Schweizer Börse Jetzt starten mittelgrosse Unternehmen durch

Die Gewinne der Schweizer Firmen steigen wieder. Aktienanalyst Stefan R. Meyer verrät, wie Anleger davon profitieren können.

von Stephan Lehmann-Maldonado 25. Mär 2016

Süsse Renditen: Zyklische Aktien wie die von Forbo könnten von der europäischen Konjunkturerholung profitieren. Bild: Forbo-Förderband.


Angenommen, Sie müsste heute 10'000 Franken für 10 Jahren anlegen. Wie investieren Sie?

In eine breit diversifizierte Anlagelösung, die den Schweizer Aktienindex SMIM reflektiert. Dieser enthält die 30 grössten Mid Caps – sprich «mittelgrosse» Schweizer Unternehmen, die nicht schon im Blue-Chip-Index SMI vertreten sind.

Wieso setzen Sie auf mittelgrosse Schweizer Unternehmen?

Die Schweizer Mid Caps überzeugen mit sehr soliden Bilanzen. Zudem weisen sie ein überdurchschnittliches organisches Wachstum auf. Hinzu kommt, dass sie regional fast so diversifiziert aufgestellt sind wie die Grosskonzerne aus dem SMI. Derzeit bezahlt man für die Mid Caps aus dem SMIM zwar eine Prämie von 10 Prozent, historisch liegt diese jedoch höher, nämlich bei 12 Prozent.

Gilt der Tipp noch in einem Monat?

Klar. Bei einer langfristigen Anlage spielt der Einstiegszeitpunkt eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass das Wachstumspotenzial der Mid Caps überdurchschnittlich attraktiv ist.

Anfang Jahr sind die Kurse an der Schweizer Börse eingebrochen. Gibt es jetzt Kaufgelegenheiten?

Die Chancen scheinen intakt. Denn wir erwarten zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder einen leichten Anstieg der Unternehmensgewinne. Erstmals seit 2012 dürften sogar die Währungen einen positiven Gewinnbeitrag liefern. Der Schock der Frankenaufwertung hat die Unternehmensgewinne vor allem im Jahr 2015 belastet. Zwar kämpfen die Exporteure weiterhin mit dem starken Franken, aber buchhalterisch geht’s wieder etwas aufwärts.

Auf welche Trends können Anleger momentan setzen?

Einerseits auf Aktien von Unternehmen, die nachhaltig hochwertige Dividenden ausschütten. Dazu zählen etwa die Zurich Versicherung, die Pharmakonzerne Novartis und Roche, der Zertifizierungskonzern SGS – oder die Cembra Money Bank, die seit bald drei Jahren an der Schweizer Börse kotiert ist. Andererseits sind zyklische Nischenmärkte attraktiv, wenn man taktisch vorgeht. So ging es am Textilmarkt zwei Jahre lang abwärts – jetzt erholt er sich. Davon dürfte etwa der Textilmaschinenhersteller Rieter profitieren. Auch der europäische Baumarkt hat gelitten, während er sich nun aufrappelt. Daran kann man mit Forbo, Weltmarktführer für Linoleumböden, partizipieren. Forbo verfügt über eine sehr solide Bilanz und starke Gewinnmargen.

Finden sich auch attraktive Anleihen?

Angesichts der immer noch historisch tiefen Zinsen ist das Potenzial limitiert. Anfang Jahr durchliefen jedoch auch Anleihen eine Korrekturphase. So gerieten etwa Anleihen von Banken unter Druck. Zu bevorzugen sind hier Anleihen von stabileren Investmentbanken wie etwa Anleihen in Franken von Goldmann Sachs oder Macquarie aus Australien.

Schweizer Immobilienaktien und -fonds starteten fulminant ins Jahr 2016. Liegt eine Überbewertung vor?

Nein, ich würde nicht von einer Überbewertung sprechen. Immobilienaktien und vor allem Immobilienfonds sind gut bewertet. Ihr Kurspotenzial nach oben ist begrenzt. Doch die Anlagen bieten langfristig Sicherheit. Denn dahinter stehen reale Sachwerte. Das rechtfertigt in turbulenten Zeiten einen gewissen Aufpreis. Ausserdem werfen Immobilienanlagen in der Regel attraktivere Renditen ab als Anleihen. Wir gehen nicht von einem grösseren Einbruch des Immobilienmarkts aus.

Der Experte

Stefan R. Meyer arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Research von UBS. Er ist verantwortlich für die Analyse des Schweizer Aktienmarkts und leitet die Redaktion des monatlichen Anlageberichts «Investieren in der Schweiz».

Anlegen in der Schweiz – auf einen Blick

Aktien: Zum ersten Mal seit zwei Jahren dürften die Gewinne bei den Unternehmen wieder zulegen.

Anleihen: Unternehmensanleihen sind zu bevorzugen.

Immobilien: Das Kurspotenzial nach oben scheint beschränkt.

Währungen: Der Franken könnte mittelfristig gegenüber dem Euro und dem US-Dollar leicht nachgeben.

Wirtschaft: Die Schweiz hat den Frankenschock erstaunlich gut verdaut, doch die weltweite Konjunkturflaute bremst den Export.