Schweizer Märkte Es soll aufwärts gehen

Die Unternehmensgewinne in der Schweiz dürften steigen. UBS-Analyst Stefan R. Meyer ist zuversichtlich, was Aktien betrifft.

von Marc Lustenberger 17. Feb 2017

Die Inflation kehrt zurück in die Schweiz – wenn auch noch mit sehr tiefen Raten. Was bedeutet dies für private Anleger?

Dies bringt die Chance, dass sich die sehr tiefen Zinsen normalisieren. Das ist grundsätzlich positiv zu werten. Die Finanzinstitute stehen nämlich zunehmend unter Druck, die negativen Zinsen an die Kunden weiterzugeben. Wir gehen aber nicht davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank bereits in diesem Jahr ihre Negativzinsen aufgeben kann. Damit bleibt der Druck auf die Kontozinsen bestehen.

Das Geld auf dem Sparkonto zu deponieren, ist somit eine noch schlechtere Option als bisher?

Solange wir eine Deflation hatten, verloren die Guthaben der Kunden auf dem Sparkonto real keinen Wert – weil sie mehr für ihr Geld kaufen konnten. Bei einer steigenden Inflation hingegen ohne Zinsen führt dies zu einer Wertabnahme: Das Geld verliert an Kaufkraft. Es ist deshalb sinnvoll, sich über Anlagemöglichkeiten Gedanken zu machen; etwa den Kauf von Aktien oder anderen Anlageinstrumenten.

Das Aktienjahr 2016 war eher enttäuschend. Wird nun alles besser?

Nein, aber wir erwarten einen Aufwärtstrend. Wir gehen von einem positiven Wachstum der Unternehmensgewinne in der Schweiz aus. In den vergangenen zwei Jahren waren sie leicht rückläufig, was sich in den Aktienkursen niedergeschlagen hat. Weil aber die politischen Unsicherheiten bestehen bleiben, führt dies zu Unsicherheiten in den Märkten und damit verbundenen Kursschwankungen.

Donald Trump will als Präsident den Freihandel einschränken. Ist das eine Gefahr für Schweizer Unternehmen?

Ja. Die Schweiz als kleiner Markt ist auf den internationalen Handel angewiesen. Wahrscheinlich wird Donald Trump aber nicht all seine Drohungen wahr machen können. Er muss sie durchs Parlament bringen, wo Widerstand auf ihn wartet. Viele Schweizer Unternehmen haben bereits heute Produktionsstandorte in den USA, sie dürften von allfälligen Handelseinschränkungen weniger betroffen sein. Unter Druck kommen könnten die Gesundheitsbranche sowie die Maschinen- und Uhrenindustrie.

Die UBS geht für dieses Jahr dennoch von steigenden Aktienkursen aus. Warum?

Wir erwarten, dass die Weltkonjunktur anzieht. Die Schweiz war in den vergangenen Jahren oft mit dem starken Schweizer Franken und Währungsverlusten konfrontiert. Dies sollte 2017 nicht mehr der Fall sein, was sich positiv auf die Gewinne in Schweizer Franken auswirkt. Die Margen verschiedener Branchen, etwa der Luxusgüterindustrie, waren in den vergangenen drei Jahren stark unter Druck. Hier erwarten wir eine leichte Verbesserung.

Haben Sie bei den Schweizer Aktien Favoriten?

Innerhalb der Schweiz bevorzugen wir nachhaltige Dividendenzahler. Darunter verstehen wir Firmen, die über Jahre hinweg eine vernünftige Dividendenrendite erwirtschaften. Wir suchen insbesondere Unternehmen mit einem überdurchschnittlichen Dividendenwachstum. In den vergangenen Jahren gehörten die defensiven Branchen wie zum Beispiel Konsumgüter, Gesundheit oder Telekommunikation zu den Gewinnern. In diesem Jahr dürften wirtschaftssensitive Sektoren wie zum Beispiel Industrieunternehmen oder Nicht-Basiskonsumgüter im Aufwind sein.

Im Immobilienmarkt gibt es zunehmend Leerbestände, und je nach Ort sinken die Mieten. Was bedeutet dies für Anleger?

Auf der Anlageseite heisst dies, dass die Wachstumsmöglichkeiten von Immobilienanlagen beschränkt sind und die Risiken zunehmen. Die Renditen bleiben zwar weiterhin stabil, aber das Kursgewinnpotenzial ist verschwunden. Wir empfehlen, hier nur noch sehr selektiv zu investieren.

Von welchen Investments sollten Anleger besser die Finger lassen?

Im Aktienmarkt betrifft dies Titel mit sehr hoher Bewertung und tiefem Wachstumspotenzial. Beispiele dafür sind selektive Unternehmen aus den Industrie- und Konsumbranchen. Zu erwähnen sind auch Anleihen mit einer negativen Rendite auf Verfall, also den Rückzahlungstermin. Diese sind zu meiden. Der Grosssteil der Schweizer Staatsanleihen ist davon betroffen.

Was empfehlen Sie Investoren, die in politisch unsicheren Zeiten einen sicheren Hafen für ihr Geld suchen?

Im Anleihenmarkt sind es Unternehmen mit einer durchschnittlichen bis guten Kreditqualität. Im Aktienbereich ist es wichtig, sich gut zu diversifizieren und auf Firmen zu fokussieren, die ein nachhaltiges, stetiges Dividendenwachstum versprechen.

Die Märkte im Überblick

Aktien: Der Faktor «Wachstum» ist zurück, und die Dividendenrendite ist attraktiv. Die Bewertung ist aber hoch. Wir bevorzugen Qualitätsdividendenzahler und mittelgrosse Unternehmen.

Anleihen: Wir sehen vermehrt das Risiko von negativen Gesamtrenditen. Wir bevorzugen Unternehmensanleihen aus den «A»- und «BBB»-Segmenten.

Immobilien: Die Bewertungen sind hoch und die fundamentalen Impulse fehlen. Wir raten nur noch selektiv zu Käufen.

Währungen: Aus Frankensicht erwarten wir im Jahresverlauf einen ziemlich stabilen Dollar und einen stärkeren Euro.

Konjunktur: Die Wirtschaft in der Schweiz wächst stärker als in der Eurozone.

Aktienexperte

Stefan R. Meyer hat an der Universität Betriebswirtschaft studiert und arbeitet seit über 25 Jahren als Aktienanalyst für UBS. Nach zwei längeren Aufenthalten in Asien ist er nun in Zürich tätig und hat sich auf die Analyse von Schweizer Aktien spezialisiert.