Smart home Mein Heim ist digital und denkt mit

Um Licht, Heizung und Storen zu regeln, muss man nicht zuhause sein. Das lässt sich per Smartphone regeln. So geht’s.

von Edith Arnold 19. Mai 2016

Willkommen zuhause: Viele smarte Ideen leben erst in den Köpfen der Tüftler.

Fahrt zum Ferienhaus in der Toskana: Stefan Arn, IT-Leiter UBS Schweiz, steuert unterwegs die Temperatur im Haus und im Schwimmbad. Eine Stunde vor Ankunft soll sich auch die Kaffeemaschine einschalten. «Smart Homes sind smart, wenn sie echte Bedürfnisse wie Energieeffizienz und Sicherheit abdecken. Die Funktionen müssen sich einfach ins tägliche Leben fügen», sagt Arn, der in seinem über 600 Jahre alten Haus solche Systeme installiert hat.

Alles andere als wie ein Smart Home sieht der Elementbau «Am Wasser» in Zürich-Höngg aus. Dabei tüftelt hier Smart Home Technology, ein Spin-off der ETH. Wonach es strebt? «Nach Effizienz im Alltag!», verrät Gründer Felix Adamczyk. «In unserem Werkatelier sollen nachts alle energieverbrauchenden Geräte ausgeschaltet sein. Ausser dem Motor bei den Storen. Diese bewegen sich sogar am Wochenende, damit keine Vögel in den Kästen nisten. Auch die Lichtszenarien in meiner Dreizimmerwohnung kann ich via Smartphone und Wandtaster starten.»

Mit seinem Team entwickelt der Ingenieur Module zur Steuerung von Licht, Heizung, Storen, Klima und Überwachung. «Bluetooth Switch», «SOS Notruf» und «SMS Switch» – alles Kooperationsprojekte mit intertechno – sind seit einem Jahr in Baumärkten erhältlich. Stolz ist Adamczyk auf «SMS Switch». «Eine SIM-Karte macht das Gerät ohne Internet von überall erreichbar. Fällt zu Hause der Strom aus, weil Einbrecher die Leitung gekappt haben oder die Sicherung ausgefallen ist, wird das vom Gerät detektiert. Es hat dann noch genügend Energie, um den Vorfall per SMS zu melden.»

Darf der smarte Spion ins Haus?

Was früher unter Gebäudeautomation lief, heisst heute Smart Home und morgen Internet der Dinge. Haustechnik, Haushaltgeräte, Unterhaltungselektronik – alles kann intelligenter vernetzt werden. Wo man mit dem Kabel nicht hinkommt, dort empfiehlt Adamczyk Funklösungen. Besonders praktisch scheinen Powerlinesysteme: Sie zapfen Elektroleitungen an. «Schickt man aber Kommunikation in normale Stromkabel, kann dies wie eine Antenne wirken. Man funkt durch das ganze Haus», weiss Adamczyk. 

Ein riesiger Markt ist am Start: Google mit «Nest»-Thermostaten, Apple mit «Homekit», Amazon mit der Lauschbox «Echo». Welche Geräte will man ins Haus lassen? Einige Deckenlampen mit WLAN sehen aus wie Spione. Es gibt Systeme, die das Handy orten und die Heizung erst einschalten, wenn sich der Besitzer dem Haus nähert. Messsysteme, sogenannte «Smart Meter», visualisieren den Energieverbrauch einzelner Geräte. Die Zahlen kann man nutzen. Vielleicht bietet es sich bald an, Elektromobile über Mittag zu tanken, weil der Strom dann wegen des Windes und der Sonne günstig ist.

Ständig unter Strom sein

Die Elektroflitzer Tesla sind jetzt mit der Firma digitalSTROM vernetzt – was die Fernsteuerung auf deren Smart-Home-Systeme betrifft. Am Hauptsitz in Schlieren führt digitalSTROM mit einer Musterwohnung in die neue Welt ein. Nur ein Touchscreen deutet auf die Hochrüstung. Die Kommunikation verläuft über die normale Stromleitung. In Lampen und Schaltern sind Klemmen angebracht. Im Bad werden Handtücher vorgewärmt, Stärke und Temperatur der Dusche sind auf den Benutzer abgestimmt. In der Küche wartet der Amazon-Lautsprecher «Echo» auf Befehle in Englisch. 

Wenn alles automatisch funktioniert, was macht der Bewohner? Mit durch Gesten gesteuerten Geräten könnte er in Bewegung bleiben, mit dem Heimtrainer «Free Electric» sogar selbst Energie erzeugen. Ständig unter Strom? Freiheit heisst, jederzeit Dirigent aller smarten Instrumente zu sein.

So machen Sie Ihr Heim smart

  1. Überlegen Sie sich, welche Bedürfnisse Sie haben. Smart wird ein Haus nur dann, wenn die Technologie dazu dient, echte Bedürfnisse wie etwa Energieeffizienz und Sicherheit zu decken. Dabei sollen Funktionen so bedienungsfreundlich wie möglich sein.
  2. Je früher Sie an smarte Funktionen denken, desto einfacher lassen sich auch komplexe Installationen einbauen.
  3. Viele smarte Einrichtungen fürs Heim können Sie einfach einrichten. Schon ein Modul mit einer App kann beispielweise tolle Lichtszenarien schaffen oder Räumlichkeiten überwachen. Um unerwünschte Gäste fernzuhalten, genügt es, Licht und Musik unterschiedlich programmieren.
  4. Nutzen Sie funkbasierte Geräte mit geringen Immissionen. Dazu Edith Steiner von den «Ärzten für Umweltschutz»: «Funkbasierte Geräte für Steuerungszwecke ohne WLAN sind oft leistungsschwach und die Immissionen gering. Die Übertragung via Stromnetz belastet dagegen mit Frequenzen im untersten Megahertzbereich.» Sie rät zu Bussystemen mit abgeschirmten Kabeln oder Glasfasern.