Münzen und Nötli: Warum Bargeld für Kinder wichtig ist

Heutzutage tragen immer weniger Menschen Bargeld auf sich. Viele Portemonnaies haben nicht mal mehr ein Münzfach. Wenn Sie jedoch Kinder haben, lohnt es sich, physisches Geld griffbereit zu haben.

Denn für Kinder sind Zahlen abstrakt – erst Münzen und Scheine machen Geld greifbar. Man kann es anfassen, anschauen und auch miterleben, dass es nach dem Bezahlen nicht mehr da ist. Dadurch hilft Bargeld Kindern, die Grundfunktionen von Geld als Zahlungsmittel, zur Wertaufbewahrung und als Recheneinheit zu verstehen.

Es empfiehlt sich, mit Bargeld ein Grundverständnis für Zahlen und Geld aufzubauen, bevor Sie das Taschengeld digital an Ihr Kind auszahlen. Ein Kässeli ist dabei die ideale Lernhilfe. Helfen Sie Ihrem Kind zum Beispiel beim Zählen seines Kässeli-Guthabens und tauschen Sie bei Bedarf Münzen in Noten um.

Gerade für junge Kinder ist Bargeld ein wichtiges Lerninstrument. Durch das Anfassen und Zählen verstehen sie, was Geld bedeutet.
Johanna Aebi, CEO Young Enterprise Switzerland (YES)

Eltern und Erziehungsberechtigte können mit dem Kind den Umgang mit Geld auch üben, indem sie Bargeld im Alltag nutzen. Versuchen Sie, hin und wieder mit Münzen und Noten zu zahlen, und zeigen Sie Ihrem Kind, welcher Schein für einen vollen Einkaufswagen oder einen Zoobesuch zu zücken ist.

Digitales Taschengeld: Ab wann macht’s Sinn?

Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für den Wechsel von Bargeld auf digitales Geld? Entscheidend ist hier vor allem die Reife des Kindes. Meist ist es im Alter von 12 bis 13 Jahren sinnvoll, digitales Geld schrittweise einzuführen. In dieser Phase können Sie dem Kind mehr Verantwortung für das eigene Budget geben und das Geld auf ein eigenes Konto überweisen. Versteht es den Umgang mit Bargeld bereits in jungen Jahren gut, lässt sich digitales Geld auch schon im Primarschulalter (6–11 Jahre) einführen – zum Beispiel, wenn das Kind erstmals mit der digitalen Welt in Berührung kommt. Wichtig ist, Ihr Kind dabei über die Risiken von digitalem Geld aufzuklären.

Es bietet sich auch an, den Wechsel zu digitalem Geld mit dem Wechsel zum Jugendlohn zu kombinieren. Mit dem Jugendlohn steigen in der Regel auch die monatlichen Beträge und es lohnt sich, ein Konto mit Debitkarte zu eröffnen. In diesem Moment können Sie als Eltern einen Dauerauftrag mit dem entsprechenden Betrag einrichten.

Denken Sie daran: Auch bei digitalem Taschengeld ist es wichtig, dass Ihr Kind mit dem Geld rechnen und planen kann. Bezahlen Sie den Betrag daher regelmässig zum vereinbarten Zeitpunkt aus und vermeiden Sie spontane Kürzungen oder einen Zustupf.

Mit dem Jugendkonto startklar für die Zukunft

Der erste Schritt in die finanzielle Unabhängigkeit beginnt mit dem richtigen Konto. Das Banking-Angebot für Jugendliche bietet kostenlose Konten, Karten und Digital Banking. Die Kontoeröffnung ist einfach und komplett online.

Eng begleiten: der sichere Weg zum digitalen Geld

Auch wenn Sie das Taschengeld nicht mehr bar auszahlen, bleibt eine enge Begleitung wichtig. Der Wechsel zu digitalem Geld ist eine grosse Umstellung. Gehen Sie die ersten Schritte mit Ihrem Kind gemeinsam und nehmen Sie sich Zeit für Fragen.

So können Sie Ihr Kind beim Umstieg unterstützen:

  • Gehen Sie gemeinsam auf die Bank und zahlen Sie das Geld aus dem Kässeli auf das neue Konto ein. Anschliessend können Sie mit der Bankkarte am Bancomaten den Kontostand abfragen. So wird der Wechsel sichtbar.
  • Begleiten Sie das Kind beim ersten Einkauf mit der Karte und beim ersten Bargeldbezug und erklären Sie, was passiert.
  • Besprechen Sie den ersten Kontoauszug gemeinsam.
  • Nutzen Sie visuelle Hilfen, um das «unsichtbare» digitale Geld sichtbar zu machen. Schauen Sie zum Beispiel mit dem Kind gemeinsam Diagramme im E-Banking an.
  • Sprechen Sie die Gefahren von digitalen Zahlungsmitteln an und erklären Sie, dass das Geld am Bildschirm genauso «weg» ist wie ein Fünfliber, wenn man ihn ausgibt.
Der Umstieg gelingt besser, wenn Kinder sehen: Das Geld aus dem Kässeli verschwindet und taucht als Zahl auf dem Konto wieder auf.
Noëlle Müller, Young Enterprise Switzerland (YES)

Ein möglicher Lernweg: vom Fünfliber zur Karte

  • Unterstufe (6–8 Jahre): Taschengeld wöchentlich bar auszahlen. Münzen und Noten vergleichen und kennenlernen. Erste kleine Sparziele verfolgen. Zahlen kennenlernen. Additionen und Subtraktionen lernen. Einteilung des Taschengeldes über eine Woche üben.
  • Mittelstufe (9–11 Jahre): Taschengeld in grösseren Abständen – alle zwei Wochen bis monatlich – bar auszahlen. Etwas grössere Sparziele verfolgen. Grössere Zahlen und anspruchsvollere Rechenaufgaben lernen. Einteilung des Taschengeldes über einen Monat üben.
  • Sobald der Umgang mit dem Taschengeld in bar gut funktioniert: gemeinsam ein Konto eröffnen und Taschengeld oder Jugendlohn digital auszahlen. Erste Erfahrungen sammeln mit dem digitalen Bezahlen.
  • Oberstufe: bei Bedarf TWINT oder andere App zum Bezahlen installieren, falls die Einteilung des Taschengelds oder des Jugendlohns gut funktioniert.

Fehler erlaubt: Was tun, wenn’s noch nicht klappt?

Gut möglich, dass im ersten Monat etwas schiefgeht. Das Kind wird Fehler machen, beispielsweise, wenn es sein Geld zu schnell ausgibt. Das ist auch völlig in Ordnung. Wichtig ist, dass Sie als Eltern oder Erziehungsberechtigte diese Fehler zulassen und sie als Lernfenster für das Kind nutzen.

Suchen Sie das Gespräch und fragen Sie nach, wieso es nicht funktioniert hat. Berichten Sie dabei auch von Ihren eigenen Erfahrungen und Fehlern – das kann die Beziehung zum Kind stärken. Vermeiden Sie aber Nachzahlungen, auch wenn es Ihrem Kind und vielleicht auch Ihnen im Moment wehtut. Langfristig lernt Ihr Kind mehr, wenn es die Konsequenzen spürt.

Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Kind den Überblick über seine Ausgaben verloren hat? Dann gehen Sie gemeinsam einen Schritt zurück – beispielsweise indem Sie das Taschengeld oder den Jugendlohn teilweise auf das Konto überweisen und teilweise bar auszahlen. So erhält das Kind vielleicht den Anteil, der für Klamotten und Schuhe gedacht ist, weiterhin auf sein Konto, während es den Anteil für Heftli, Freizeit oder persönliche Pflegeprodukte wieder in bar erhält.

Ihr Kind kann die Bankkarte auch zu Hause lassen und regelmässig einen festen Betrag abheben, um damit geplante Einkäufe zu erledigen. Funktioniert es auf diese Weise einige Monate gut, kann die Bankkarte auch wieder für Bezahlungen verwendet werden.

Wichtig ist, dass Sie Ihr Kind nicht Tag und Nacht kontrollieren, sondern es auf seinem Weg begleiten. Fragen Sie Ihr Kind auch nach eigenen Lösungsvorschlägen. Vielleicht finden Sie gemeinsam eine passendere Option.

Häufige Fragen zum Thema: Taschengeld bar oder digital?

Fazit: bar oder aufs Konto – das entscheidet die Reife des Kindes

  • Für kleine Kinder ist Bargeld ideal, um spielerisch den Umgang mit Geld zu lernen.
  • Ab etwa Ende der Mittelstufe, zum Beispiel mit Einführung des Jugendlohns, kann das Taschengeld auf ein Konto überwiesen werden. Zeigt Ihr Kind jedoch schon früher Reife im Umgang mit Geld, ist ein Konto auch im Primarschulalter eine Option.
  • Kommen Jugendliche mit der Debitkarte klar und schaffen sie es, ihr Geld gut einzuteilen, können sie ab ca. 12 Jahren auch TWINT oder eine andere App installieren und mit dem Smartphone bezahlen.
  • Eltern und Erziehungsberechtigte sollten Fehler zulassen und nicht mit einem Zustupf ausbügeln. Sie sind ein wichtiges Lernfeld für das Kind.
  • Haben Jugendliche Mühe damit, den Überblick zu behalten, kann auch eine Mischung aus physischer und digitaler Auszahlung des Taschengelds oder des Jugendlohns sinnvoll sein.

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