Abo-Check am Familientisch: von Serafe bis Streaming

Früher flatterte einmal pro Jahr die Rechnung der schweizerischen Erhebungsstelle der Radio- und Fernsehgebühren (Serafe) ins Haus und mit ihr war die Radio- und Fernsehnutzung für die Familie bezahlt. Dazu kamen der Festnetzanschluss sowie allenfalls eine Prepaidkarte oder die Jahresgebühr der Bibliothek. 

Heute gibt es unzählige Optionen für den Medienkonsum, etwa all die Streamingdienste für Musik, Filme und Serien. Dabei scheinen die monatlichen Kosten oft gering. Doch wenn man bei mehreren Anbietern Dienste in Anspruch nimmt, kann es jährlich ganz schön teuer werden. Und wenn die Eltern die Rechnungen bezahlen, wissen die Kinder nicht, wie hoch die Ausgaben eigentlich sind. 

Es lohnt sich also, die Abrechnungen für Streaming und auch für Radio- und Fernsehgebühren, Bibliothek, Filmmiete über Pay-TV, Internetanschluss und was sonst noch anfällt mit den Kindern anzuschauen. Indem Sie besprechen, welche Abos die Familie nutzt und wie viel diese monatlich und jährlich kosten, fördern Sie ihr Konsumbewusstsein.

Weil Kinder Streamingdienste selbst nutzen und sich darunter etwas vorstellen können, eignen sich die Abo-Kosten besonders gut als Lernfenster.
Noëlle Müller, Executive Assistant bei Young Enterprise Switzerland

Ein Blick auf die wiederkehrenden Kosten kann die Kinder zudem auf den Umgang mit dem eigenen Budget vorbereiten. Mit älteren Kindern können Sie die Abo-Kosten auch in den Kontext des Familienbudgets stellen. Denn schon früh sollten Kinder wissen, wie sich solche Ausgaben summieren. So wird ein Bewusstsein dafür geschaffen und Ihr Kind weiss, dass es sich vielleicht nicht mehr alle Abos auf einmal leisten kann.

Medienkompetenz aufbauen: vier Tipps fürs Gespräch

Tipp 1: Reflektieren Sie gemeinsam den Medienkonsum

Sprechen Sie nicht nur über Geld, sondern auch darüber, wie der Konsum von verschiedenen Medien sich auf das Leben eines Menschen auswirkt. Wie viel Zeit verbringt Ihr Kind mit Filmen und Serien? Stellen Sie ihm Fragen wie: Brauchst du das wirklich? Kannst du etwas daraus lernen? Oder geht vielleicht etwas anderes verloren, zum Beispiel Zeit mit Freundinnen und Freunden oder für Hobbys?

Tipp 2: Lassen Sie Ihr Kind mitentscheiden

Mit älteren Kindern können Sie die Angebote gemeinsam recherchieren und vergleichen. So lernen Kinder, selber abzuwägen, welche Abos wirklich zu ihnen passen. Nehmen Sie die Meinung und die Bedürfnisse Ihres Kindes ernst und treffen Sie die Entscheidungen gemeinsam. Dazu können Sie ein einfaches Budget aufstellen, in dem auch Medienkosten ihren Platz haben. So erleben Kinder, dass sie mitgestalten und mitentscheiden dürfen.

Tipp 3: Seien Sie ein Vorbild

Wie sich die Eltern und Erziehungsberechtigten beim Medienkonsum verhalten, spielt eine grosse Rolle. Sprechen Sie über Ihre eigenen Erfahrungen und Fehler, zum Beispiel über ein Abo, das Sie kaum genutzt, aber dennoch lange bezahlt haben. So entsteht ein ehrlicher Austausch, aus dem Sie gemeinsam mit Ihrem Kind lernen können.

Tipp 4: Verzichten Sie auf Verbote

Ein Verbot sollte nur die allerletzte Massnahme sein. Einschränkungen – insbesondere zeitliche und altersgerechte – sind sinnvoll, doch auch der bewusste Konsum spielt eine wichtige Rolle, um digitale Kompetenzen zu stärken. Wenn Sie Kindern und Jugendlichen bestimmte Inhalte verbieten, werden sie erst recht neugierig und dazu verleitet, ihre Grenzen auszutesten. Sinnvoller ist es, von Beginn an einen klaren Rahmen zu setzen, in welchem Kinder Medien konsumieren dürfen. 

Eltern sollten Ihren Kindern schrittweise mehr Verantwortung im Medienkonsum übergeben und die Erlebnisse anschliessend gemeinsam reflektieren.
Johanna Aebi, CEO bei Young Enterprise Switzerland

Wer zahlt? Taschengeld oder Jugendlohn für digitale Wünsche

In vielen Fällen ist es naheliegend, ein Familien-Abo zu lösen oder einen Account zu eröffnen, den sich die Geschwister untereinander teilen. Denn häufig sind Konten mit mehreren Nutzerinnen und Nutzern günstiger als einzelne Accounts für jedes Mitglied des Haushalts. Eine Beteiligung an den Kosten aus dem Taschengeld oder Jugendlohn kann je nach Situation eine gute Lösung sein und das Verantwortungsbewusstsein stärken. Gleichzeitig ist dies eine Vorbereitung auf das Erwachsenenleben, wenn regelmässige finanzielle Verpflichtungen wie Handy-Abo, Krankenkasse oder Miete dazugehören.

Kommt bei Ihrem Kind irgendwann der Wunsch nach eigenen Abonnements auf, die Sie als Familie nicht brauchen, ist es besonders sinnvoll, wenn es diese zumindest teilweise selbst bezahlt. Aber: Eine Kostenbeteiligung bedeutet nicht, dass sich das Kind alles kaufen darf, was es möchte. Stecken Sie auch hier gemeinsam mit Ihrem Kind den Rahmen ab.

Und sowieso: Streaming und ähnliche Angebote sind keine Notwendigkeit. Die Familie muss diese Kosten nicht übernehmen, und Eltern oder Erziehungsberechtigte dürfen klar sagen, wenn sie etwas nicht finanzieren wollen oder können.

Prepaid oder Abo: Der Vergleich fürs Handy lohnt sich

Handys sind aus dem Alltag von Jugendlichen nicht wegzudenken. Mittlerweile haben fast alle 12- bis 13-Jährigen in der Schweiz ein eigenes Handy – die Mehrheit davon wird über ein Abonnement bezahlt. Da Minderjährige keine Abo-Verträge abschliessen dürfen, müssen die Eltern oder Erziehungsberechtigten die Verträge unterzeichnen. 

Entscheiden Sie aber nicht einfach eigenmächtig über den Vertragsabschluss. Besprechen Sie zunächst mit Ihrem Kind, ob und in welchem Umfang es ein Handy wirklich braucht, und suchen Sie danach gemeinsam ein passendes Angebot. Wie viele Daten und Telefonminuten sind nötig und würde vielleicht auch eine Prepaidkarte reichen? 

Tipp: Auf der Online-Plattform Jugend und Medien des Bundes finden Sie Informationen, Tipps und Ratgeber zur Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen.

Bewusst leben: Finanz- und Medienkompetenz fördern

Medien sind Teil des Alltags der Kinder, sollten diesen aber nicht bestimmen. Es ist wichtig, dass sie auch Zeit abseits der digitalen Medien, in der realen Welt verbringen – zum Beispiel in der Pfadi oder mit Freundinnen und Freunden. 

Dazu gehört auch, als Eltern oder Erziehungsberechtigte klare Grenzen zu setzen und den Mut zu haben, Nutzungszeiten zu begrenzen oder Abos zu kündigen. So entwickelt das Kind finanzielle Kompetenzen, Medienkompetenz, persönliche Reife und Konsumbewusstsein und lernt, sowohl sein Geld als auch seine Zeit bewusst einzuteilen.

Häufige Fragen rund um Ausgaben für den Medienkonsum von Kindern

Fazit: Medien- und Streaming-Abo-Kosten als Lernfeld nutzen

  • Finanz- und Medienkompetenz gehen Hand in Hand. Nutzen Sie das Lernfenster aktiv, indem Sie die Kosten mit den Kindern gemeinsam besprechen.
  • Machen Sie mit Ihren Kindern eine Aufstellung der monatlichen, aber auch jährlichen Kosten für Medien-Abos und vergleichen Sie diese mit Kosten aus dem Alltag.
  • Klare Regeln, auch über die Aufteilung der Kosten, lohnen sich. Eine Beteiligung der Kinder an den Kosten kann helfen, Konsumbewusstsein aufzubauen und Impulskäufen vorzubeugen.
  • Jugendliche unter 18 Jahren dürfen in der Regel ohne Zustimmung der Eltern oder Erziehungsberechtigten keine Abo-Verträge unterzeichnen. Nutzen Sie daher die Zeit bis zur Volljährigkeit, um Kosten von Abo-Verträgen mit Ihren Kindern zu besprechen und zu vergleichen.

Weitere Inhalte entdecken

Wir sind persönlich für Sie da

Vereinbaren Sie einen Termin für ein unverbindliches Beratungsgespräch oder rufen Sie uns bei Fragen direkt an.

Disclaimer