Ausblick 2022 Bargeld: so viel wie nötig und so wenig wie möglich

Die Zinsen bewegen sich weiterhin kaum, hinzu kommt die Inflation. Trotzdem ist für 2022 Optimismus angebracht.

von Daniel Kalt 24. Jan. 2022
Bild: UBS

Zu Beginn des dritten Pandemiejahres hat sich die Schweizer Wirtschaft gut erholt. Zum Jahreswechsel 2021/22 hatte sie bereits ein höheres Niveau als vor Corona erreicht. Die US-amerikanische Wirtschaft war weltweit ein Vorreiter, während die Eurozone sowie Grossbritannien noch etwas hinterherhinken. Der Einbruch war dort stärker spürbar als etwa in der Schweiz. Doch die Weltwirtschaft befindet sich überall im Aufholmodus. Es kann davon ausgegangen werden, dass es gelingt, die Pandemie Schritt für Schritt in den Griff zu bekommen. Sei es durch erfolgreiche Impfkampagnen oder durch neue Medikamente.

Die Engpässe in diversen Lieferketten, die sich in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres verstärkten, sind in erster Linie eine Folge des schnellen weltweiten Aufschwungs. Die Engpässe haben wiederum zu einem deutlichen Anstieg der Inflation geführt. Für eine lang anhaltende oder gar zunehmende Inflation müssten jedoch neben importierten Gütern und Rohstoffen auch Dienstleistungen und Löhne davon betroffen sein. Eine solche Tendenz zeichnet sich aktuell nicht ab. Die Lohnumfrage 2022 von UBS zeigt, dass eine Lohn-Preis-Spirale, also ein inflationstreibender Aufschaukeleffekt zwischen Lohn- und Preiserhöhungen, unwahrscheinlich ist. Lag die Inflation in der Schweiz 2021 bei 0,6 Prozent, sieht UBS sie im laufenden Jahr bei 1 Prozent und im Jahr 2023 wieder bei 0,6 Prozent.

Kaufkraftverlust bei hohen Bargeldbeständen

Auch wenn die Inflationshöhe moderat bleibt: In Kombination mit den weiterhin tiefen Zinsen um oder unter der Marke von null Prozent führt sie bei Bargeldbeständen zu einem kontinuierlichen Kaufkraftverlust. Das gilt nicht nur für Bargeld auf Sparkonten, sondern zurzeit auch für viele Anleihen.

Für Bargeldbestände gilt daher für Anlegerinnen und Anleger das Prinzip «so viel wie nötig, so wenig wie möglich». Die Chancen auf eine positive Rendite sind aktuell am höchsten, wenn finanzielle Mittel, die über ein sinnvolles Sicherheitspolster hinausgehen, umgeschichtet werden in Anlagen, die Renditen abwerfen. Da dies nur unter Inkaufnahme von Schwankungsrisiken geht, sollten diese Anlagen breit diversifiziert sein und auf einer klaren Anlagestrategie beruhen.

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Risikoprofil und Anlagehorizont bilden die Grundlage

Zentrale Elemente einer klaren Anlagestrategie sind das Risikoprofil und der Zeithorizont. Ersteres wird aufgrund der Vermögenssituation, der Risikobereitschaft und der Risikofähigkeit einer Anlegerin oder eines Anlegers gebildet. Der Anlagehorizont beschreibt den Zeitraum, in dem das Geld nicht benötigt wird. Je länger der Zeitraum, desto höher dürfen die eingegangenen Risiken sein. Denn über längere Zeit gleichen sich Kursschwankungen aus. Von hoher Bedeutung ist daneben die regelmässige Neugewichtung der Anlagen, also die periodische Überprüfung der Bestandteile eines Portfolios auf die festgelegte, langfristige Strategie.

Gewinnentwicklung hoch

Ob die Märkte inzwischen nicht überhitzt seien und ob man den «richtigen Zeitpunkt» für den Einstieg nicht verpasst habe, sind Fragen, die im Zusammenhang mit Investitionen in Aktien immer wieder zu hören sind. Eine generelle und strategische Antwort liefert der sogenannte Durchschnittskosteneffekt: Wer in regelmässigen Zeitabständen investiert, verpasst die besten Momente nicht und muss sich bei einem genügend langen Anlagehorizont keine Gedanken über den richtigen Einstiegszeitpunkt machen.

Ausgehend von der aktuellen Marktanalyse ist festzustellen, dass die prognostizierte Gewinnentwicklung der börsenkotierten Firmen 2022 zwischen 30 und 40 Prozent höher ausfällt als vor der Pandemie. Somit kann der Wert einer Aktie durchaus weiterhin steigen und nach wie vor angemessen sein.

Die Chancen der CO2-neutralen Wirtschaft

Der Umstieg auf eine CO2-neutrale Wirtschaft entwickelt sich allem Anschein nach zu einem der bedeutendsten Anlagetrends in diesem Jahrzehnt. Anlagen aus den Bereichen Greentech, saubere Luft und Reduktion von CO2 sowie Strategien für den CO2-Emissionshandel sind daher 2022 sehr interessant. Auch die Branchen Gesundheit und Cybersecurity bieten besondere Anlagechancen.

Nachhaltig investieren in wachsende Finanzbereiche

Was bringt nachhaltiges Investieren? Und wie investieren Sie nachhaltig? Fragen und Antworten zu Sustainable Investing auf einen Blick.

Wer die Trends der nachhaltigen Unternehmen möglichst gut ausschöpfen will, sollte die Mid-Cap-Titel, also die Aktien der mittelgrossen Unternehmen, im Auge behalten, da grundlegend neue Technologien häufig von solchen Unternehmen kommen. Und disruptive Technologien sind für dieses Jahrzehnt genauso prägend wie die CO2-neutrale Wirtschaft. Hinzu kommt, dass Aktien von Mega-Caps, also von den weltweit grössten Technologiefirmen, häufig stärker auf Zinsanstiege reagieren als diejenigen von Mid-Caps.

Gold – eine dollarabhängige Krisenabsicherung

Alternativen zu Investitionen in Aktien mit Aussicht auf eine vergleichbare Rendite sind für 2022 nicht leicht auszumachen. Immobilien und somit auch Immobilienfonds haben in den letzten Monaten zwar eine gute Rendite gebracht, sind aber aufgrund der tiefen Zinsen sehr teuer geworden.

Gold ist, wie andere Edelmetalle auch, ein Krisenabsicherungsvehikel, wirft aber keinen Zins ab und wird in US-Dollar notiert. Letzteres kann dazu führen, dass bei einem steigenden Goldpreis der Gewinn durch einen sinkenden Dollarkurs vermindert oder zunichtegemacht wird. Kurz gesagt: Im Jahr 2022 führt für gewinnbringende Anlagen kaum ein Weg an einer klaren Anlagestrategie und an den Aktienmärkten vorbei.