Teodoro De Corso
CIC Cash Management Specialist

Das Wichtigste in Kürze

Der Schutz vor Cyberangriffen ist ein kontinuierlicher Prozess, der vieler einzelner Massnahmen bedarf.

  • Es gibt zahlreiche Arten von Cyberangriffen, die alle Mitarbeitenden kennen sollten – so Vishing (Voice Phishing), der CEO-Fraud und viele mehr. 
  • Regelmässige Schulungen sind besonders wirksam, da sie zeigen, woran man Cyberattacken erkennt und wie man mögliche Angriffe verhindert. 
  • Jedes Unternehmen sollte zudem klare Verhaltensregeln vorgeben, wie das Verifizieren ungewöhnlicher Anfragen per Telefon, die konsequente Nutzung der Zwei-Faktor-Authentifizierung und das Vier-Augen-Prinzip bei Zahlungen.

Cyberattacken: warum Mitarbeitende das grösste Sicherheitsrisiko darstellen

Die Cyberbedrohung in der Schweiz nimmt dramatisch zu: 2025 verzeichnete das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) rund 65 000 gemeldete Vorfälle. Das ist fast eine Verdopplung gegenüber dem Jahr 2023. Betroffen ist bereits jedes dritte Schweizer KMU. Während Unternehmen viel in technische Firewalls und Antivirenprogramme investieren, bleibt der Mensch oft das schwächste Glied in der Sicherheitskette. Tatsächlich erfolgen die meisten erfolgreichen Cyberangriffe nicht durch hochkomplexe technische Hacks, sondern durch geschickte Manipulation von Mitarbeitenden.

Cyberkriminelle setzen auf sogenanntes Social Engineering: Sie täuschen Mitarbeitende mit gefälschten E-Mails, die scheinbar von Vorgesetzten, Banken oder bekannten Unternehmen stammen. Ein unbedachter Klick auf einen Link, das Öffnen eines infizierten Anhangs oder die Preisgabe von Zugangsdaten genügen bereits, um Angreifern Tür und Tor zu öffnen. Massiv vermehrt haben sich zweistufige Phishing-Angriffe, bei denen Betrüger zunächst Telefonnummern sammeln und die Opfer dann als angebliche Bankmitarbeitende anrufen. Ohne geschulte und sensibilisierte Mitarbeitende nützt daher die beste Technik nichts.

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Gängige Cyberattacken und Schutzmassnahmen

Das vermutlich grösste Einfallstor für Hacker sind die Mitarbeitenden eines Unternehmens. Nur durch fortwährende Schulungen und Sensibilisierungsmassnahmen lassen sich Sicherheitslücken schliessen. Hier erklären wir vier der häufigsten Angriffsszenarien und wie Sie sich dagegen schützen können.

Wenn trotz Vorsicht ein Cyberangriff gelingt – was jetzt zu tun ist

Wenn Sie Opfer eines Cyberangriffs geworden sind, ist schnelles Handeln entscheidend. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) empfiehlt folgende Schritte:

  • Ruhe bewahren und Überblick verschaffen: Was genau ist passiert? Welche Systeme oder Daten sind betroffen?
  • Betroffene Geräte sofort vom Netzwerk trennen: Verhindern Sie die weitere Ausbreitung und schalten Sie WLAN/LAN aus.
  • Banken und Kreditkartenunternehmen informieren: Sperren Sie sofort alle betroffenen Konten und Karten. Die meisten Institute haben 24-Stunden-Notfallnummern.
  • Passwörter ändern: Ändern Sie alle betroffenen Passwörter. Falls möglich von einem sicheren, nicht kompromittierten Gerät aus.
  • Anzeige bei der Polizei erstatten: Melden Sie den Vorfall bei Ihrer örtlichen Polizeistelle oder über suisse-epolice.ch. Warten Sie mit dem Wiederaufsetzen von Systemen, bis allfällige Spuren gesichert sind.
  • Vorfall dem BACS melden: Auch erfolglose oder teilweise erfolgreiche Angriffe sollten dem BACS über ncsc.admin.ch gemeldet werden.

Zusätzliche Massnahmen bei CEO-Fraud

Falls bereits eine Zahlung ausgeführt wurde: Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank und die Empfängerbank. Je schneller Sie reagieren, desto höher ist die Chance, dass die Überweisung noch gestoppt werden kann. Dokumentieren Sie die betrügerische E-Mail und bewahren Sie alle E-Mail-Korrespondenz auf. Prüfen Sie, ob weitere Mitarbeitende ähnliche Anfragen erhalten haben. Informieren Sie sofort die Geschäftsleitung und gegebenenfalls Ihren Vorgesetzten.

Zusätzliche Massnahmen bei Rechnungsmanipulationsbetrug (Invoice-Fraud)

Informieren Sie sofort den echten Lieferanten über den Betrug. Lassen Sie Ihr E-Mail-System von IT-Fachpersonal auf Weiterleitungsregeln und Kompromittierungen prüfen. Kriminelle richten oft automatische Weiterleitungen ein, um unbemerkt mitzulesen. Überprüfen Sie sämtliche Zahlungen der letzten Wochen auf verdächtige Kontoänderungen. Aktivieren Sie sofort die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) für alle E-Mail-Konten, falls noch nicht geschehen.

Zusätzliche Massnahmen bei Login-Betrug (Credential Phishing)

Ändern Sie das Passwort sofort auf allen Plattformen, wo Sie dasselbe oder ähnliche Passwörter verwenden. Überprüfen Sie Ihre Kontoaktivitäten: Wurden in Ihrem Namen E-Mails versendet? Gab es Bestellungen oder Transaktionen? Aktivieren Sie überall 2FA. Prüfen Sie bei E-Mail-Konten die Einstellungen auf unbekannte Weiterleitungen oder verknüpfte Geräte. Bei Banken: Prüfen Sie sämtliche Transaktionen der letzten Tage genau.

Zusätzliche Massnahmen bei Vishing (Voice Phishing)

Falls Sie Remote-Software wie TeamViewer oder AnyDesk installiert haben: Deinstallieren Sie diese sofort und trennen Sie das Gerät vom Internet. Die Kriminellen haben möglicherweise vollständigen Zugriff auf Ihr System. Lassen Sie Ihr Gerät von einer Fachperson überprüfen, bevor Sie es wieder verwenden, denn es könnte Schadsoftware installiert worden sein. Überprüfen Sie alle Bankkonten auf unautorisierte Transaktionen. Warnen Sie Bekannte, dass Kriminelle in Ihrem Namen anrufen könnten.

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Häufig gestellte Fragen zu Cyberangriffen

Fazit: Cybersicherheit ist ein umfassendes Konzept

Cybersicherheit ist keine einmalige Massnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

  • Schweizer Unternehmen finden umfassende Unterstützung beim BACS, bei ITSec4KMU und der Schweizerischen Kriminalprävention.
  • Die Investition in die Schulung von Mitarbeitenden zahlt sich aus und ist die wirksamste Verteidigungslinie gegen moderne Cyberbedrohungen. Durch gezielte Sensibilisierung lassen sich viele Angriffe verhindern. Mitarbeitende müssen die gängigen Betrugsmaschen kennen und ein gesundes Misstrauen entwickeln.
  • Besonders wichtig sind einfache Verhaltensregeln wie das Verifizieren ungewöhnlicher Anfragen per Telefon, die konsequente Nutzung der Zwei-Faktor-Authentifizierung und das Vier-Augen-Prinzip bei Zahlungen.

Sollte dennoch ein Angriff gelingen, ist schnelles Handeln entscheidend: Geräte trennen, Banken informieren und Vorfall melden.

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