Vorsorge-Szenarien Altersrente: Was passiert, wenn..

Je nach persönlicher Lebenslage stellen sich bezüglich der Altersrente andere Fragen. Wir haben sieben typische Szenarien und ihre Folgen auf die Vorsorge für Sie durchgespielt.

von UBS Wissen 28. Aug 2018

Sara Rüegg, 42, ist Innendekorateurin und sucht eine neue berufliche Herausforderung. Sie will sich mit einem eigenen Onlineshop selbstständig machen. Dafür braucht sie Startkapital.

... ich mich selbstständig mache?

Die Möglichkeit, Geld der Pensionskasse oder der Säule 3a als Startkapital für die Selbstständigkeit zu nutzen, besteht durchaus. Bedingung dafür ist, dass man bei der AHV-Ausgleichskasse als selbstständig erwerbend anerkannt ist. Will Sara jedoch eine GmbH oder Aktiengesellschaft gründen, erhält sie ihr Vorsorgekapital nicht, da sie rechtlich in ihrer eigenen Unternehmung angestellt wäre. Als Selbständigerwerbende ohne freiwilligen Anschluss an einer beruflichen Vorsorge kann sie je nach Einkommen auch mehr in die Säule 3a ansparen.

Karin Baumann, 57, arbeitet seit 14 Jahren als Labortechnikerin beim selben Betrieb. Aufgrund einer Restrukturierung wird ihr gekündigt, eine neue Arbeitsstelle hat sie noch nicht gefunden.

... ich kurz vor der Altersrente meine Stelle verliere?

Ein Stellenverlust kurz vor der Pensionierung bringt die Vorsorgeplanung durcheinander. Eine umgehende Massnahme aus steuertechnischen Gründen kann die Überweisung des Pensionskassenguthabens auf zwei verschiedene Freizügigkeitseinrichtungen sein. Da bei den meisten Pensionskassen das frühestmögliche Rentenalter bei 58 oder 60 Jahren liegt, ist ein noch früherer Bezug von Beiträgen der 2. Säule – der ohnehin mit hohen Einbussen bei der Altersrente verbunden wäre – nicht möglich. Um Anspruch auf eine Rente zu haben, müsste Karin wieder eine neue Stelle mit neuem Pensionskassenanschluss finden. Guter Rat ist hier angebracht: Im Rahmen einer Beratung können ihr unter Berücksichtigung ihrer Gesamtsituation auch weitere Lösungsvorschläge aufgezeigt werden.

Myrielle und Stefan Huwyler, heute 34 und 36 Jahre alt, haben nach der Geburt ihrer Tochter entschieden, die Kinderbetreuung untereinander aufzuteilen. Sie arbeitet als Juristin und konnte ihr Pensum auf 50% reduzieren, er ist Lehrer und arbeitet ebenfalls 50%.

... wir wegen der Kinder weniger arbeiten?

Aktuell leben Myrielle und Stefan zwar gut vom Geld, das sie im Monat gemeinsam verdienen. Auf ihre Altersrente kann die Reduktion ihrer Arbeitspensen aber erhebliche Auswirkungen haben. Grund dafür ist der sogenannte Koordinationsabzug. Damit rechnen Pensionskassen jenen Teil des Lohnes heraus, der bereits durch die AHV abgedeckt ist. Nur: Längst nicht alle Pensionskassen passen diesen Abzug proportional dem Arbeitspensum an. Das führt häufig dazu, dass sowohl die Pensionskasse von Myrielle als auch jene von Stefan den vollen Koordinationsabzug anwenden.
Als Folge davon haben sie einen tieferen versicherten Lohn und können weniger 2.-Säule-Beiträge entrichten, was später eine deutlich tiefere Rente ergibt. Myrielle und Stefan tun daher gut daran, genau zu planen, wie sie diesen Nachteil ausgleichen können. Möglich ist dies etwa über Zahlungen in die 3. Säule sowie durch freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit höheren Pensen erwerbstätig sind.

Patrick Widmer, 28, ist als IT-Spezialist bei einer grossen Firma angestellt. Er hat schon mehrfach seine Stelle gewechselt und verdient ansprechend. Er geht in seinem Job auf, ist aber auch oft länger auf Reisen. Vorsorge ist für ihn kein Thema.

... ich mich um nichts kümmere?

Vorerst passiert nichts, wenn Patrick sich nicht um seine Vorsorge kümmert. Jedoch könnte er es später bereuen, seine finanzielle Flexibilität in jungen Jahren nicht auch zur privaten Vorsorge genutzt und kein Geld in die Säule 3a einbezahlt zu haben. Denn niemand weiss, wie sich das Vorsorgesystem in den nächsten Jahrzehnten verändern wird. Das angesparte Vermögen in der Säule 3a steht Patrick auch zur Verfügung, wenn er ein Eigenheim kaufen will. Was vielen nicht bewusst ist: Den Betrag, den man in die Säule 3a einzahlt und der vom steuerbaren Einkommen abziehbar ist, kann man selbst wählen. Es muss keineswegs alljährlich der Maximalbeitrag von derzeit 6826 Franken sein, den Personen mit Anschluss an eine berufliche Vorsorge einzahlen können.

Diego Wülfli, 29, ist Maschineningenieur und will Berufserfahrung im Ausland sammeln. Er plant, für drei bis vier Jahre der Schweiz den Rücken zu kehren.

... ich ins Ausland ziehe?

Die Beiträge der 2. Säule kann Diego für die Zeit, die er im Ausland verbringen wird, auf ein Freizügigkeitskonto bei der UBS Freizügigkeitsstiftung überweisen. Nach der Rückkehr in die Schweiz muss er es wieder in seine neue Pensionskasse einbringen. Wer in ein Land ausserhalb von EU oder EFTA auswandert, kann sich das Guthaben der Pensionskasse auch vollumfänglich auszahlen lassen. Wer hingegen in ein Land der EU oder EFTA zieht, muss den obligatorischen Teil des Pensionskassenguthabens zunächst auf einem Freizügigkeitskonto stehen lassen.

Peter Zaugg, 39, ist Geschäftsführer einer kleinen Firma. Mit seiner Frau will er ein Einfamilienhaus kaufen und lässt sich dafür Kapital aus der Pensionskasse und der Säule 3a auszahlen.

... ich Vorsorgegelder zum Hauskauf verwende?

In den eigenen vier Wänden wohnen – davon träumen viele Paare. Bevor Vorsorgekapital für den Hauskauf eingesetzt wird, lohnt es sich, die Auswirkungen eines Vorbezugs zu kennen. Denn die Pensionskassenleistungen für Alter, Tod oder Invalidität können durch einen Vorbezug so tief ausfallen, dass selbst das eigene Einfamilienhaus nicht darüber hinwegtrösten kann. Entscheiden sich Peter und seine Frau trotz Renteneinbussen für den Hauskauf, können sie dies zu einem späteren Zeitpunkt korrigieren, indem sie das vorbezogene Geld wieder in die Pensionskasse zurückführen.

Ruth Müller, 47, war 16 Jahre lang verheiratet und hat sich die letzten Jahre ausschliesslich um die Kinderbetreuung und den Haushalt gekümmert. Seit der Trennung von ihrem Ehemann leben die Kinder (15 und 12) bei ihr.

... ich mich scheiden lasse?

Ruth steht bei der Scheidung die Hälfte des Pensionskassenguthabens ihres Ehemanns zu, welches sich seit der Heirat angesammelt hat. Dieses wird grundsätzlich, solange sie nicht wieder einer Erwerbsarbeit nachgeht, auf einem Freizügigkeitskonto verwaltet. Ebenso bekommt Ruth ihren Anteil am gemeinsam angesparten Säule-3a-Vermögen. Wie lange die Altersrente schliesslich ausreicht, hängt natürlich von der Höhe der Guthaben und des übrigen Vermögens ab. Im Normalfall dürfte Ruth aber kaum darum herumkommen, wieder eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen und so ihr Alterskapital bis zum Pensionsalter zu erhöhen.