CIO Altersspezifisches Vorsorgesparen

Das Vorsorgesystem der Schweiz steht unter Druck. Umso wichtiger ist der Anlageerfolg der privaten Ersparnisse. Beim Vorsorgesparen sollte je nach Alter unterschiedlich investiert werden.

von Dr. Veronica Weisser, UBS CIO GWM 14. Nov 2018

2015 markiert einen Wendepunkt in der Schweizer Demografie. Seither erreichen jährlich mehr Personen das Rentenalter, als Personen 20 Jahre alt werden und in den Arbeitsmarkt eintreten. Die AHV schreibt Jahr für Jahr ein negatives Umlageergebnis und bei vielen Pensionskassen drückt die ansteigende Rentenbezugsdauer die Umwandlungssätze unter 5%.

Tiefzinsumfeld zwingt zum Umdenken

Das anhaltende Tiefzinsumfeld drückt zudem die Renditen von Zinskonten. Umso wichtiger ist daher der Anlageerfolg der privaten Ersparnisse für das Alter geworden, auch im Rahmen der Säule 3a. Unsere neue Studie (UBS House View Vorsorge (PDF, 850 KB)) zeigt, wie Vorsorgesparer in Abhängigkeit ihres Alters und somit eines gegebenen Anlagehorizonts bis zum Erreichen des Rentenalters ihr Säule 3a-Kapital sinnvoll anlegen können.

Werterhalt als vorrangiges Ziel

Da Vorsorgeersparnisse eine finanzielle Sicherheit im Alter bieten sollen, setzen wir den Werterhalt der Ersparnisse als vorrangiges Ziel. Dieses Ziel gilt als erfüllt, wenn auf der Basis der Modellierung mit mindestens 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit am Ende des Anlagehorizonts ein nominaler Gewinn (das heisst kein Verlust) erwartet wird. Als zweitrangiges Ziel wird eine möglichst hohe Rendite angestrebt.

Aktienanteil macht den Unterschied

Historisch betrachtet rentieren Aktien langfristig deutlich höher als Anleihen, während das Risiko eines Verlusts mit steigender Haltedauer abnimmt. Je länger der Anlagehorizont, desto höher sollte also auch der Aktienanteil im Vorsorgeportfolio ausfallen.

Was bedeutet dies für Ihre Vorsorgeersparnisse?

Die Generation Y oder Millennials gilt als gut ausgebildet. Die Altersvorsorge steht allerdings häufig nicht im Fokus. Dabei gilt, wer AHV-pflichtiges Einkommen erzielt, darf ab Alter 18 in die Säule 3a steuerbegünstigt einzahlen. Der Anlagehorizont von über 30 Jahren bedeutet, dass ein Aktienanteil von 95% oder 75% gewählt werden kann. Das Verlustrisiko über solche langen Zeithorizonte liegt extrem tief.

Voll im Beruf etabliert, ist sich die Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen der Bedeutung der privaten Altersvorsorge bewusst. Bei einem Zeithorizont von 16 bis 30 Jahren bis zum Rentenalter kann auch diese Generation ihre laufenden Vorsorgeersparnisse zu 95% oder 75% in ertragsträchtige Anlagen wie Aktien investieren, denn die Zeit für eine Erholung aus Rückschlägen am Finanzmarkt reicht in den allermeisten Fällen aus.

Die Altersgruppe der 50- bis 56-Jährigen gehört der Babyboomer-Generation an. Der gestiegene pro Kopf Wohlstand dieser Generation ist auch darauf zurückzuführen, dass die Babyboomer nur wenige Kinder haben und finanzieren mussten. Hingegen sind ihre AHV-Renten nicht sicher, da unklar ist, wer für ihre Renten aufkommen wird. Bezüglich der privaten Altersvorsorge besteht grosse Dringlichkeit. Der Anlagehorizont bis zum Alter 65 beträgt noch mehr als neun Jahre. Dies ermöglicht bei überschaubarem Risiko eine Anlage der laufenden Sparbeiträge für das Alter zu 50% in diversifizierte Aktien, 40% in Anleihen und 10% in Immobilien.

Für 57- bis 65-Jährige, die kurz vor dem Renteneintritt stehen, ist der verbleibende Anlagehorizont zu kurz, um bei überschaubarem Risiko in Aktien zu investieren. Ein Zinskonto ist deshalb unter Risikogesichtspunkten die erste Wahl. Wer sich dennoch gewisse Renditechancen erhalten möchte, kann die Vorsorgefonds nicht im Alter von 65 Jahren auflösen, sondern die vorhandenen 3a-Anlagen in das eigene Depot übertragen und erst später auflösen. Bei Auflösung ab Alter 75 sind weiterhin Investitionen zu 50% in diversifizierte Aktien, 40% in Anleihen und 10% in Immobilien möglich.

Wer früh mit dem Vorsorgesparen beginnt, kann ohne höheres Verlustrisiko deutlich mehr Rendite erzielen und einen besseren Lebensstandard in der Rente geniessen.

Verkürzung des Anlagehorizonts

In der Säule 3a dürfen Vorsorgeersparnisse in bestimmten Fällen vor dem Rentenalter bezogen werden, beispielsweise zur Finanzierung des selbstbewohnten Eigenheims oder bei Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit. In diesem Fall verkürzt sich der Anlagehorizont deutlich, so dass attraktive Renditen nur mit deutlich erhöhtem Verlustrisiko angestrebt werden können. Folglich sollten die Ersparnisse in diesen Fällen analog zum verbleibenden Anlagehorizont investiert werden.

Beispiel: Bei einem geplanten Eigenheimkauf in zehn Jahren wird die Anlagestrategie eines 55-jährigen gewählt. In den ersten beiden Jahren soll zu 50% in Aktien, zu 40% in Anleihen und zu 10% in Immobilien investiert werden, danach sollte auf ein Zinskonto eingezahlt werden.