CIO Research Demografie verlangt kreatives Umdenken

Die Alterung der Gesellschaft stellt Vorsorgesysteme weltweit vor Herausforderungen. Dies gilt speziell für die Schweiz. Während andere Länder aber bereits reagiert haben hinkt sie in Sachen Reform hinterher.

von Jackie Bauer, UBS CIO WM 11. Apr 2018

In der Schweiz ist die Alterung der Gesellschaft weiter fortgeschritten als in vielen anderen Industrieländern. Damit verbunden ist ein massiver Anstieg der Rentenbezugsdauer, welche das Vorsorgesystem belastet. Im Gegensatz zur Schweiz haben einige Vergleichsländer schon Anpassungen vorgenommen, um ihre Vorsorgesysteme für die Zukunft fit zu machen.

Um den zukünftigen Anstieg der Rentenbezugsdauer zu verlangsamen wird in mehr als der Hälfte aller OECD-Länder das gesetzliche Renteneintrittsalter über die nächsten Jahre schrittweise auf bis zu 68 Jahre für alle angehoben. Im Vereinigten Königreich steht gar die Idee im Raum die Rentenbezugsdauer für jede Generation auf 10% der Lebenserwartung anzugleichen.

Die höhere Rentenbezugsdauer ist der stark gestiegenen Lebenserwartung geschuldet. Dies ist unter anderem durch den medizinischen Fortschritt bedingt, der seinen Preis hat. Singapur sorgt für diesen Fall schon während des Erwerbslebens mit einem obligatorischen Krankenfondsbeitrag vor, der erst im Rentenalter verwendet werden kann. Zwar ist die Krankenversicherung in der Schweiz vergleichsweise umfassend, aber die oft unterschätzten Alterspflegekosten könnten durch eine obligatorische Vorfinanzierung abgefedert werden.

Norwegen hat vor rund 20 Jahren das Rentenkontensystem eingeführt. Hierbei wird das eingezahlte Kapital einem persönlichen, fiktiven Konto gutgeschrieben. Die Verzinsung auf dem fiktiven Konto wird an die generationenspezifische Lebenserwartung angepasst. So erhalten Jahrgänge mit höheren Lebenserwartungen kleinere monatliche Renten für das gleiche Vermögen. Eine weitere automatische Anpassung, der "automatische Bilanzierungsmechanismus" wurde in Schweden eingeführt. Sind die Ausgaben für Renten höher als die Einnahmen, werden die Altersguthaben und Renten geringer angepasst als die Löhne gestiegen sind. Wenn die Situation sich erholt, verbessert sich auch der Aufwertungsfaktor. Diese Lösungen sind rein regelbasiert und entpolitisiert.

In den USA und Hongkong gilt in der Regel das Beitragsprimat. In solchen Pensionssystemen können die Versicherten oftmals ihre Anlagestrategie selbst wählen. In Australien herrscht gar freie Pensionskassenwahl. Dies fordert die Versicherten sich mit der Altersvorsorge auseinanderzusetzen und mehr Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig zwingt der grössere Wettbewerb das System zu mehr Transparenz und Fairness zwischen den Generationen.

Der Schweiz fehlt es nicht an Vorbildern in Sachen Altersvorsorgereformen für die erste und zweite Säule. Aber auch die dritte Säule birgt Verbesserungspotenzial, denn die private Vorsorge wird künftig noch bedeutender. So bietet es sich an, die Säule 3a attraktiver zu gestalten, beispielsweise mit der Möglichkeit, durch verpasste Einzahlungen entstandene"3a-Lücken" durch (Teil-)Einkäufe zu schliessen.