CIO Research Globale Vorsorgesysteme im Vergleich

In jedem Land sind private Ersparnisse notwendig, um sich im Ruhestand einen adäquaten Lebensstandard zu sichern. Dies verdeutlicht der jüngste UBS International Pension Gap Index.

von Jackie Bauer, UBS CIO WM 05. Nov 2017

Erstmals untersucht der neue UBS International Pension Gap Index die Leistungen der obligatorischen Vorsorgesysteme in weltweit zwölf Ländern. Die Studie berechnet, wie viel des heutigen Nettogehalts eine Person zusätzlich privat sparen muss, um sich einen adäquaten Lebensstandard im Pensionsalter leisten zu können.

Die Analysen wurden für den Fall der Durchschnittsperson "Average Jane" durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine hypothetische alleinstehende 50-jährige Frau, die über ihre Karriere hinweg den Medianlohn verdient und bis heute nur das Nötigste für ihre Altersvorsorge getan hat. Sie führt ein einfaches Leben in einer Metropole und möchte ihren gewohnten Lebensstandard auch im Ruhestand weiterführen. Für Jane ist es zentral abzuschätzen, was ihre Lebenshaltungskosten im Ruhestand sein werden und was sie vom obligatorischen Vorsorgesystem erwarten kann. Die allfällige Differenz zwischen Lebenshaltungskosten und Rente aus dem obligatorischen Vorsorgesystem entspricht der Lücke, die Jane selbstständig finanzieren muss, um das Rentenalter unbeschwert in Angriff nehmen zu können.

Ohne privates Sparen geht es nicht

Die Ergebnisse für die zwölf untersuchten Metropolen gehen weit auseinander, doch muss Jane in jedem Land zusätzlich Geld auf die Seite legen, um ihre Lebenskosten im Ruhestand decken zu können. Die Schweiz schneidet dabei am besten ab. Unter der Annahme, dass Jane ihre Ersparnisse in ein diversifiziertes Portfolio anlegt, muss sie ab Alter 50 bis zum offiziellen Rentenalter rund 11% ihres jährlichen Nettoeinkommens sparen. Ihr Einkommen aus der 1. und 2. Säule wird zusammen nur rund 50% ihres letzten Lohnes betragen.

Mit einigem Abstand auf die Schweiz folgen Australien und Singapur. In Singapur muss Jane aufgrund des niedrigen Rentenalters von 62 Jahren und der hohen Lebenserwartung die längste Rente finanzieren. Australien hat indes ein schlankes System, bietet aber vergleichsweise bessere Renditen als viele andere Länder.

In vielen europäischen Ländern wird das Rentenalter in den kommenden Jahren auf 67 steigen. Trotz der im Vergleich tieferen Lebenserwartung muss Jane in Frankreich, Deutschland, Italien und Grossbritannien anteilig am Nettoeinkommen fast vier Mal mehr sparen als in der Schweiz. In den USA und Kanada muss Jane über die Hälfte ihres monatlichen Einkommens sparen. Die Schlusslichter bilden Japan, Hong Kong und Taiwan mit weitaus mehr Anforderungen an die Eigenverantwortung.

Drei Herausforderungen an die Altersvorsorge

Aus dem Vergleich lassen sich drei Trends erkennen, welche die Vorsorgesysteme weltweit vor Herausforderungen stellen. Erstens der demographische Wandel. Durch den Rückgang der Geburtenraten und die steigende Lebenserwartung weltweit, verändert sich die Zusammensetzung der Gesellschaft: Eine fallende Zahl ökonomisch aktiver Personen muss eine steigende Zahl an Rentnern finanzieren. Zweitens erschwert das seit Jahren herrschende Tiefzinsumfeld den Pensionskassen, die gewohnten Renditen zu erwirtschaften. Schliesslich ist der Anteil an öffentlichen Geldern zur Finanzierung von Renten und anderen Sozialausgaben über die letzten Jahre stark gestiegen. Da Staatsschulden in ähnlichem Masse gewachsen sind, wird es in Zukunft zunehmend schwieriger sein, den wachsenden finanziellen Bedürfnissen der Altersvorsorge gerecht zu werden.

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