Negativzinsen Hat die Festhypothek ausgedient?

Derzeit sollte man sein Eigenheim mit einer günstigen Libor-Hypothek finanzieren, meinen viele. Warum sie sich irren könnten.

von Stephan Lehmann-Maldonado 21. Jul 2016

Die Finanzierung eines Eigenheims ist nur gelungen, wenn sie langfristig tragbar ist. Image: iStock

«Die Zinsen könnten bald wieder ansteigen», prognostizierten Ökonomen, nachdem die Zentralbanken die Zinsen nach der Finanzkrise rapide gesenkt hatten. Doch geschehen ist das Gegenteil. Die europäische Wirtschaft lebt heute vom «billigen Geld», sprich von tiefen Zinsen. Bereits seit einigen Jahren bewegen sich darum auch die Hypothekarzinsen im langfristigen Vergleich auf einem sehr tiefen Niveau. Und kaum jemand wagt mehr Voraussagen, wann sich die Zinssituation wieder normalisieren könnte.

Welches ist der «richtige» Zeitpunkt?

Lohnt es sich darum, voll auf eine günstige, variable Libor-Hypothek zu setzen, um von den tiefen Zinsen zu profitieren? Alfred Ledermann, Leiter Produktmanagement Hypotheken, zeigt auf, was oft vergessen geht: «Tatsächlich zeichnet sich momentan kein rascher Zinsanstieg ab. Aber im Fall eines Zinsanstiegs verteuern sich die Zinsen für Festhypotheken in der Regel vor einem Anstieg der Zinsen für Libor-Hypotheken.»

Daher könne es sehr schwierig sein, den richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel von Libor- zu Festhypotheken zu erkennen. Und die Finanzmärkte sind immer für eine Überraschung gut. Historisch gesehen, haben die Zinsen bisher noch immer auf ihr durchschnittliches Niveau zurückgefunden. Ledermann: «Es empfiehlt sich auf jeden Fall, bei der Finanzierung des Eigenheims nicht nur mit einem Schönwetterszenario zu rechnen.»

Der passende Hypotheken-Mix

Auch die Zinssätze von Festhypotheken sind nach wie vor äusserst attraktiv. Es ist also möglich, die Absicherung gegen einen Zinsanstieg preiswert zu erwerben. Sinnvoll kann es daher sein, einen Mix zwischen Libor- und Festhypotheken zu wählen. «Mit einer Libor-Hypothek profitieren Sie von den rekordtiefen Zinsen. Zugleich schützen Sie sich mit einem Anteil Festhypotheken teilweise vor einem möglichen raschen Zinsanstieg», rät Ledermann.

Welcher Hypotheken-Mix sich für einen eignet, ist aber letztlich nicht nur eine Frage des Portemonnaies, sondern der Persönlichkeit: Welche Zinsentwicklung erwartet man? Wie geht man mit Risiken um? Nur wer tatsächlich bereit ist, bei einem Zinsanstieg wesentlich tiefer in die Taschen zu greifen, sollte voll auf eine Libor-Hypothek setzen.

Diese Fragen sollten Sie sich stellen

Erfahrungsgemäss ist es hilfreich, den Finanzierungs-Mix mit einer Fachperson zu besprechen, etwa einem Kundenberater von UBS. Die wichtigsten Fragen müssen Sie jedoch für sich selbst klären.

  • Summe. In welcher Höhe benötigen Sie eine Finanzierung?
  • Lebensstil. Wie viel Geld wollen Sie – in guten wie in schlechten Zeiten – fürs Wohnen ausgeben?
  • Zeitraum. Für welche Frist wollen Sie die Tragbarkeit Ihrer Finanzierung planen?
  • Einkommen. Wie entwickelt sich Ihr Einkommen?
  • Zinserwartung. Ab wann rechnen Sie mit steigenden Zinsen?
  • Risikotyp. Welche Einstellung haben Sie zu Risiken?