Geld anlegen Der Businessplan fürs Eigenheim

Die Hypothekarzinsen sind auf tiefem Niveau. Wer richtig rechnet, legt jetzt Ersparnisse an und sichert sein Eigenheim nachhaltig.

von Jürg Zulliger 31. Jan 2017

Nehmen wir als Beispiel das junge Paar Simone und Markus Muster: Ihre Eigentumswohnung kostet sie zurzeit weniger als ihre frühere Mietwohnung. Mit dem Mix von Fest- und Liborhypotheken zahlen sie aktuell nur 1,3 Prozent Zinsen auf ihrer Hypothek von 600 000 Franken. Beim Kauf vor zwei Jahren mussten sie den üblichen Finanzierungsrichtlinien im Hypothekargeschäft standhalten. Die Hypothekarverschuldung soll auch bei einem längerfristigen kalkulatorischen Hypothekarzins von fünf Prozent tragbar bleiben. In der sogenannten Tragbarkeitsrechnung nimmt man die Hypothekarzinsen, addiert die vorgeschriebenen Amortisationskosten sowie einen Pauschalbetrag von rund einem Prozent des Liegenschaftswertes für die Unterhalts- und Nebenkosten und erhält so die Fixkosten. Diese sollten nicht mehr als ein Drittel des verfügbaren Bruttoeinkommens ausmachen.

Fallbeispiel: Einsparung von 22 200 Franken

Die aktuell sehr tiefen Hyothekarzinsen bedeuten für die meisten Haushalte eine starke finanzielle Entlastung. Die Differenz zwischen dem kalkulatorischen und dem effektiven Zinssatz beträgt in unserem Beispiel 3,7 Prozent. Für Simone und Markus Muster hat dies zur Folge, dass sie 22 200 Franken pro Jahr weniger ausgeben müssen. Die Versuchung ist gross, die Mittel anderweitig zu verwenden – sei es beispielsweise für laufende Anschaffungen oder für eine grössere Reise. Als Wohneigentümer sollten Sie jedoch erst rechnen, bevor Sie das gesparte Geld anderweitig ausgeben, und zwar aus drei Gründen: Erstens ist es wichtig, dass Sie Ihr Zuhause ohne Sorgen auch längerfristig finanzieren können. Zweitens müssen Sie Kapital für spätere Investitionen (zum Beispiel eine Renovation) zur Seite legen. Und drittens werden eines Tages die Zinsen mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder steigen.

Ersparnisse anlegen, aber wie?

Es gibt also triftige Gründe, mit dem Ersparten längerfristige Reserven zu bilden. Doch welche Spar- und Anlagemöglichkeiten kommen dafür infrage? Meist werden Immobilien über viele Jahre gehalten, somit können auch die freien Mittel mit einem längeren Anlagehorizont investiert werden. Allerdings müssen Sie die Investitionen auf einen geplanten späteren Umzug und/oder auf die Vertragsdauer von Hypotheken abstimmen. Wenig sinnvoll wäre es, das Geld einfach auf einem Konto zu parkieren, denn dieses wird im aktuellen Umfeld kaum bis gar nicht verzinst. Konsequenterweise sollten längerfristige Anlagemöglichkeiten im Fokus stehen – zum Beispiel Aktien, Anlagefonds oder Obligationen.

Berücksichtigen Sie bei der Erstellung Ihres persönlichen Business Plans diese Punkte:

  • Stellen Sie sicher, dass Sie jederzeit über genügend liquide Mittel verfügen, um laufende Kosten oder unvorhergesehene Ausgaben finanzieren zu können. Als Faustregel gilt: Im Minimum sollten die Ersparnisse das Dreifache der regelmässigen monatlichen Kosten betragen.
  • Prüfen Sie, ob Sie freie Mittel zur Verbesserung der Vorsorge benötigen. Ist der entsprechende Spielraum nicht schon ausgeschöpft, kommen Einzahlungen in die Säule 3a infrage. Falls Lücken bei Ihrem Pensionskassenguthaben bestehen – zum Beispiel nach einem Vorbezug für den Kauf von Wohneigentum – könnte es sinnvoll sein, diese zu schliessen. Denken Sie daran, dass Sie mit dem Ansparen von Vorsorgekapital meist auch Steuervorteile erzielen können.
  • Sind Liquiditäts- und Vorsorgebedarf gesichert, steht das verbleibende freie Vermögen für die Kapitalanlage zur Verfügung. Dabei sollten Sie zuerst eine Strategie ausarbeiten. Die Anlagestrategie muss auf Ihre Wünsche, Ihr Risikoprofil und auf Ihre Lebensziele als Wohneigentümer abgestimmt sein.