Vorsorge Säule 3a könnte flexibler werden

Was ein nachträgliches Einzahlen bedeuten würde

von UBS Wissen 02. Dez 2019

Illustration: Eva Revolver

Im Rahmen des UBS-Vorsorgemonitors wurde eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Lesen Sie dazu das Interview mit Emmanuel Ullmann, Vorsorgeexperte von UBS.

Im Vorsorgemonitor untersuchte UBS, wie populär die Säule 3a in der Schweiz ist. Was sticht hervor?

Die Nutzung der Säule 3a hat innerhalb eines Jahres von 51 auf 57% zugenommen. Für uns ein Spiegelbild des gestiegenen Stellenwerts der Vorsorge in der öffentlichen Diskussion. Immer mehr Leute erkennen die Bedeutung der Säule 3a für die Sicherung der Altersvorsorge. Ich gehe davon aus, dass sich der Trend fortsetzen wird.

Nur ein Drittel der Befragten befürwortet ein höheres Rentenalter. Was bedeutet das für die Vorsorge?

Wenn sich die Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Erhöhung des Rentenalters ausspricht, fällt eine mögliche Option zur Sanierung der ersten und zweiten Säule unserer Altersvorsorge weg.

Stärkt das indirekt nicht auch die Bedeutung der Säule 3a?

Richtig. Wenn die aus erster und zweiter Säule resultierenden Renten sinken, drängen sich die Säule 3a und der Aufbau von freiem Vermögen zur Kompensation auf. Vor allem die Säule 3a ist dazu ein ideales Gefäss, auch wenn ich die drei Säulen nicht gegeneinander ausspielen will.

UBS-Vorsorgemonitor 2019

Letzten Herbst wurde im Ständerat die Motion «Einkauf in die Säule 3a ermöglichen» überwiesen. Was beinhaltet diese und wie geht es damit weiter?

Die Motion sieht vor, dass Personen, die gar nicht oder nicht durchgehend den Maximalbeitrag in die Säule 3a einbezahlt haben, diese Lücke auffüllen können. Die Motion von Ständerat Erich Ettlin schlägt dabei einige Einschränkungen vor: So soll man nur einmal in fünf Jahren nachzahlen können und nur in der Höhe des jeweils maximalen Betrags für Selbstständigerwerbende – aktuell liegt dieser bei 34 128 Franken. Die Motion kommt voraussichtlich im Frühjahr 2020 zur Abstimmung in den Nationalrat.

Der Bundesrat kritisierte, nur Reiche würden davon profitieren. Wie sehen Sie das?

Die Säule 3a wurde als ergänzendes Instrument zur ersten und zweiten Säule entwickelt und macht vor allem Sinn für den Mittelstand und den oberen Mittelstand. Personen mit tieferen Einkommen kommen mit der ersten und zweiten Säule auf eine Rente, mit der sich keine allzu grosse Lücke zum letzten Einkommen öffnet. Zudem haben sie wohl häufig nicht die Mittel, um regelmässig in die Säule 3a einzuzahlen. Die Motion Ettlin will genau dem Mittelstand bei grösseren Rentenlücken ein Instrument an die Hand geben, um flexibel und eigenverantwortlich etwas unternehmen zu können. Für sehr wohlhabende Personen sind die Einkaufsmöglichkeiten in die Säule 3a, verglichen mit den Möglichkeiten in der 2. Säule, nicht wirklich relevant.

Es sollen nicht nur Lücken aufgefüllt werden, die entstanden sind, weil man nicht den Maximalbetrag einbezahlt hat. Sondern auch solche infolge eines Unterbruchs des Erwerbslebens. Was bedeutet dies für die Vorsorge?

Das ist eine Angleichung an die Pensionskasse, bei der man Lücken auffüllen kann, die aus den unterschiedlichsten Gründen entstanden sind. Und grundsätzlich stärkt das die Vorsorge, denn heute ist das Erwerbsleben sehr dynamisch – Auslandjahre oder Sabbaticals gehören genauso dazu wie Unterbrüche, um Kinder grosszuziehen. Seit 1985 wurde die 3. Säule nicht wesentlich verändert – die Motion Ettlin bringt ihr nun die notwendige Flexibilität und passt sie an das aktuelle Gesellschaftsbild an.

Welche Lücken sollen zuerst gefüllt werden? Solche in der 2. oder in der 3. Säule?

Das hängt von der individuellen Situation ab. Wer eine gut aufgestellte Pensionskasse hat und die Stelle voraussichtlich nicht mehr wechselt, wird sich bei einer grossen Lücke in die Pensionskasse einkaufen und so eine deutlich höhere Rente erzielen. Bei schlechtem Umwandlungssatz, tiefer Verzinsung und tiefem Deckungsgrad wäre eher von einem Einkauf in die Pensionskasse abzuraten. Wichtig ist auch, ob man die Rente oder das Alterskapital optimieren will, wie man die eigene Gesundheit einstuft und ob man sein Alterskapital selbst anlegen möchte. Ich empfehle daher, diese Frage zusammen mit dem Kundenberater anzugehen.

Zur Person

Emmanuel Ullmann ist Geschäftsführer der Fisca Vorsorgestiftung der UBS AG und Generalsekretär des Vereins Vorsorge Schweiz. Der Verein Vorsorge Schweiz vertritt die Interessen der Freizügigkeitsstiftungen und der Einrichtungen der Säule 3a und deren Kunden. UBS ist Gründungsmitglied. Der Verein ist massgeblich beteiligt an der Erarbeitung der Grundlagen der Motion «Einkauf in die Säule 3a ermöglichen».