Das Wichtigste in Kürze

Geldanlagen sollten gut geplant und durchdacht sein. Doch kurzfristiges Denken und die Angst vor Verlusten verleiten Anlegerinnen und Anleger oft zu Fehlentscheidungen.

  • Selbstüberschätzung führt meist zu mehr Risiko, woraus wiederum starke Emotionen entstehen.
  • Eine zu starke emotionale Bindung an die eigene Geldanlage erhöht die Gefahr von fehlerhaften Anlageentscheidungen.
  • Investorinnen und Investoren mit Verlustangst verpassen oft profitablere Anlagechancen.
  • Das Streben nach schnellem Gewinn erhöht das Risiko von riskanten Anlageentscheidungen.
  • Mit einer klaren Strategie, überlegten Entscheiden und breiter Diversifikation lassen sich viele Anlagefehler vermeiden.

Finanzpsychologie steht am Anfang von typischen Anlagefehlern

Menschen handeln selten rational – das gilt auch beim Geldanlegen. Insbesondere Privatinvestorinnen und Privatinvestoren lassen sich an den Börsen von individuellen Motiven, Einstellungen und Bewertungen sowie von ihrer persönlichen Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen beeinflussen.

Expertinnen und Experten sprechen in diesem Zusammenhang von «Behavioral Finance» – also der verhaltensorientierten Finanzmarkttheorie. Dabei betonen sie, dass diese kognitiven Verzerrungen meistens unterbewusst geschehen und nicht selten in Anlagefehlern enden.

Beispielsweise, wenn Anlegerinnen und Anleger erst zukaufen, nachdem die Börsenkurse schon lange kontinuierlich angestiegen sind, und so an einem grossen Teil der Kursgewinne gar nicht teilnehmen. Oder wenn sie ihre Anlagen in einer Krisenphase kurz vor der Talsohle mit Verlust verkaufen, bevor die Erholung eintritt.

Typische Gefühlslagen am Beispiel der Finanzkrise 2008

Sechs häufige Anlagefehler, die Ihre Renditechancen schmälern

An der Börse warten grosse Chancen, aber auch viele Risiken auf Anlegerinnen und Anleger. Fehler können sich sofort negativ auf den Anlageerfolg auswirken. Sechs typische Fehler von Anlegerinnen und Anlegern sind:

1. Sich beim Investieren selbst überschätzen

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine Aktie in einem Aufwärtstrend. Der Kurs steigt, und Sie fühlen sich in Ihrem Handeln bestätigt. Gleichzeitig blenden Sie aus, dass der Titel vielleicht auch nur vom positiven Börsenmomentum profitiert.

Menschen schreiben ihre Erfolge gerne den eigenen Fähigkeiten zu und machen bei Misserfolgen jeweils äussere Umstände verantwortlich. Bei Anlegerinnen und Anlegern kann das dazu führen, dass sie ihre eigenen Fähigkeiten aufgrund von zufälligen Erfolgen überschätzen.

Durch diese Selbstüberschätzung entwickeln sie oft ein übermässiges Vertrauen in ihre Anlagen und gehen erhöhte Risiken mit ihren Investitionen ein, beispielsweise durch grössere Einsätze.

2. Eine emotionale Bindung zu den eigenen Investments aufbauen

Anlegerinnen und Anleger entwickeln häufig eine emotionale Bindung zu ihren Geldanlagen, die ihren Anlageentscheid erheblich beeinflussen kann.

Angenommen, Sie haben einen starken Bezug zu einer bestimmten Auto- oder Modemarke und halten daher Aktien des entsprechenden Unternehmens in Ihrem Wertschriftenportfolio. Und obwohl sich die Finanzmärkte seit Längerem in einem Aufwärtstrend befinden, liegt der aktuelle Kurs Ihrer Aktien weit unter dem Einstiegspreis.

Sie halten aber eisern an den Titeln fest. Der Grund: Weil Sie emotional gefangen sind, blenden Sie das Verlustpotenzial aus. So verpassen Sie die Möglichkeit, in Titel zu investieren, die bessere Renditechancen bieten.

3. Dem Herdentrieb folgen

Täglich lassen wir uns vom Verhalten anderer beeinflussen. Sie stehen am Fussgängerstreifen und die Verkehrsampel steht auf Rot – trotzdem laufen alle über die Strasse. Schliessen auch Sie sich der Herde an?

Der sogenannte Herdentrieb macht auch vor den Finanzmärkten nicht halt. Nur wenige Anlegerinnen und Anleger nehmen ihn bewusst wahr. Wenn beispielsweise der Kurs einer Aktie steigt, möchte man auch dabei sein («fear of missing out») und von diesem Anstieg profitieren.

Aber oft kauft man die Aktie zu teuer, weil man den richtigen Zeitpunkt verpasst hat. Nicht anders verhält es sich bei stark fallenden Börsenkursen: Ist die allgemeine Zuversicht verflogen, wird vermehrt und oft vorschnell – und allenfalls mit grossem Verlust – verkauft.

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4. Aus Verlustangst an schlecht performenden Anlagen festhalten

Verlustangst beziehungsweise Verlustaversion gehört zu den meistverbreiteten Verhaltensmustern von Anlegerinnen und Anlegern. Die meisten Menschen gewichten einen Verlust stärker als einen Gewinn in gleicher Höhe. Das kann dazu führen, dass man die falschen Entscheidungen für die eigene Anlagestrategie und die langfristigen Ziele trifft.

Verlustaversion zeigt sich zum Beispiel, indem Anlegerinnen und Anleger verlustreiche Wertpapiere halten, weil sie auf eine Kurserholung hoffen. Erst der Verkauf der Wertpapiere macht den Verlust real. Sie vermeiden den Verkauf eher, als dass sie den Verlust hinnehmen.

5. Nach kurzfristigen Gewinnen streben

Der bekannte Börsen- und Finanzexperte André Kostolany brachte es auf den Punkt: «Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird. Ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: Indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden.»

Anlegerinnen und Anleger, die oft kurzfristige Gewinne realisieren, verlieren dabei häufig ihre langfristigen Anlageziele aus den Augen. Die Konsequenz daraus: Sie erhöhen ihre Anlagerisiken beim Streben nach dem schnellen Gewinn überproportional.

Die Ungeduld hat einen weiteren Nachteil: Wer den schnellen Reichtum sucht, neigt dazu, falsche Anlageentscheidungen zu treffen oder zum falschen Zeitpunkt zu investieren. Und je mehr Wertpapiere Sie kaufen, kurz halten und wieder verkaufen, desto höher sind Ihre Transaktionskosten, was wiederum Ihre Rendite schmälert. Unter Umständen verzichten Sie auf höhere Renditen, wenn Aktien zu früh verkauft werden.

6. Alles auf eine Karte setzen

Ein weiterer häufiger Anlagefehler ist die fehlende Diversifikation – wenn Anlegerinnen und Anleger ihr Kapital stark auf einzelne Titel, Branchen oder Anlageklassen konzentrieren. Denn wer alles auf eine Karte setzt, geht ein unnötig hohes Risiko ein.

Ein Beispiel: Sie investieren einen grossen Teil Ihres Vermögens in die Aktien eines einzelnen Unternehmens oder in eine einzige Branche, etwa Technologie oder Energie. Entwickelt sich dieses Unternehmen oder der gesamte Sektor negativ, kann Ihr Portfolio stark an Wert verlieren.

Viele Anlegerinnen und Anleger unterschätzen dieses Risiko, insbesondere wenn sie zuvor mit einer bestimmten Anlage gute Erfahrungen gemacht haben. Positive Entwicklungen in der Vergangenheit verleiten sogar dazu, noch stärker auf denselben Titel oder Markt zu setzen. Doch selbst sehr erfolgreiche Unternehmen oder Branchen können unerwarteten Schwankungen unterliegen.

Anlagefehler vermeiden – mit diesen Tipps

Langfristig der eigenen Anlagestrategie folgen: Ihre Anlagestrategie ist Ihr Kompass – besonders dann, wenn die Märkte turbulent sind und Emotionen schnell die Oberhand gewinnen. Eine klare Strategie hilft dabei, in schwachen Marktphasen nicht in Panik zu verkaufen oder in starken Phasen nicht aus Euphorie zu viel Risiko einzugehen.

Diversifiziert investieren: Ein breit diversifiziertes Portfolio hilft, ein Klumpenrisiko zu vermeiden, da Ihre Anlagen auf eine grosse Anzahl von Aktien und Unternehmen verteilt sind. Mit ETF oder breiten Fondslösungen lässt sich eine gute Diversifikation oft unkompliziert bewerkstelligen.

Anlageentscheide hinterfragen: Als Anlegerin oder Anleger sollten Sie sich immer wieder aufs Neue fragen, was die beste Investition für die Zukunft ist – und die aktuellen Informationen und das Anlageziel berücksichtigen.

Das Portfolio regelmässig überprüfen und ausbalancieren: Selbst eine gut geplante Anlagestrategie kann im Laufe der Zeit aus dem Gleichgewicht geraten. Wenn einzelne Anlagen stark steigen oder fallen, verändert sich automatisch die Risikostruktur des Portfolios. Durch eine regelmässige Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der Gewichtung, auch Rebalancing genannt, kann das Portfolio wieder mit der ursprünglichen Strategie in Einklang gebracht werden.

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Fazit: weniger Anlagefehler durch eine klare Anlagestrategie

Der erste Schritt zu erfolgreichem Anlegen ist, sich der eigenen Denk- und Verhaltensmuster bewusst zu sein. Zudem sollten Sie Folgendes beachten:

  • Niemand ist gegen Anlagefehler gefeit. Wer die verbreitetsten kennt, kann das eigene Fehlerrisiko stark verringern.
  • Eine fundierte und langfristig ausgelegte Anlagestrategie ist der beste Weg, um gute Anlageentscheidungen zu treffen.
  • Es lohnt sich, bei der Bestimmung der Anlagestrategie Fachleute beizuziehen. Sie verfügen über die nötige Expertise sowie bewährte Modelle, Analysen und Prozesse.

Wer diese Punkte berücksichtigt, kann viele Fehler, die durch Psychologie begründet sind, effektiv vermeiden.

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