Ausblick 2021 Reformen für alle drei Säulen der Schweizer Vorsorge

Nach den Herausforderungen der letzten Monate stehen 2021 dringend benötigte Reformen bei der 1. und der 2. Säule im Vordergrund.

von Veronica Weisser 28. Jan 2021

Der Konjunktureinbruch im Frühjahr 2020 führte dazu, dass der UBS-Vorsorgeindex Schweiz den schlechtesten Stand seit 2005 erreichte. Doch die Wirtschaftsentwicklung war nicht der einzige negative Treiber, auch die anderen drei Komponenten des Index – Demografie, Finanzen der Vorsorgewerke und politische Reformen – verschlechterten sich und steigern den Reformbedarf. Lesen Sie mehr dazu, welche Entwicklungen diesbezüglich in diesem Jahr zu erwarten sind, welche Maximalbeträge neu in der 2. und in der 3. Säule gelten und wie Sie in der 3. Säule Ihre Sparziele erreichen können.

Reformen: Finanzierung kurzfristig sichern

In der 1. Säule steht mit der Reform AHV 21 eine Gesetzesrevision an. Diese Vorlage wurde auf wenige Anpassungen reduziert, um möglichst gut durch das Parlament zu kommen und die Finanzierung der AHV – zumindest kurzfristig – zu sichern. Zentraler Punkt ist die Erhöhung des Rentenalters für Frauen auf 65 Jahre, verbunden mit einem Ausgleich für die ersten betroffenen Jahrgänge. Weiter sollen die Mehrwertsteuer erhöht und die Prozentsätze bei Vorbezug oder Aufschub der Rente angepasst werden. Ob die Revision wie geplant 2021 in Kraft treten kann, ist zurzeit äusserst fraglich. Damit geht wichtige Zeit verloren, denn Jahr für Jahr gehen mehr Babyboomer in Rente, die zur Sanierung der AHV beitragen könnten, etwa durch Anheben des Rentenalters. Je länger gezögert wird, desto weitreichender müssen nachfolgende Reformen ausfallen.

Auch die 2. Säule ist auf ein stabileres finanzielles Fundament angewiesen. Hier sparen die Arbeitnehmenden während des Berufslebens ihr eigenes Alterskapital an und erhalten es nach der Pensionierung meist als monatliche Rente ausbezahlt. Wie hoch diese ausfällt, bestimmt der Umwandlungssatz. Dieser sollte mathematisch aufgrund der erwarteten Rentenbezugszeit und Rendite berechnet werden, wurde jedoch seit Jahren nicht angepasst. Da er bei laufenden Renten nicht verändert wird, die Lebenserwartung jedoch stetig ansteigt und die Zinsen tief bleiben werden, muss die berufstätige Generation immer mehr zur aktuellen Rentenfinanzierung beitragen. Dies war in der 2. Säule nie vorgesehen, verringert den Wohlstand der Jüngeren und bringt das Vorsorgemodell in eine gefährliche Schieflage.

Systemfrage bei 2. Säule zentral

In seiner Botschaft vom 25. November 2020 ans Parlament beantragte der Bundesrat die Übernahme eines Reformmodells, das den Umwandlungssatz senkt. Doch dieses würde die Umverteilung von Jung zu Alt nur vergrössern und schliesslich dazu führen, dass sich die 2. Säule immer mehr dem Prinzip der 1. Säule angleicht – und mit demselben Problem konfrontiert sieht, nämlich der deutlich zu kleinen Anzahl von jüngeren Erwerbstätigen. Diese Systemfrage dürfte wohl die Beratung der aktuellen Reform dominieren.

Ein weiterer gewichtiger Punkt im politischen Prozess ist die Verbesserung der Rente für Geringverdienende. Durch den Koordinationsabzug (25 095 Franken) sind viele Teilzeitangestellte und Personen mit mehreren Einkommensquellen benachteiligt und einem höheren Altersarmutsrisiko ausgesetzt. Eine Senkung des Koordinationsabzugs stösst jedoch auf grösseren Widerstand als diejenige des Umwandlungssatzes, denn dadurch würden vor allem bei kleinen Unternehmen deutlich höhere Personalkosten anfallen.

Entspannter ist hingegen die Situation in der 3. Säule. Das Parlament hat 2020 eine Motion angenommen, die nachträgliche Einzahlungen in die Säule 3a ermöglichen will. Die entsprechende Gesetzesvorlage kommt voraussichtlich 2022 ins Parlament. Damit unterstreicht die Politik, dass eine grössere Eigenverantwortung in Zukunft an Bedeutung gewinnt.

Neue Maximal- und Grenzbeträge in der 2. und der 3. Säule

2. Säule

2. Säule

Seit 1.1.2021, in CHF

Seit 1.1.2021, in CHF

2. Säule

Mindestjahreslohn (Eintrittsschwelle)

Seit 1.1.2021, in CHF

21 510

2. Säule

Koordinationsabzug

Seit 1.1.2021, in CHF

25 095

2. Säule

Obere Limite des Jahreslohns

Seit 1.1.2021, in CHF

86 040

2. Säule

Maximaler koordinierter Lohn

Seit 1.1.2021, in CHF

60 945

3. Säule (3a)

3. Säule (3a)

Seit 1.1.2021, in CHF

Seit 1.1.2021, in CHF

3. Säule (3a)

Versicherte mit Pensionskasse

Seit 1.1.2021, in CHF

6883

3. Säule (3a)

Versicherte ohne Pensionskasse

Seit 1.1.2021, in CHF

34 416

Demografie: mehr Rentner, weniger Erwerbstätige

Die Zahl der Rentnerinnen und Rentner wird 2021, wie auch in den folgenden Jahren, weiterhin stark zunehmen ‒ eine der grossen Herausforderungen der Vorsorge. Bereits die Hälfte aller Kantone wird bevölkerungsmässig von der älteren Generation dominiert, auch nach der Corona-Krise. Die momentan höhere Sterberate, vor allem bei älteren Generationen, dürfte in den Finanzen der Vorsorgewerke kaum spürbar sein. Zudem führt eine geringere Einwanderung und eine auf absehbare Zeit tiefe Geburtenrate zu immer weniger Erwerbstätigen im Vergleich zu Pensionierten.

Gut geplante Altersvorsorge

Damit Sie später auf nichts verzichten müssen, sollten Sie frühzeitig an Ihre Altersvorsorge denken. Hier finden Sie alle Produkte und Informationen von UBS zur Vorsorge, übersichtlich angepasst für Ihr Alter sowie Ihre Lebenssituation.

Wirtschaft: vorderhand Zurückhaltung bei Investitionen

Die Corona-Krise hat der Wirtschaftsentwicklung im ersten Halbjahr 2020 einen starken Dämpfer verpasst. Für die ersten Monate 2021 ist davon auszugehen, dass drohende Einschränkungen weiterhin für Unsicherheit sorgen und Investitionen bremsen werden. Sollte sich die Situation ab dem zweiten Quartal wie erhofft entspannen, könnte hingegen ein grösserer Investitionsschub einsetzen. Generell wird der Gang der Schweizer Wirtschaft in grossem Mass durch den Wechselkurs beeinflusst. Diesbezüglich stehen die Zeichen aufgrund der bisher erfolgreichen Politik der Schweizerischen Nationalbank sowie der relativen Stärke des Euro gegenüber dem Dollar gut für eine stabile Entwicklung. Sollte der Investitionsschub das zweite Semester dominieren, könnten eine entsprechend reagierende Börsenentwicklung und ein allmählich anziehender Arbeitsmarkt ein positives Umfeld für das Vorsorgesystem bedeuten.

Finanzen: unsichere Perspektiven für die AHV

Steigende Arbeitslosigkeit und abnehmende Arbeitspensen, beispielsweise durch Wegfall der Kurzarbeit, bedeuten für die 1. und die 2. Säule sinkende Beiträge. Wobei sich diese in der AHV am schnellsten bemerkbar machen.

Sinkende Mehrwertsteuereinnahmen würden die Finanzen der AHV ebenfalls tangieren, da sie auch über Mehrwertsteuerprozente finanziert wird. Und die Ausgaben des Bundes für Corona-Massnahmen binden letztlich Mittel, die sonst zur Sanierung der AHV hätten eingesetzt werden können. Somit bestehen in erster Linie mehr Risiken als Chancen für die finanzielle Situation der AHV 2021.

Der Trend zu vermehrtem Homeoffice könnte die Anlagen der Pensionskassen betreffen, da diese einen signifikanten Teil ihrer Anlagen in Immobilien investieren. Diejenigen, die viele Geschäftsliegenschaften im Portfolio haben, werden tendenziell weniger gut abschneiden.

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Tipps für die Säule 3a

Wer seinen Lebensstandard im Alter sichern will, ist gut beraten, die 3. Säule so kräftig wie möglich auszubauen. Einige Tipps, um dieses Ziel möglichst leicht zu erreichen.

  1. Frustrierende Einschränkungen durch Corona werden häufig mit Online-Shopping kompensiert. Wer diese Versuchung spürt, soll vor dem Kauf eines Produkts den gleichen Betrag in die Säule 3a überweisen. So bekommt man durch den Steuervorteil noch einen Teil des Online-Einkaufs «geschenkt».
  2. Noch besser ist es, wenn Sie regelmässig in die Säule 3a einzahlen: monatlich und automatisiert. So spürt man die Ausgaben weniger und sie werden so selbstverständlich wie die Überweisung der Miete. Und wer regelmässig in seine UBS Vitainvest Anlagefonds investiert, profitiert meistens von tieferen Durchschnittspreisen.
  3. Denn bei einem Anlagehorizont von zehn oder mehr Jahren sind Anlagen eine lohnenswerte Alternative zu einem klassischen Vorsorgekonto. Auch Personen im Alter von über 60 haben in aller Regel einen so langen Anlagehorizont, denn ein grosser Teil des in der 3. Säule angesparten Vermögens wird erst im höheren Alter benötigt, wenn der Pflegebedarf zunimmt. Die Vitainvest Anlagefonds im Vorsorgedepot 3a von UBS können beim Erreichen des Rentenalters einfach auf ein normales Depot transferiert werden, sodass die Anlagen ohne Unterbruch weiterlaufen und die Risiken, ein schlechtes Anlagejahr zu erwischen, geringer ausfallen.