Eine Architektin entwirft einen Sanierungsplanung für ein Einfamilienhaus
Bild: UBS

Herr Rudaz, was ist für Sie ein nachhaltiges Gebäude?

Ein Gebäude, das für die kommende Generationen gebaut wurde. Und das in 50 Jahren keinen massgeblichen Wertverlust verbuchen muss.

Was macht man bei einer energetischen Sanierung normalerweise?

Jede Sanierung ist ein Fall für sich. Das ist das Inspirierende an dieser Arbeit. Ganz generell stellen sich bei der energetischen Sanierung drei Fragen. Erstens: Ist das Heizsystem ökologisch? Zweitens: Wie gut dämmt die Gebäudehülle? Drittens: Welcher Mehrwert kann in Bezug auf Ästhetik, Raumausweitung oder geschicktere Raumnutzung entstehen? In der Regel erreicht man bei einer gut geplanten energetischen Sanierung Vorteile, welche über die reine Energiefrage oder den Werterhalt hinausgehen.

Was steht für Sie im Fokus, wenn Sie mit Wohneigentümerinnen oder Wohneigentümern eine Sanierung besprechen?

Die Auftraggeberin oder der Auftraggeber fragt sich oft: Handle ich richtig? Sowohl in Bezug auf die ökologischen Auswirkungen als auch in Bezug auf langfristig finanziell sinnvolle Massnahmen. Hier braucht es viel Aufklärungsarbeit, zum Beispiel der Umstand, dass Wärmepumpen schon seit 50 Jahren genutzt werden und eine äusserst ausgereifte und effiziente Technologie sind. Aber auch bei den Fragen, was beim spezifischen Gebäude alles möglich wäre und welche weitergehenden Effekte oder Wertsteigerungen mit wenig Mehraufwand erreicht werden können. Auch im Fokus steht für mich die Frage, welche Fehler wir vermeiden müssen. Anders gesagt: Was könnte, wenn es nicht sorgfältig durchdacht ist, sogar zu einem Wertverlust führen? Beispielsweise können schlecht alternde Dämmungen an der Fassade sogar zu feuchten Wänden führen.

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Wie verläuft der Prozess einer energetischen Sanierung ab, nachdem eine Wohneigentümerin oder ein Wohneigentümer mit Ihnen Kontakt aufgenommen hat?

In der Regel hat sich die Person vorab informiert und sich Gedanken gemacht, welche energetischen Massnahmen möglich und nötig wären. Oder sie hat das bereits auf der Grundlage eines GEAK-Plus-Berichts ermittelt. Ich möchte die Interessierten aber ermutigen, einen Schritt weiterzudenken. Nicht nur: «Was brauche ich?» Sondern auch: «Was habe ich davon?». Zum Beispiel neben den tieferen Betriebskosten auch mehr Wohnkomfort und eine bessere Raumnutzung. Zu Beginn höre ich den Vorstellungen zu, dann analysiere ich das Gebäude und die Optionen, anschliessend besprechen wir die Möglichkeiten und entscheiden uns für ein Massnahmenpaket. Eine gute Planung spart Kosten – und auch viel Zeit.

Ich möchte die Interessierten ermutigen, einen Schritt weiter zu denken. Nicht nur: ‹Was brauche ich?› Sondern auch: ‹Was habe ich davon?

Apropos Zeit: Wie lange dauert heutzutage die energetische Sanierung eines Hauses? 

Bis wir die ersten Werkverträge abschliessen, vergehen in der Regel 6 bis 12 Monate. Die Lieferung notwendiger Bauteile unterliegt zunehmend Engpässen von bis zu 6 Monaten, weil der Trend sich in den vergangenen Jahren weltweit sehr stark hin zum energetischen Bauen gewandelt hat. Ein Projekt dauert in der Summe vom ersten Kontakt bis zur Fertigstellung daher selten weniger als 1 Jahr.

Was wissen viele Personen nicht über umweltfreundliche Sanierungen, was noch nützlich zu wissen wäre?

Spannend und eher neu ist der Sekundärmarkt für Bauteile. Bestehende Bauteile wieder zu verkaufen, bedeutet ein «Upcycling» und bringt häufig noch einen kleinen monetären Vorteil. Für die Kundin respektive den Kunden oder für mich bedeutet es vielleicht etwas mehr Aufwand. Doch wem Nachhaltigkeit ein Anliegen ist, der ist zu diesem Aufwand in der Regel sehr gerne bereit.

Schöne Architektur ist die nachhaltigste Architektur.

Die Gretchenfrage bei der Sanierung ist die Kostenfrage. Was können Sie uns dazu sagen?

Die Zeit spielt mit. Je langfristiger man denkt, desto offensichtlicher ist der Vorteil, insbesondere wegen der tiefen Betriebskosten und der Zusatzeinnahmen. Umgekehrt: Wenn man bei Sanierungen zu fest spart, legt man sich eventuell sogar ein Ei, denn Qualität sichert den Werterhalt. Darüber hinaus spielt auch die räumliche und architektonische Qualität des Gebäudes eine Hauptrolle, jetzt und in Zukunft. Denn schöne Architektur ist die nachhaltigste Architektur.

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Was sind aus Ihrer Sicht die weiteren Überlegungen und warum haben Sie sich entschieden, sich im Bereich hochwertiger, ökologischer Bauten zu spezialisieren?

Ich fühle eine grosse Verantwortung. Und ganz ehrlich: Wir sind spät dran. Wir schieben die Verantwortung gerne auf andere: Auf das Ausland, die Vielflieger oder die Konsumkultur. Aber schon allein die Heizkosten unserer Gebäude machen rund 20 Prozent des Energieverbrauchs in der Schweiz aus und ein riesiger Anteil der Heizsysteme ist nicht umweltfreundlich. Es liegt in unser aller Verantwortung, den Gebäudepark als wichtigen Verursacher des nationalen CO2-Ausstosses zu erkennen und energetische Sanierungen unserer aller Zukunft zuliebe anzupacken.

© Christoph Küenzi

Zum Interviewpartner

Demian Rudaz, dipl. Arch. ETHZ SIA, ist Inhaber und Geschäftsführer von Rudaz Architekten in Zürich. Das Büro entwirft massgeschneiderte nachhaltige Konzepte im Zusammenspiel mit stimmungsvoller Architektur für private und institutionelle Besitzer und Besitzerinnen. 

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