Aktien Schweizer Unternehmen sind flexibel

Wieso man für Schweizer Aktien langfristig optimistisch bleiben darf.

von Stephan Lehmann-Maldonado 20. Okt. 2015
Vincent Duval ist Manager der UBS Suisse Funds.

Herr Duval, unsere Exportwirtschaft und unsere Tourismusbranche leiden unter der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Was halten Sie von Schweizer Aktien?

Bevor der Franken hochschnellte, lautete die Konsensprognose der Analysten, dass die Gewinne der Schweizer Unternehmen in diesem Jahr um 10 bis 12 Prozent zulegen. Doch der starke Franken stellt Unternehmen mit hohem Exportanteil vor eine grosse Herausforderung. Dennoch bleiben die Schweizer Unternehmen wettbewerbsfähig. Viele sind Weltmarktführer in Marktnischen. In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, dass sie äusserst innovativ und anpassungsfähig sind. Mittel- und langfristig bleiben die Perspektiven für Schweizer Aktien darum recht gut. Das Gewinnwachstum der Unternehmen sollte es ermöglichen, Renditen von 5 bis 10 Prozent zu erzielen. Im Vergleich zu anderen Anlageklassen ist das ein guter Wert.

Wie entwickeln sich Schweizer Obligationen?

Die Einführung der negativen Zinsen durch die Nationalbank führte bei den Obligationen zu hohen Kursgewinnen. Doch die zukünftigen Renditen auf Obligationen dürften sehr schwach respektive negativ ausfallen. Die bevorstehende Flutung der Finanzmärkte mit Euros durch die Europäische Zentralbank könnte die Franken-Zinskurve für längere Zeit ins negative Territorium drücken.

Dann lassen Sie also die Hände von Obligationen?

Nein. Wenn es an den Aktienmärkten turbulent zugeht, tragen Obligationen zur Stabilität eines Portfolios bei. Alle Alternativen zu Obligationen wie etwa Hedge Funds würden entweder das Risiko erhöhen oder die Liquidität reduzieren. Wichtig ist für uns als Fondsmanager: Wir müssen die Ruhe bewahren und diszipliniert gemäss unserer Anlagestrategie investieren. Denn langfristig sind zwei fundamentale Prinzipien erfolgsentscheidend – die Diversifikation und das Risikomanagement.

Die wirtschaftlichen Aussichten für die Schweiz sind getrübt. Dennoch geniessen UBS Suisse Funds weiterhin grosse Beliebtheit. Warum?

Weltweit bleibt das Umfeld für risikoreichere Anlageklassen wie Aktien intakt. Speziell an den Schweizer Unternehmen ist, dass sie sehr global aufgestellt sind und grosse Teile ihres Umsatzes in Europa, den USA und Schwellenländern erwirtschaften. In Europa profitieren die Unternehmen vom Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank, das den Euro weiterhin drücken wird. Und die Zinsen bleiben historisch tief, was den Firmen günstige Finanzierungen ermöglicht. Die USA sind bereits in Fahrt gekommen. Der tiefe Ölpreis stimuliert die Wirtschaft. Momentan haben wir in den UBS Suisse Funds eine leichte Übergewichtung von europäischen und amerikanischen Aktien. Von der globalen Wirtschaftsentwicklung profitieren aber auch Schweizer Unternehmen – und die UBS Suisse Funds.

Ist es denkbar, den Immobilienanteil in den Fonds zu erhöhen, weil die Zinsen so tief sind?

Momentan werden wir den Immobilienanteil nicht erhöhen, obgleich er seit Anfang Jahr wesentlich zur Rendite beigetragen hat. Die Renditen unserer Schweizer Immobilienfonds sind attraktiv, verglichen mit den Renditen von Schweizer Obligationen, die gegen null tendieren. Börsenkotierte Immobilienfonds legten in den letzten Jahren rasant an Wert zu. Mittlerweile scheinen uns ihre Preisaufschläge (Agio) recht hoch zu sein. Anfang Januar betrug das mittlere Agio des Immobilienindex SXI Real Estate etwa 30 Prozent, verglichen mit dem historischen Schnitt von 20 Prozent. Seither hat sich das Agio nochmals erhöht. Dieser Preisanstieg lässt sich nicht nur mit fundamentalen Daten begründen, sondern auch damit, dass manche Anleger Immobilienfonds anstelle von Anleihen erwerben. Doch es gilt zu unterscheiden zwischen Wohnimmobilien und kommerziellen Immobilien. Wohnimmobilen verzeichnen noch immer eine hohe Nachfrage. Bei kommerziellen Immobilien, etwa Büros, gibt es eine hohe Leerstandsquote – entsprechend tiefer liegen hier die Agios.

Als Fondsmanager waren Sie seit Anfang Jahr stark gefordert. Wie gehen Sie damit um?

Mein Beruf fasziniert mich sehr. Aber ich brauche einen Ausgleich dazu. Mir ist die Work-Life-Balance wichtig. Und hier helfen mir meine Frau und meine Kinder sehr, dass diese nicht aus dem Gleichgewicht gerät.