Vorsorge Vorsorgehürden für Frauen

Für Frauen bestehen grosse Herausforderungen in der Vorsorge. Eine UBS-Studie geht ins Detail und zeigt mögliche Lösungen auf.

von UBS Wissen 27. Aug 2019

Bild: UBS

Gezielte gesetzliche Anstrengungen und der kulturelle Wandel haben in den letzten Jahren die wirtschaftliche Stellung der Frauen in der Schweiz verbessert. Trotzdem halten sich gewisse Unterschiede zwischen Mann und Frau, zumindest statistisch, hartnäckig. Dies hat nicht zuletzt signifikante Auswirkungen auf die finanzielle Situation im Ruhestand.

Regelwerk begünstigt vermeintlich Frauen

Eine nüchterne Betrachtung der Vorsorgedaten weist zunächst auf eine Begünstigung der Frauen hin. Dazu zählen: ein tieferes Rentenalter, in der Summe geringere AHV-Beiträge, höhere AHV-Bezüge sowie ein identischer Umwandlungssatz in der 2. Säule – trotz der Tatsache, dass Frauen früher pensioniert werden als Männer und eine höhere Lebenserwartung haben.

Dies kann jedoch die systematisch tieferen Renten und den im Durchschnitt niedrigeren Lebensstandard von Frauen im Rentenalter nicht verhindern. Verantwortlich dafür sind gesellschaftliche Strukturen sowie individuelle Entscheidungen und Schicksale ausserhalb des Vorsorgesystems: Die Löhne von Frauen sind immer noch tiefer als die von Männern, auch wenn sich die Schere in den letzten Jahren etwas geschlossen hat. Frauen arbeiten öfter Teilzeit als Männer und legen häufiger eine Familienpause ein, die wegen hoher Fremdbetreuungskosten bisweilen länger ausfällt als gewünscht. Diese Erwerbsausfälle kommen meist in einem Alter, das für den Karriereverlauf von grosser Bedeutung ist. Neben den resultierenden tieferen Beiträgen an die 1. und 2. Säule ergibt sich auch ein geringeres privates Sparpotenzial, was durch den fehlenden Zinseszinseffekt über die Jahrzehnte verstärkt wird. Frauen tendieren ausserdem zu einem konservativeren Anlageverhalten, das in der Regel tiefere Erträge zur Folge hat.

Lebensmodell beeinflusst Rentensituation

Der gesellschaftliche Wandel der letzten Jahrzehnte eröffnete den Frauen viele neue Möglichkeiten. Doch jede Entscheidung zu Ausbildung und Beruf, Weiterbildung, Vollzeit/Teilzeit, Babypause oder Selbständigkeit beeinflusst auch die Vorsorgesituation. Und Entscheidungen im Privatleben, wo neben der klassischen Ehe ein breites Spektrum an Familienmodellen gelebt wird, haben ebenfalls weitreichende Konsequenzen. Bei der Entscheidung, ob eine Ehe überhaupt geschlossen werden soll, sind die erheblichen juristischen und vorsorgetechnischen Aspekte oftmals nicht ausschlaggebend. Gerade für den weniger verdienenden und einzahlenden Partner – immer noch häufig die Frau – sind die Folgen bei einer Auflösung der Ehe oder dem Ableben des Ehegatten markant.

Individuelle und gesellschaftliche Lösungsansätze

Grundsätzlich ist fast jede Vorsorgesituation optimierbar. Beinahe jede familiäre oder berufliche Entscheidung hat einen Einfluss auf die spätere Rente. Die Auswirkung auf die Vorsorgesituation sollte deshalb bei wichtigen finanziellen Entscheiden berücksichtigt werden – von Frauen wie von Männern.

Darüber hinaus gibt es auf den Ebenen Staat und Gesellschaft weitere Faktoren, die für eine allgemein stabilere Rentensituation wie auch spezifisch für Frauen essenziell sind: Das Drei-Säulen-System sollte gefestigt und insbesondere auch die Attraktivität der 3. Säule gesteigert werden. Die Politik könnte beispielsweise Nichterwerbstätigen ermöglichen, in die Säule 3a einzuzahlen und die resultierenden Steuerersparnisse dem erwerbstätigen Ehegatten (oder für zukünftige Steuerverpflichtungen) gutzuschreiben. Flexiblere Kinderbetreuungs- und Arbeitsmodelle könnten dazu führen, dass insbesondere Frauen nicht ins Hintertreffen geraten.

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