Gilles Rouvinez
Segment Manager Personal Banking

Das Wichtigste in Kürze

Die Volatilität eines Vermögenswerts ist ein zentraler Risikoindikator für Kapitalanlagen. Es gibt verschiedene Formen, um Wertschwankungen zu messen:

  • Volatilität misst die Schwankungsintensität, also den Grad der Unsicherheit der Marktentwicklung von Finanzprodukten.
  • Historische Volatilität spiegelt vergangene Schwankungen wider, implizite Volatilität signalisiert künftige Veränderungen.
  • Prüfen Sie, welche Anlageklassen zu Ihrem Risikoprofil und Anlagehorizont passen.

Was bedeutet Volatilität?

Volatilität ist eine Kennziffer, die am Finanzmarkt als Mass für Unsicherheit der Marktentwicklung dient. Sie gibt an, in welchem Korridor sich der Preis einer Wertschrift, eines Marktindex oder einer Anlageklasse üblicherweise verändert. Anlegerinnen und Anleger erhalten mit dieser Schwankungsbreite einen Massstab, um die Höhe potenzieller Gewinne und Verluste einer Investition abzuschätzen. Erfasst werden dabei Abweichungen von einem Durchschnittswert, sowohl nach oben als auch nach unten.

Die Volatilität bezieht sich immer auf einen bestimmten Basiswert – ob Wertschrift, Rohstoff oder alternatives Investment. Hohe Volatilität bedeutet, dass ein Kurs im Zeitverlauf stark schwankt und eine Investition ein höheres Risiko, aber auch grössere Gewinne bedeuten kann. Tiefe Volatilität deutet hingegen auf eine wertstabilere Anlage hin. 

Wie wird Volatilität gemessen?

Marktüblich sind zwei Arten von Volatilitätsmassen. Die historische Volatilität bildet ab, wie stark der Preis einer Wertschrift in der Vergangenheit von deren Durchschnittswert abgewichen ist. Statistisch gesehen handelt es sich um die «annualisierte Standardabweichung» der Renditen einer Anlage. Tägliche oder wöchentliche Kurse werden in einen Jahresdurchschnitt umgerechnet. Die Ziffer beschreibt die frühere Entwicklung und eignet sich für die Analyse von Schwankungsbreiten von Aktien, Anleihen oder Rohstoffen über bestimmte Zeiträume, nicht aber zur Vorhersage künftiger Schwankungen.

Die Aufgabe einer Vorausschau fällt der sogenannten impliziten Volatilität zu. Diese Kennziffer spiegelt die Erwartungen der Marktakteure, wie sie sich in Optionspreisen offenbaren. So berücksichtigt der VSMI-Volatilitätsindex der Schweizer Börse die Tendenzen der Optionskontrakte rund um den Swiss Market Index (SMI) der 20 grössten Aktien des Landes. Viel beachtete Marktindikatoren sind zudem der Volatility Index (VIX) der Chicagoer Optionsbörse CBOE, der die für die nächsten 30 Tage erwarteten Kursausschläge des Börsenindex S&P 500 anzeigt, sowie der VDAX für den Deutschen Aktienindex.

Welche Faktoren treiben Schwankungen an?

Wer investiert, achtet auf langfristige Markttrends oder verfolgt kurzfristige Ziele. Ändern sich jedoch die Erwartungen der Akteure am Finanzmarkt, blicken sie auch auf ihre Investitionen mit anderen Augen: Sie kaufen oder verkaufen diese. Handeln viele Akteure gleichzeitig, bewegen sich die Preise der Wertschriften und anderer Basiswerte und die Volatilität nimmt zu. Auslöser für plötzliche Markttrends können unter anderem sein:

  • neue volkswirtschaftliche Daten, zum Beispiel zur Inflation oder Konjunktur
  • neue Unternehmenszahlen
  • Zinsentscheide der Notenbanken
  • politische Ereignisse wie Wahlen
  • geopolitische Veränderungen wie Kriege oder Handelskonflikte
  • Naturkatastrophen und Krankheitswellen

Was heisst Volatilität für Ihr Portfolio?

Nutzen Sie die Volatilität als Risikoindikator. Sie zeigt Ihnen, mit welcher Wertbeständigkeit Sie bei bestimmten Investitionen zu rechnen haben. Je höher die Schwankungen, desto mehr Unsicherheit und weniger Kalkulierbarkeit. Wie Sie sich dazu verhalten, hängt von Ihrer Risikobereitschaft ab: Freuen Sie sich in turbulenten Phasen über Gewinnchancen oder leiden Sie aufgrund der Verlustrisiken? Sicherheitsorientierte Anlegerinnen und Anleger scheuen eher jene Anlageklassen mit hoher Volatilität, die wiederum spekulative Investorinnen und Investoren anziehen.

Volatilität beeinflusst das Risiko-Rendite-Verhältnis Ihres Portfolios. Dabei spielen Ihr persönliches Risikoprofil und Ihr Anlagehorizont eine Rolle. Je langfristiger Ihre Investition angelegt ist, desto länger bleibt Zeit, kurzfristige Verluste auszugleichen. Umgekehrt gilt: Je kurzfristiger Ihr Investment ausfällt, desto grössere Spuren könnten aktuelle Preisschwankungen hinterlassen. 

Volatilität zeigt sich in den Anlageklassen unterschiedlich

Bei der Geldanlage in marktgängige Produkte erhalten Anlegerinnen und Anleger das sogenannte «Basisinformationsblatt». Darin findet sich ein «Gesamtrisikoindikator». Er basiert zu einem Teil auf der historischen Volatilität des Anlageprodukts. Daraus werden sieben Risikoklassen abgeleitet. Sie geben an, wie hoch die Risiken und damit verbundene Chancen bei einer typischen Haltedauer ausfallen. Die niedrigsten Wertschwankungen gibt es bei verzinsten Anlageprodukten wie Sparkonten und Geldmarktfonds. Jenseits dieser ersten Risikoklasse steigt die Volatilität der Anlageklassen an.

Anleihen und Aktien

Obligationen und Aktien unterscheiden sich bei der Volatilität deutlich. Dennoch gilt für beide: Einzelwerte sind volatiler als Anlageformen wie Fonds und ETFs, die mehrere Aktien oder Anleihen enthalten.

Rohstoffe und Immobilien

Änderungen in Angebot und Nachfrage sorgen auch bei vermeintlich beständigen Sachwerten wie Immobilien oder Gold dafür, dass die Werte schwanken.

Kryptowährungen und andere alternative Anlagen

Kryptowährungen und alternative Investments zählen zu den volatilsten Anlageklassen. Sie bilden die höchsten, schwankungsanfälligsten Risikogruppen.

Praxistipps für Anlegerinnen und Anleger

Wer trotz Wertschwankungen investieren will, kann diese fünf praxisorientierten Tipps beherzigen:

Fazit: Volatilität verstehen und Marktchancen nutzen sind die Basis für Anlageerfolg

Volatilität am Finanzmarkt ist unvermeidlich. Finden Sie als Anlegerin oder Anleger Ihren Umgang mit Wertschwankungen, indem Sie:

  • Ihren Anlagetyp feststellen: Bestimmen Sie Ihr persönliches Risikoprofil und Ihren Anlagehorizont.
  • Verschiedene Anlageklassen analysieren: Prüfen Sie, welche Anlageklassen für Sie infrage kommen.
  • Ihr Portfolio breit streuen: Mit Diversifikation senken Sie Risiken und erhöhen dank chancenträchtiger Anlageprodukte die Renditeaussichten.

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