Vorsorgen Mit einem 3a-Einkauf Lücken schliessen

In ein paar Jahren wird es möglich sein, «verpasste» Beiträge in die Säule 3a nachzuzahlen.

von Emmanuel Ullmann 23. Jun 2020

Bild: UBS

Im Schweizer System regelt die 3. Säule die private Vorsorge. Wegen ihrer steuerlichen Begünstigung unterliegt sie auch gewissen Einschränkungen, allen voran einem jährlichen Maximalbetrag. Heute verfallen diese «Sparanrechte», wenn sie im entsprechenden Jahr nicht genutzt werden. Eine einmal entstandene Lücke kann also, im Gegensatz zur 2. Säule (Pensionskasse), nicht mehr nachträglich geschlossen werden. Hier setzt eine aktuelle Motion an, die am 2. Juni 2020 definitiv vom Parlament beschlossen wurde: Es soll möglich sein, «verpasste» Beiträge später nachzuzahlen und von den Steuern abzuziehen. Auch wenn es bis zur Umsetzung der Motion noch ein paar Jahre dauern wird, erzielt dieser kleine Eingriff eine grosse Wirkung. Zwar stellt er keine fundamentale Änderung des Systems dar, er ist jedoch eine wichtige Ergänzung.

Sparen, wenn es passt

Es liegt in der Natur der Sache, dass Berufseinsteiger der Altersvorsorge eine tiefere Priorität zuordnen. Schliesslich ist die Pensionierung weit weg. Hinzu kommt in den ersten Berufsjahren ein tieferes Erwerbseinkommen, und das Ersparte wird für andere Zwecke verwendet – etwa für eine Weiterbildung oder eine Weltreise. Oft entstehen auch infolge vorübergehender Erwerbslosigkeit oder Teilzeitarbeit sogenannte Beitragslücken. Zwei bis drei Jahrzehnte nach Beginn der Erwerbstätigkeit kann es ganz anders aussehen. Die Karriere hat ihren Zenit erreicht und die Kinder stehen auf eigenen Beinen. Es besteht die Möglichkeit, Geld zu sparen, zudem ist das Thema Vorsorge wichtiger geworden.

Mit der Neuregelung können die Lücken im 3a-Konto geschlossen werden. So können Sie individuell nicht nur die Altersvorsorge festigen, sondern auch die aktuelle Steuerlast verringern. Insbesondere Frauen, die nach einer Familienpause wieder ins Berufsleben einsteigen, werden von dieser Neuerung profitieren können.

Gesellschaftliche Vorteile

Auch die Allgemeinheit profitiert. Grundsätzlich liegt ein langfristig gesundes Vorsorgesystem im gesellschaftlichen Interesse. Diese Neuerung hilft, das System zu stabilisieren und dessen Potenzial auszuschöpfen. Die Steuerausfälle dürften zudem relativ gering bleiben – dies gemäss einer Analyse, die der Verein Vorsorge Schweiz (VVS) in Auftrag gegeben hat. Die Rechnung für den Staat geht voraussichtlich auch deshalb auf, weil dank individueller Sparleistungen das Risiko sinkt, Sozialleistungen beziehen zu müssen.

Letztlich wird die Entscheidung dem Einzelnen überlassen. Dies ist begrüssenswert, da heutige Lebensläufe weniger klaren Mustern folgen als zu der Zeit, als das Vorsorgesystem konzipiert wurde. Die Schaffung individueller Optimierungsmöglichkeiten macht das System flexibler und somit auch stabiler.

Das müssen Sie wissen

Wie funktioniert der 3a-Einkauf konkret?

  • Die maximale Einkaufssumme ergibt sich aus der Differenz zwischen dem für die Beitragsjahre möglichen 3a-Maximalbetrag und dem persönlich angesparten 3a-Vermögen in der gleichen Zeit
  • Die errechnete Einkaufssumme ist jedoch auf maximal 34 128 Franken beschränkt und kann höchstens alle fünf Jahre geltend gemacht werden
  • Dies soll ab 30 Jahren und dann alle fünf Jahre möglich sein (25+5 Jahre und anschliessend mit 35, 40, 45 Jahren usw.)
  • Die letzte Möglichkeit, Einzahlungen nachzuholen, ist im Alter von 60 Jahren
  • Allfällige Wohneigentumsvorbezüge werden vom maximalen Einkaufsbetrag abgezogen