Immobilienmarkt Prognose: stagnierende Eigenheimpreise

Die Dynamik auf dem Eigenheimmarkt hat im ersten Quartal weiter nachgelassen. Wir erwarten 2018 insgesamt stagnierende Preise.

von Maciej Skoczek 22. Jun 2018

Im Jahresvergleich resultierte eine Korrektur von 2 Prozent bei Eigentumswohnungen, Einfamilienhäuser verteuerten sich jedoch leicht um 1,6 Prozent. Die Preisänderungsraten sind damit deutlich tiefer als im Vorjahr.

Regionale Preiskorrekturen

Eine Korrektur bei den Eigentumswohnungen wird in fast allen Schweizer Regionen gemessen. Im Laufe des vergangenen Jahres sanken die Preise am stärksten in der Süd- und der Ostschweiz. Nur in den Regionen Zürich und Westschweiz wurden erwähnenswerte Preisanstiege von bis zu 2 Prozent ausgewiesen. Die Einfamilienhäuser hielten sich hingegen auch regional betrachtet besser als Eigentumswohnungen. Ein Preisanstieg von fast 6 Prozent wurde in der Ostschweiz gemessen, um 4 bis 5 Prozent verteuerten sich Einfamilienhäuser am Genfersee und in der Nordwestschweiz. Zürcher und Westschweizer Einfamilienhäuser verbilligten sich hingegen leicht.

Gedämpfte Preisentwicklung

Die anhaltend attraktiven Finanzierungsbedingungen und die anziehende Konjunktur stützen die Nachfrage nach Wohneigentum. Eigenheime scheinen gegenüber Mietwohnungen weiterhin attraktiv, weil sich bei einem Kauf 10 bis 15 Prozent der laufenden Kosten einer vergleichbaren Mietwohnung einsparen lassen. Bei einem Objekt im Wert von 1 Million Franken entspricht dies rund 4000 Franken pro Jahr. Die Tragbarkeit vieler privater Kaufinteressenten ist hingegen unverändert angespannt und schränkt das Potenzial für steigende Preise ein. Zudem dämpfen leicht steigende Hypothekarzinsen und der sich verschärfende Wettbewerb mit leerstehenden Mietwohnungen die Preisentwicklung.

Bauen boomt, Bevölkerung wächst kaum mehr

Die Bautätigkeit auf dem Wohnungsmarkt zeigt keine Anzeichen von Schwäche. In den letzten vier Quartalen wurden insgesamt 59 000 Baugesuche eingereicht und 54 000 Baubewilligungen erteilt. Im ersten Quartal 2018 wurden mehr Baubewilligungen für Wohnungen erteilt als in den ersten Quartalen der vergangenen drei Jahre. Insgesamt dürften in der Schweiz auch im laufenden Jahr Wohnungen für bis zu 110 000 Personen entstehen.

Die Schweizer Bevölkerung wuchs 2017 um knapp 63 000 Personen (0,7 Prozent), was dem tiefsten Wachstum der letzten zehn Jahren entspricht. Dies geht aus den jüngst veröffentlichten provisorischen Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor. Die Kantone Neuenburg und Tessin sind am stärksten vom Rückgang betroffen – dort schrumpfte die Bevölkerung sogar leicht. Das stärkste Wachstum wurde in den Kantonen Zug, Genf und Thurgau gemessen.

Angesichts sinkender Einwanderung und steigender Auswanderung betrug die Nettoeinwanderung nur noch 51 000 Personen, ein Rückgang um 30 Prozent respektive 20 000 Personen gegenüber 2016. In Neuenburg und im Tessin drehte der Wanderungssaldo gar ins Negative.

Mieten wird attraktiver

Die Daten für das erste Quartal 2018 zeigen gemäss Staatssekretariat für Migration eine Stabilisierung der Migrationsentwicklung auf dem aktuell tieferen Niveau. Dies stützt unsere Prognose einer steigenden Leerstandsquote bis Juni 2018 auf 1,7 Prozent (2017: 1,5 Prozent) und bis Juni 2019 auf 1,8 Prozent. Der Leerstand betrifft weiterhin primär den Mietwohnungsmarkt. Doch ein Überschwappen des Preisdrucks auf den Eigenheimmarkt wird sich nicht verhindern lassen, da sinkende Neubaumieten die relative Attraktivität von Mietwohnungen gegenüber Eigentumswohnungen verbessern.