Hypothek Hypothek amortisieren oder nicht?

Warum das gute Gefühl, schuldenfrei zu sein, täuschen kann.

von UBS Wissen 18. Nov 2020

Bild: UBS

Keine Schulden zu haben, gibt einem ein gutes Gefühl und ist für viele ein Ziel. Aber objektiv betrachtet ist eine komplette Rückzahlung der Hypothekarschuld nur selten die beste Lösung.

Tragbarkeit geht vor

Eine Amortisation der Hypothek hat aus finanzieller Sicht unterschiedliche Auswirkungen. Bei einer tieferen Schuld sinken zwar die Zinszahlungen. Dies sollte aber mit der damit resultierenden höheren Steuerbelastung aufgerechnet werden, da Sie diese Zahlungen nun nicht mehr als Abzug geltend machen können. Zudem verwenden Sie für die freiwillige Amortisation unter Umständen Gelder aus einem Anlagevehikel (zum Beispiel aus Ihrem Wertschriftendepot), das ansprechende Erträge abwirft. Unter dem Strich lohnt sich eine Amortisation also nur, wenn die Zinseinsparung höher ist als die zusätzliche Steuerbelastung und die entgangenen Anlageerträge der entsprechenden Gelder.

Flexibilität bewahren

Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet mehr, als schuldenfrei zu leben. Wenn Sie Ihr Vermögen ganz oder teilweise aufgebraucht haben, um die Hypothek zu amortisieren, steht es für die Bestreitung des Lebensunterhalts oder für unvorhergesehene Ereignisse nicht mehr zur Verfügung. Oftmals kann der Amortisationsentscheid nach der Pensionierung nicht mehr rückgängig gemacht werden, da die Möglichkeiten einer Hypothekenerhöhung aufgrund tieferer Einnahmen eingeschränkt sind.

Jede Situation ist individuell. Aus unserem Rechenbeispiel geht hervor, dass es durchaus einen gewissen Spielraum gibt. Dabei kann auf der einen Seite die Tragbarkeit als Grenze gesetzt werden – vorausgesetzt, man möchte die aktuelle Wohnsituation erhalten. Auf der anderen Seite gilt es, den Wert der finanziellen Flexibilität individuell zu gewichten und gegen den Wunsch, schuldenfrei zu leben, abzuwägen.

Tragbarkeit berechnen

Eine Hypothek gilt dann als tragbar, wenn die regelmässigen Fixkosten nicht höher sind als ein Drittel des verfügbaren Einkommens. Fixkosten sind Hypothekarzinsen, allfällige Amortisationen sowie Unterhalt und Nebenkosten der Liegenschaft. Jeder dieser Kostenfaktoren wird nach bestimmten Regeln berechnet.