Sicher anlegen So schützen Sie Ihr Vermögen

Deflation, Inflation, Zinsen: UBS Schweiz-Chefökonom Daniel Kalt erklärt, auf welche wahren Werte Anleger setzen sollten.

von Stephan Lehmann-Maldonado 07. Sep 2017

Die Schweizer Währung scheint vor allem darum so stark, weil der Euro so schwach ist. Illustration: Raffinerie AG.

Wer Geld ausleiht, erhält einen Zins – das gilt nicht mehr. Wieso?

Die Nationalbank kann die Leitzinsen festlegen: die Zinsen, die für kurzfristige Geldausleihungen unter Banken gelten. Indem die Nationalbank die Leitzinsen unter null senkte, wollte sie den Franken als Anlagewährung unattraktiv machen – und so seinen Wert schwächen. Sie tat dies, als sie den Euro-Franken-Mindestwechselkurs von 1.20 aufgab. Darauf kippten auch die Zinsen der Staatsanleihen ins Negative.

Sparen lohnt sich fast nicht mehr.

Das trifft zu. Doch würden sich die Banken am Geldmarkt orientieren, hätten sie die negativen Zinsen an die Privatkunden weitergeben müssen. Das haben sie nicht getan. Die Gefahr bestünde, dass sich die Sparer ihr Geld von der Bank in Barmitteln auszahlen liessen.

Noch nie hat man so viel Geld gedruckt wie seit der Finanzkrise. Ein riskantes Experiment?

Es ist historisch einmalig, dass die Notenbanken – in den USA, Europa, England, Japan und der Schweiz – koordiniert so viel Geld gedruckt haben. Damit kauften sie massenhaft Staatsanleihen und andere Schuldpapiere, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die US-Notenbank Fed hat mittlerweile jedoch Massnahmen eingeleitet, um ihre expansive Geldpolitik zurückzufahren. Die anderen Länder dürften folgen. Trotzdem kann es zehn oder mehr Jahre dauern, bis sich die Situation normalisiert.

Früher betonten die Notenbanken ihre Unabhängigkeit. Daran zweifeln heute viele.

Tatsächlich haben die Notenbanken indirekt die Staatshaushalte mitfinanziert. Denn die Staaten erhielten ihre Kredite sozusagen gratis. Dadurch begaben sich die Notenbanken in eine Abhängigkeit von der Politik: Sie können das ausgeliehene Geld nicht einfach zurückziehen. Das würde zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führen.

Wie können Kleinanleger mehr aus ihrem Ersparten machen?

Wer zehn oder mehr Jahre Zeit hat, erhält mit einem diversifizierten Anlageportfolio, das auch Aktien umfasst, attraktive Renditechancen.

Mal spricht man von Inflation, mal von Deflation. Warum?

In der Schweiz erlebten wir in den letzten Jahren eine leichte Deflation. Das bedeutet, dass die Preise der Güter im Schnitt sanken. Eine grosse Deflation wäre gefährlich: Hohe Schuldenberge wüchsen weiter. Und die Leute würden – in Erwartung sinkender Preise – keine Autos mehr kaufen. Das könnte die Wirtschaft lahmlegen. Inflation ist das Gegenteil: Preissteigerungen. Das wird zum Problem, wenn die Preise mehr als fünf Prozent zulegen. Ist der Zins tiefer als die Inflation, schwindet die Kaufkraft von Spargeldern.

Was löste die Deflation aus?

Der starke Franken vergünstigte unsere Importgüter. Und der Zerfall des Erdölpreises verbilligte das Benzin und das Heizöl.

Wann zieht die Inflation an?

Die USA und die Eurozone verzeichnen schon eine etwas höhere Inflation. Die Schweiz hinkt nach. Dieses Jahr rechnen wir mit 0,5 Prozent, nächstes mit 1 Prozent Inflation.

Superreiche horten Farmen und Wälder für den Systemkollaps. Was empfiehlt sich für unsereins?

Für den Fall einer dramatischen Inflation gilt: Realwerte schützen das Vermögen wirksamer als Nominalwerte. Mit Boden, Immobilien, Rohstoffen, Gold und Aktien fährt man besser als mit dem Konto.

Sollte man also jetzt ein Eigenheim kaufen?

Das lässt sich nicht generell empfehlen. Ein Eigenheim schützt langfristig vor Inflation, aber nicht kurzfristig. Die Preise auf dem Schweizer Immobilienmarkt notieren derzeit ziemlich hoch. Im Luxussegment sind sie ins Rutschen gekommen.