weniger stark als erhofft», beobachtet Privatkundenberater André Dubach. Auch wenn das Einkommen mit der Pensionierung abnimmt, kann die Steuerrechnung nahezu gleich ausfallen. Dies hat meist mit dem Wegfallen von Steuerabzügen zu tun wie Berufsauslagen oder Einzahlungen in die Säule 3a. Ebenfalls häufig unterschätzt werden die Gesundheitsaufwendungen. Auch Ersatzanschaffungen wie ein neues Auto oder Kosten für die Sanierung des Eigenheims gehen bei der Budgetplanung gern vergessen.

Wie verändern sich Einkommen und Bilanz?

Sind die zu erwartenden Ausgaben ermittelt, gilt es das voraussichtliche Einkommen zu errechnen. Es besteht zum einen aus der AHV-Rente. Bestimmen lässt sich diese anhand einer AHV-Rentenvorausberechnung, die bei der Ausgleichskasse erhältlich ist. Zum anderen sorgen Pensionskassengelder für Einkommen. Über deren Höhe gibt der Pensionskassenausweis Auskunft. Neben den Einkünften aus der 1. und der 2. Säule sind auch weitere Einnahmequellen zu berücksichtigen, etwa Erträge aus Wertschriften und Mietzinseinnahmen.

Warum die Pensionierung schon ab 50 planen?

Erstellen Sie frühzeitig eine Budgetplanung um den finanziellen Bedarf im Ruhestand zu ermitteln.

Schliesslich kann Bilanz gezogen werden, wobei manch angehender Rentner erst einmal schlucken muss. «Die meisten kommen zum Schluss, dass ihr Einkommen nach der Pensionierung deutlich stärker sinkt als die Lebenshaltungskosten», sagt Privatkunden-beraterin Alida Kobler. Die Folge: ein kontinuierlicher Vermögensverzehr. Falls das Vermögen nicht ausreicht, um das benötigte Einkommen im Ruhestand langfristig sicherzustellen, sind Abstriche beim Lebensstandard unabdingbar. Die Budgetplanung hilft, Sparpotenzial ausfindig zu machen. Gross ist dieses meist beim Kostenblock Wohnen.

Eine seriöse Budgetplanung gibt die nötige Sicherheit, um mit einem guten Gefühl in den Ruhestand zu gehen. Sie liefert die Grundlage, um Anlagen, Hypotheken, Krankenkasse und Versicherungen im Hinblick auf die Pensionierung zu optimieren. Und nicht zuletzt lassen sich damit die Weichen für die Steuerbelastung nach dem Erwerbsleben stellen.

Unsere Experten

Natali Geiser

Privatkundenberaterin in Genf
In warmen Gefilden fühle ich mich am wohlsten. Deshalb sehe ich mich als Seniorin die warmen Regionen der Erde erkunden oder gar bewohnen.

Giuseppe Degiorgi

Privatkundenberater in Basel
Nach der Pensionierung wünsche ich mir vor allem mehr Zeit. Nicht nur für mich, sondern auch für meine sozialen Engagements.

Alida Kobler

Privatkundenberaterin in Lugano
Die Toskana ist mein Sehnsuchtsort. Deshalb würde ich meinen Lebensabend gerne dort verbringen, auf meinem eigenen, kleinen Landgut.

André Dubach

Privatkundenberater Lausanne
Als Rentner würde ich gerne in der Schweiz und in Thailand leben und eine kleine aber feine Obstplantage bewirtschaften.