Expertentipps zur Vorsorge Wie kann ich als Alleinerziehende vorsorgen?

Josephine ist alleinerziehend. Das Thema Vorsorge möchte sie endlich anpacken. Doch die Umsetzung bereitet ihr Sorgen.

von UBS Wissen 29. Mai 2019

Bild: Janosch Abel

Fünf Fragen an Josephine

Was ist Ihre Vorsorgesituation?

Ich habe keine Vorsorgeplanung. Bis jetzt wusste ich nicht, wie ich das machen soll.

Welche Arten der Vorsorge kennen Sie?

Ich kenne die Säulen 3a und 3b.

Besteht für Sie eine Dringlichkeit in Sachen Vorsorge?

Ich weiss, ich müsste dieses Thema jetzt angehen. Insbesondere, weil ich mich bald selbstständig machen will. Doch mit dem Geld, das ich jetzt verdiene, möchte ich meiner Familie Lebensqualität bieten, statt jeden Rappen umdrehen zu müssen.

Haben Sie Lücken in der Pensionskasse?

Ja, die habe ich. Ich war vier Jahre lang Vollzeitmutter und habe danach Teilzeit gearbeitet.

Wie wurde das gemeinsame Vorsorgeguthaben bei Ihrer Scheidung aufgeteilt?

Das Pensionskassenguthaben haben wir bei der Trennung gemäss allgemein gültiger Regelung geteilt.

Bei Josephine zu Hause trifft man als erstes auf eine geballte Ladung Energie. Drei Jungs rennen durch die Wohnung, springen aufs Sofa, kugeln sich vor Lachen und machen wieder ein Wettrennen ins Zimmer zurück. Neben Josephines Jungs, Janis (10) und Laurin (8), ist heute noch ein Freund der beiden zu Besuch. “Richtige Wildtiere”, meint Josephine und schmunzelt. Seit der Scheidung von ihrem Mann vor sieben Jahren wohnt die 39-Jährige mit ihren zwei Söhnen alleine.

Wie viele Frauen entschloss sich Josephine nach der Geburt des ersten Sohnes, Janis, ihre Stelle aufzugeben. Vier Jahre lang war sie Vollzeitmutter. “Nach der Trennung von meinem Ex-Mann musste ich wieder eine Arbeit finden. Doch anstatt in meinen erlernten kaufmännischen Beruf zurückzukehren, habe ich mich zur Fitnessinstruktorin ausbilden lassen und gemerkt: Das ist genau mein Ding.” Über die vergangenen sieben Jahre arbeitete sich die Alleinerziehende hoch – von der Cycling-Instruktorin im Stundenlohn zur Teamleiterin.

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Obwohl Josephines Söhne zwei bis drei Wochenenden im Monat beim Vater verbringen, bewältigt Josephine den Alltag als alleinerziehendes Elternteil. Das heisst: Eine Vollzeitbeschäftigung ist praktisch unmöglich. An zwei Tagen in der Woche geht die Thunerin ihrer Arbeit als Trainerin nach.

Wie steht es um die Vorsorgeplanung?

“Zurzeit habe ich keinen konkreten Plan, aber ich bin positiv”, sagt Josephine, wenn man sie nach ihrer Vorsorge fragt. Sie ist sich bewusst, dass sie das Thema dringend in Angriff nehmen muss. Doch wie sich das in der Realität umsetzen lässt, weiss Josephine nicht: “Nach jeder bezahlten Rechnung frage ich mich: Wo in meinem Budget hätte die Vorsorge Platz?” Auch als Teilzeit arbeitende Mutter sollte es möglich sein, jeden Monat einen Betrag auf die Seite zu legen. Sparen müsste sie bei den alltäglichen Ausgaben: beim Wocheneinkauf im Supermarkt und beim Autofahren. Ein Essen auswärts wäre nicht mehr möglich. ”Das würde für uns bedeuten, dass wir auf dem Zahnfleisch leben müssten.” Eine gewisse Lebensqualität will Josephine beibehalten – ihrer Familie zuliebe. “Ich möchte mit meinen Jungs auch mal ein Wochenende verreisen, ihnen etwas schenken und mir selber etwas gönnen. Es ist eine Gratwanderung zwischen dem Jetzt und der Zukunft.”

Nach jeder bezahlten Rechnung frage ich mich: Wo in meinem Budget hätte die Vorsorge Platz?

Bis anhin hat sich Josephine wenig bis gar nicht über Möglichkeiten der Vorsorge informiert. Generell holt sie lieber persönliche Meinungen und Erfahrungen ein. Als alleinerziehende Mutter möchte Josephine in erster Linie mit Menschen über die Vorsorge sprechen, mit denen sie sich identifizieren kann. Seien es Privatpersonen oder ein Beratungsnetzwerk für alleinerziehende Eltern wie der SVAMV.

Beruflich läuft es bei Josephine gut. Neben dem Job als Fitnessinstruktorin hat sie sich ein zweites Standbein als Moderatorin und Mentaltrainerin aufbauen können. Ihr Ziel? In ein paar Jahren möchte sie selbstständig werden. Und genau dann ist die Vorsorgeplanung so wichtig wie noch nie. “Es ist Zeit, das Thema anzupacken. Gleichzeitig ist mir das Jetzt genauso wichtig. Meiner Familie möchte ich das Bestmögliche bieten.”

Fünf Expertentipps für Josephine

  1. Eine detaillierte Prüfung des Budgets ist in einem ersten Schritt sinnvoll. Dokumentieren Sie Ihre Ausgaben im Detail. Wofür geben Sie Geld aus? Wo besteht ein Sparpotenzial? 
  2. Wir empfehlen Ihnen, so früh wie möglich mit der Säule 3a zu beginnen. Auch kleine Beträge, beispielsweise 50 Franken im Monat, lohnen sich. Wenn möglich, können Sie diesen Betrag schrittweise erhöhen.
  3. Sie verfügen über einen langen Anlagehorizont. Aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen, Ihre Altersvorsorge mit einem Vitainvest-Anlagefonds zu optimieren.
  4. Die Idee der Selbstständigkeit sollten Sie sorgfältig prüfen. Schliesslich birgt dies gewisse finanzielle Risiken. In Ihrer Situation ist vermutlich eine Pensumerhöhung und Festanstellung die beste und sicherste Variante. Sobald sie sich ein Polster aufgebaut haben und Ihre Pensionskasse aufgefüllt haben, können Sie immer noch die Selbstständigkeit in Angriff nehmen. 
  5. Wichtig ist, dass Sie Ihre Lücken in der Pensionskasse langfristig schliessen. Hier bietet sich eine professionelle Beratung an, da Berater aus langjähriger Erfahrung sprechen.