Wie funktioniert der Kauf auf Rechnung?

In der Schweiz gehört der Kauf auf Rechnung zu den beliebtesten Zahlungsmethoden im Online-Handel. Laut dem E-Commerce-Stimmungsbarometer 2023 nutzen rund 71 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer diese Option regelmässig bei ihren Einkäufen im Internet.

Der Ablauf ist einfach: Nachdem ein Produkt im Online-Shop ausgewählt und in den Warenkorb gelegt wurde, können Kundinnen und Kunden häufig beim Check-out die Zahlungsmethode «Kauf auf Rechnung» wählen. Teilweise werden dafür auch Bezeichnungen wie «PostFinance-Rechnung» oder «eBill» verwendet. Wird diese Zahlungsart gewählt, prüft die Händlerin oder der Händler zunächst die Bonität der Kundin oder des Kunden durch eine im Hintergrund ausgeführte Anfrage. Fällt diese positiv aus, wird die Bestellung ausgelöst und die Rechnung zusammen mit der Ware versendet. Anschliessend haben Käuferinnen und Käufer in der Regel bis zu 30 Tage Zeit, den offenen Betrag zu begleichen.

Viele Online-Händlerinnen und -Händler arbeiten dabei mit spezialisierten Zahlungsabwicklern wie Klarna oder Byjuno zusammen. Diese übernehmen den gesamten Prozess – von der Bonitätsprüfung über die Rechnungsstellung bis hin zum Inkasso, falls eine Zahlung ausbleibt. Für Händler bedeutet das eine deutliche Entlastung sowie eine Absicherung gegen Zahlungsausfälle, während Kundinnen und Kunden von einer bequemen und vertrauten Zahlungsmöglichkeit profitieren.

Vorteile des Kaufs auf Rechnung

Der Kauf auf Rechnung bietet Kundinnen und Kunden ein hohes Mass an Sicherheit. Zuerst kann die Ware in Ruhe geprüft werden, bevor eine Zahlung fällig wird. Gleichzeitig sorgt die eingeräumte Zahlungsfrist für zusätzlichen zeitlichen Spielraum beim Begleichen der Rechnung. Gerade wenn man überraschend eine dringende Anschaffung machen muss, die eigentlich nicht ins Monatsbudget passt, kann der Kauf auf Rechnung ein Vorteil sein. Besonders in neuen oder noch unbekannten Online-Shops wirkt diese Zahlungsmethode transparent und kundenfreundlich – ein entscheidender Faktor, um Vertrauen aufzubauen.

Nachteile und Risiken des Kaufs auf Rechnung

Die Zahlungsfrist, die Sie sich durch den Kauf auf Rechnung einräumen, kann auch ihre Tücken haben, denn sie muss selbstverständlich auch eingehalten werden. Doch ein Zahlungstermin kann im pulsierenden Alltag leicht einmal versäumt werden, was zu Mahnkosten oder sogar einem Inkassoverfahren führen kann. Selbst die Rolle der Zahlungsabwickler kann zu Verwirrung führen, denn auf einmal schulden Sie nicht dem Online-Shop direkt Geld, sondern einem ganz anderen Unternehmen. Dies kann auch bei Reklamationen zum Problem werden.

Menschen, die zu Spontankäufen neigen, ohne ihr Budget im Blick zu behalten, sollten nur in Ausnahmefällen den Kauf auf Rechnung wählen. Die Gefahr der Überschuldung wächst, wenn Zahlungsziele in die Zukunft verschoben werden. Zudem reichen die Bonitätsprüfungen der Online-Shops nicht immer aus, um zu gewährleisten, dass sich die Bestellerin oder der Besteller die Ware auch leisten kann, ohne in eine finanzielle Bredouille zu geraten.

Einige Fake Shops suggerieren die Möglichkeit des Kaufs auf Rechnung, um sich einen zuverlässigen Anstrich zu geben. Werden Sie aber trotz der Wahl «Kauf auf Rechnung» dazu aufgefordert, sofort zu bezahlen, sollten Sie den Kauf besser abbrechen.

Warum ist der Kauf auf Rechnung so beliebt?

Der Kauf von Waren im Internet ist mit einigen Unwägbarkeiten verbunden: Bilder sind oft wenig aussagekräftig und auch Grössenangaben, Qualitätsversprechen oder sogar Kundenbewertungen kann man nicht immer vertrauen. Der Kauf auf Rechnung ermöglicht es, die Ware zuerst zu prüfen und – so sie nicht gefällt – innerhalb der Zahlungsfrist ohne Vorkasse zurückzuschicken. Das vereinfacht im Falle des Nichtgefallens auch die Rücksendung. Für weniger solvente Kundinnen und Kunden kann es ein Vorteil sein, die Ware erst später bezahlen zu müssen. Gerade wenn es sich um Dinge handelt, die aktuell dringend gebraucht werden. Auch Menschen, die nur ungern ihre Bankverbindung im Internet preisgeben und denen Datensicherheit wichtig ist, sind mit dieser Zahlungsmethode auf der sicheren Seite. Ein weiteres Plus: Viele Schweizer Zahlungsabwicklungsfirmen bieten beim Rechnungskauf flexible Ratenmodelle an. Zudem können Käuferinnen und Käufer davon ausgehen, dass Online-Shops, die Kauf auf Rechnung anbieten, grundsätzlich qualitativ akzeptable Ware anbieten und seriös sind.

Vergleich mit anderen Zahlungsmethoden

Kreditkarten

Neben dem Kauf auf Rechnung gibt es viele weitere beliebte Zahlungsmethoden. Kreditkarten sind eine weitere bewährte Methode, um im Internet oder anderswo erworbene Produkte zu bezahlen. Das bargeldlose Bezahlen mit Kreditkarte ist in vielen Situationen komfortabel, so ist auch im Online-Shop die Bezahlung meist mit wenigen Klicks erledigt. Viele Kartenanbieter bieten zudem Schutz vor Betrug oder bei Nichtlieferung der Ware. Die Zahlung wird beim Kauf mit der Kreditkarte meist erst am Monatsende fällig, manche Kartenanbieterinnen und Kartenanbieter ermöglichen Ratenzahlung. Bonuspunkte und Cashback machen den Einkauf mit der Kreditkarte noch attraktiver.

TWINT

Der Bezahldienst TWINT ist eine Mobile-Payment-Lösung aus der Schweiz, mit der Nutzende bequem per Smartphone bezahlen können. Die Zahlungen erfolgen über QR-Codes oder kontaktloses Bezahlen. Die Kundinnen und Kunden können ihr Bankkonto mit TWINT verknüpfen, was eine schnelle und sichere Abbuchung ermöglicht. Mit der Funktion «später bezahlen» kann man auch bei TWINT einen 30-tägigen Zahlungsaufschub einfordern.

PayPal

Viele Online-Shops bieten PayPal als Zahlungsmethode an. Nach der Auswahl von PayPal beim Check-out werden Kundinnen und Kunden direkt zum sicheren PayPal-Log-in weitergeleitet. Die Zahlung erfolgt entweder in Echtzeit, nach einer Frist von 30 Tagen oder in Raten. Im Fall der Forderung einer Rückerstattung ist der Paypal-Käuferschutz zuständig, was Zeit und Aufwand nötig machen kann.

Sofortüberweisung

Bei der Sofortüberweisung wird der Betrag sofort bei der Bestellung von Ihrem Konto abgebucht. So kommt man nicht in Versuchung, das eigene Guthaben überzustrapazieren. Bei Problemen mit der Ware muss man allerdings auf die Rückerstattung durch den Händler vertrauen. Bei der Sofortüberweisung müssen das Log-in der Bank und eine Transaktionsnummer eingegeben werden. Das stellt ein gewisses, wenn auch eher geringes Sicherheitsrisiko dar, zumindest, wenn es sich um einen seriösen und bekannten Online-Shop handelt.

Wissenswert

Die Bonität zeigt die Fähigkeit und den Willen, offenen Zahlungsverpflichtungen zuverlässig nachzukommen. Bei der Bonitätsprüfung fliesst eine Vielzahl von Parametern mit ein. Dazu gehören Zahlungsverhalten, Verschuldungsgrad, Betreibungshistorie – mitunter sogar die Häufigkeit von Wohnortwechseln. Der Prozess der Bonitätsprüfung beim Kauf auf Rechnung beginnt, sobald Sie im Online-Shop den Warenkorb bestätigt und Ihre Kundendaten übermittelt haben. Die Daten werden in Echtzeit geprüft.

Tipps für den sicheren Einkauf auf Rechnung

Einer der vermeidbaren Fehler beim Kauf auf Rechnung ist es, die Zahlungsfrist nicht einzuhalten. Deshalb sollten Sie zur Erinnerung an Zahlungstermine eine App, die Erinnerungsfunktion des Smartphones oder einen Kalender nutzen. Unbekannte Online-Shops sollten immer im Vorfeld eines Kaufs genauer in Augenschein genommen werden, etwa indem man Erfahrungen anderer Nutzerinnen und Nutzer recherchiert und Gütesiegel sowie Impressum und Kontaktangaben prüft.

Wer dazu neigt, beim Shopping übereilte Entscheidungen zu treffen, sollte sich bei grösseren Entscheidungen etwas mehr Zeit nehmen. Wenn es zu Problemen mit der Lieferung oder der Ware kommt, dann muss zuerst die Händlerin respektive der Händler und dann das Zahlungsdienstleistungsunternehmen kontaktiert werden.

Fazit

Die Zahlung auf Rechnung im Online-Handel ist überaus beliebt und bietet für Konsumentinnen und Konsumenten einige Vorteile. Besonders wenn die Ware nicht den Vorstellungen der Empfängerin oder des Empfängers entspricht, müssen Sie nach der Rücksendung nicht auf Ihr Geld warten. Achten Sie vor jedem Online-Einkauf darauf, ob Ihnen die Anbieterin oder der Anbieter ein Widerrufsrecht einräumt. Eine gesetzliche Pflicht besteht in der Schweiz nicht, jedoch bieten viele Webshops die Möglichkeit an, Produkte retournieren zu können. Da der Zahlungstermin in der Zukunft liegt, sollte man penibel darauf achten, diesen nicht zu versäumen, da es sonst zu Mahngebühren oder im unangenehmsten Fall sogar zum Inkasso kommen kann.

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