Schweizer Konjunktur Dividendentitel für 2017

An Aktien führt auch 2017 kein Weg vorbei, meint Daniel Kalt, Chefökonom von UBS Schweiz. Er rät aber, breit zu diversifizieren.

von Reto Wäckerli 09. Jan 2017

«Das Glas ist halb voll», sagt Daniel Kalt, Chefökonom von UBS Schweiz. Für die Schweizer Wirtschaft ist er relativ optimistisch. Bild: Shutterstock

Herr Kalt, Prognostiker rechnen damit, dass die Schweizer Wirtschaft 2017 um rund 1,5 Prozent wächst. Was halten Sie davon, und ist das Glas nun halb leer oder halb voll?

Auch wir rechnen mit einem Plus in dieser Grössenordnung, und meiner Meinung nach ist das Glas damit halb voll. Denn der Wert ist angesichts der Frankenstärke nicht schlecht. Wachstumsraten wie vor dieser Zeit sind einfach nicht mehr realistisch, auch wenn sich die Schweizer Wirtschaft zuletzt in einem schwierigen Umfeld erneut sehr gut geschlagen hat. Die Migration geht zurück, der Bauboom flaut ab, es wird weniger investiert. Das ergibt in der Summe dieses «lauwarme» Wachstum.

Sie erwähnten den Frankenschock. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass 2017 Ähnliches passiert?

Wir gehen grundsätzlich nicht davon aus. Das Zwei-Säulen-Konzept der SNB mit Negativzinsen und sporadischen Devisenmarktinterventionen hat zuletzt auch nach dem Brexit und den US-Wahlen funktioniert. Und wir hoffen, dass der Plan der SNB auch weiterhin aufgeht. Ganz ausschliessen sollte man es aber nicht, weil es auf dieser Welt doch einige Risiken gibt.

Das Instrument der SNB wären dann wohl noch negativere Negativzinsen.

Sollte der Euro-Franken-Wechselkurs deutlich unter 1.05 fallen, würde die SNB wohl handeln. Zum Beispiel mit noch tieferen Negativzinsen. Dafür bräuchte es aber wirklich ein schockartiges Ereignis in der Eurozone.

In diversen Ländern der Eurozone stehen 2017 Wahlen an.

Die Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland sind die offensichtlichsten Risiken. Wie bei der US-Wahl gibt es ein gewisses Überraschungspotenzial. Ökonomisch sieht es jedoch grundsätzlich nicht so schlecht aus – nicht zuletzt, weil die Europäische Zentralbank die Zinsen in der Eurozone mit ihrem Anleihenkaufprogramm noch lange tief halten wird und damit das Gebilde zusammenhält.

Also sehen wir 2017 kein Aufbrechen der Eurozone.

Davon gehe ich überhaupt nicht aus. Der politische Wille, die Eurozone auf Teufel komm raus am Leben zu erhalten, wird wohl nach wie vor eher unterschätzt. Was ich mir längerfristig allenfalls vorstellen könnte, sind Austritte kleinerer Länder.

Als weiteres Risiko gilt der neue US-Präsident, Donald Trump. Warum führte seine Wahl zu neuen Höchstständen an der Wall Street?

Die Märkte haben sich offensichtlich auf die positiven Aspekte von Trumps Absichtserklärungen konzentriert. Zum Beispiel auf Steuersenkungen, was zu höheren Gewinnen bei den Unternehmen führen würde, oder Investitionen in die US-Infrastruktur, was das Wachstum ankurbeln würde. Vieles ist aber noch offen, insbesondere die Aussen- und Handelspolitik. Hier gilt es, abzuwarten und die Entwicklungen genau zu beobachten.

Was empfehlen Sie Kleininvestoren in solchen Zeiten mit vielen Unklarheiten? Beständiges wie Gold?

Zentral ist eine möglichst breite, auch internationale Diversifikation. Das hat sich 2016 exemplarisch gezeigt. Wer bei den Aktien nur auf die Schweiz setzte, kam relativ schlecht weg; in den USA hingegen folgte ein Rekord auf den nächsten, und auch in manchen Schwellenländern gab es erfreuliche Entwicklungen. Wichtig ist aber auch eine Diversifikation über die Anlageklassen hinweg, und da ist eine Beimischung von Gold durchaus denkbar. Um Aktien kommt aber bei den aktuellen Renditen von Obligationen wohl niemand herum.

Haben Sie bei den Aktien Favoriten?

Wir empfehlen insbesondere Dividendentitel. Aktuell haben wir im SPI eine Dividendenrendite von 3,5 Prozent, also einen Wert, von dem am Anleihenmarkt nur geträumt werden kann. Ausserdem empfehlen wir, eher in Mid Caps statt Large Caps zu investieren.

Für Schweizer Anleger – das Wichtigste im Überblick

  • Rückblick. Wer 2016 bei den Aktien nur auf die Schweiz setzte, kam relativ schlecht weg.
  • Ausblick Aktien. Eine möglichst breite, auch internationale Diversifikation, ist zentral. Wir empfehlen, insbesondere in Dividendentitel und eher in Mid Caps statt Large Caps zu investieren.
  • Anleihen. Bei den aktuellen Renditen von Obligationen kommt wohl niemand um Aktien herum.
  • Währungen. Sollte der Euro-Franken-Wechselkurs unter 1.05 fallen, würde die SNB wohl handeln. Zum Beispiel mit noch tieferen Negativzinsen.
  • Schweizer Wirtschaft. Die Migration geht zurück, der Bauboom flaut ab, es wird weniger investiert. Für 2017 ergibt das in der Summe ein «lauwarmes» Wachstum in der Grössenordnung von 1,5 Prozent.