UBS International Pension Gap Index Vorsorge im internationalen Vergleich

Das Schweizer Vorsorgesystem steht nicht schlecht da. Trotz guter Ausgangslage ist die Eigenverantwortung entscheidend.

von Jackie Bauer 08. Jun 2021

Der UBS International Pension Gap Index zeigt, dass sich Bürgerinnen und Bürger der wenigsten Länder darauf verlassen können, dass hinsichtlich ihrer Altersvorsorge «alles gut kommt». Vor allem ist augenscheinlich, dass sie sich nicht ausschliesslich auf die staatlichen Vorsorgeeinrichtungen verlassen können. Denn der demografische Wandel und das Tiefzinsumfeld belasten die Altersvorsorge weltweit. Am besten beraten ist, wer so früh und engagiert wie möglich seine langfristige Finanzsituation und somit automatisch auch den Ruhestand plant.

Dieses Fazit zieht auch die Hauptprotagonistin der Studie: unsere fiktive «Durchschnitts-Jane». Anhand Janes finanzieller Situation und der jeweiligen länderspezifischen Gegebenheiten werden 24 Vorsorgesysteme weltweit miteinander verglichen. Janes Ausgangslage sieht folgendermassen aus: Sie ist 50 Jahre alt, alleinstehend, hat bislang die schönen Momente im Hier und Jetzt genossen und sich noch nicht aktiv mit ihrer Altersvorsorge auseinandergesetzt. Nun fragt sie sich, ob sie für die «längsten Ferien» ihres Lebens gewappnet ist.

Studie: UBS International Pension Gap Index

Möchten Sie mehr zu Janes Vorsorgesituation im internationalen Vergleich erfahren? Die komplette Studie bieten wir Ihnen als Download an.

Vorsorgelücken sind eine weltweite Herausforderung

Jane beginnt mit der Aufstellung ihrer Lebenshaltungskosten und recherchiert die Details der obligatorischen Vorsorge, um ihr erwartetes Alterseinkommen zu ermitteln. Wenn ihre Ausgaben im Ruhestand die Leistungen der staatlichen und der beruflichen Vorsorge übersteigen, entsteht eine Vorsorgelücke. Diese ist in allen untersuchten Vorsorgesystemen eher die Norm als die Ausnahme, so auch bei Jane. Vor allem, da sie bislang die freiwilligen Sparmöglichkeiten ignoriert hat. So muss sie feststellen, dass ihre Situation bedeutend einfacher wäre, hätte sie sich mindestens zwanzig Jahre früher damit auseinandergesetzt.

Erforderliche Sparquote in %; je dunkler die Farbe, desto geringer fällt die Sparquote aus. | Quelle: UBS

Länder

Länder

Erforderliche Sparquote in %

Erforderliche Sparquote in %

Länder

Australien

Erforderliche Sparquote in %

7%

Länder

Brasilien

Erforderliche Sparquote in %

69%

Länder

Chile

Erforderliche Sparquote in %

80%

Länder

Dänemark

Erforderliche Sparquote in %

14%

Länder

Deutschland 

Erforderliche Sparquote in %

30%

Länder

Frankreich

Erforderliche Sparquote in %

44%

Länder

Grossbritannien

Erforderliche Sparquote in %

26%

Länder

Hongkong

Erforderliche Sparquote in %

74%

Länder

Indien

Erforderliche Sparquote in %

35%

Länder

Israel

Erforderliche Sparquote in %

41%

Länder

Italien

Erforderliche Sparquote in %

28%

Länder

Japan

Erforderliche Sparquote in %

102%

Länder

Kanada

Erforderliche Sparquote in %

50%

Länder

Niederlande

Erforderliche Sparquote in %

5%

Länder

Nigeria

Erforderliche Sparquote in %

145%

Länder

Russland

Erforderliche Sparquote in %

108%

Länder

Saudi-Arabien

Erforderliche Sparquote in %

7%

Länder

Schweden

Erforderliche Sparquote in %

9%

Länder

Schweiz

Erforderliche Sparquote in %

14%

Länder

Singapur

Erforderliche Sparquote in %

3%

Länder

Südafrika

Erforderliche Sparquote in %

49%

Länder

Taiwan

Erforderliche Sparquote in %

91%

Länder

USA

Erforderliche Sparquote in %

42%

Länder

VAE

Erforderliche Sparquote in %

0%

Jane ist sich ihrer Vorsorgelücke bewusst und berechnet nun, wie viel sie ab sofort bis zu ihrem Ruhestand zusätzlich ansparen muss, um diese zu schliessen. Die erforderlichen Sparquoten sind im internationalen Vergleich sehr unterschiedlich: In einigen Ländern sind sie relativ niedrig: so in den Niederlanden oder Australien. Andernorts ist sie überdurchschnittlich hoch, beispielsweise in Japan.

Wie steht es um die Schweizer Jane?

Mit der für Jane erforderlichen Sparquote von 14 Prozent liegt die Schweiz im internationalen Vergleich noch knapp im oberen Drittel der 24 untersuchten Länder. Die relativ hohe Lebenserwartung, das im internationalen Vergleich tiefe Pensionierungsalter und die relativ hohen Lebenshaltungskosten sind für Janes Situation ausschlaggebend.

Früheres Sparen mit der Säule 3a, vor allem mit Wertschriften, ein Teilzeiterwerb über das Rentenalter hinaus wie auch eine Umstellung auf einen einfacheren Lebensstandard im Alter würden ebenfalls die Sparquote senken. Hätte sie in jungen Jahren mit dem 3a-Sparen begonnen, wäre der Traum vom Eigenheim möglicherweise einfacher realisierbar gewesen und sie hätte Wohneigentum und Vorsorge gemeinsam optimieren können.

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Wie gehen andere Länder mit den aktuellen Herausforderungen um?

Die Janes weltweit sind sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Beginnend damit, ob sich ein Land zum Ziel setzt, seinen Bürgerinnen und Bürgern einen Holzschemel oder einen Liegestuhl für das Rentenalter bereitzustellen. Vor allem in angelsächsischen Ländern wie den USA, Kanada und Grossbritannien wird die Eigenverantwortung viel stärker gewichtet und ihre Vorsorgesysteme haben lediglich zum Ziel, Altersarmut zu verhindern.

Ein Vorsorgesystem, das Leistungen unabhängig von den geleisteten Einzahlungen verspricht (Leistungsprimat), ist eine europäische Erfindung. Viele unserer EU-Nachbarn sind progressiver als die Schweiz und stellen, zumindest in der beruflichen Vorsorge, schrittweise auf Beitragsprimaten – Renten basierend auf den persönlichen Beiträgen und mit marktgerechten Umwandlungssätzen – um, beispielsweise Italien und die Niederlande. Auch existieren in Europa fortschrittlichere Modelle, was die Höhe des Rentenalters betrifft: In Deutschland und Schweden wurde das Rentenalter 67 bereits eingeführt. In Dänemark ist es gar noch höher und wird mit steigender Lebenserwartung automatisch weiter angehoben.

Anpassungen im Schweizer Vorsorgesystem zu erwarten

Jane muss in den Jahren bis zu ihrem Ruhestand mit regulatorischen Anpassungen rechnen, beispielsweise einer Erhöhung des Rentenalters. Für jüngere Menschen sind die möglichen Folgen anstehender Veränderungen potenziell grösser. Denn die meisten Vorsorgesysteme stehen, bedingt durch den demografischen Wandel (mehr Rentner und weniger Erwerbstätige), unter Druck und werden ihre Versprechen nicht halten können. Dies erfordert eine freiwillige und eigenverantwortliche Vorsorgeplanung – besonders in der Schweiz. Das Beispiel von Jane bestätigt, dass eine frühe Ruhestandsplanung den gewohnten Lebensstandard in der Zeit nach der Pensionierung absichern kann.