Verwaltung eines Mehrfamilienhauses im Überblick

Sie besitzen ein Mehrfamilienhaus und fragen sich, ob Sie die Verwaltung selbst übernehmen oder lieber eine professionelle Hausverwaltung beauftragen sollten? Diese Entscheidung beeinflusst nicht nur Ihre Zeit und Ihre Rendite, sondern auch Ihre Lebensqualität.

Die Verwaltung eines Mehrfamilienhauses erfordert Ressourcen, Fachwissen und ein hohes Mass an Organisation. Eigentümerinnen und Eigentümer stehen deshalb vor der zentralen Frage: Soll das Mehrfamilienhaus selbst verwaltet oder eine professionelle Hausverwaltung beauftragt werden?

Diese Entscheidung wirkt sich nicht nur auf den zeitlichen Aufwand, sondern auch auf die Hausverwaltungskosten, die Rendite des Mehrfamilienhauses und die rechtliche Sicherheit aus. Dieser Artikel gibt Ihnen einen Überblick über beide Modelle und hilft Ihnen, eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Was bedeutet Selbstverwaltung beim Mehrfamilienhaus?

In der Schweiz übernehmen immer mehr Eigentümerinnen und Eigentümer die Verwaltung ihrer Mehrfamilienhäuser selbst. Dieses Engagement kann sinnvoll sein, insbesondere bei kleineren Objekten. Ein Mehrfamilienhaus selbst verwalten bedeutet jedoch, dass Sie sämtliche organisatorischen, technischen und rechtlichen Aufgaben eigenständig übernehmen.

Gerade bei einem Mehrfamilienhaus stellt sich die Frage, ob die nötigen Kenntnisse vorhanden sind. Neben rechtlichem Basiswissen erfordert die Verwaltung kaufmännische Grundkenntnisse, organisatorisches Geschick und eine hohe zeitliche Verfügbarkeit. Wer bereit ist, Kurse zu besuchen und sich in Abläufe wie Mietverträge, Buchhaltung oder Instandhaltungspläne einzuarbeiten, kann vieles selbst übernehmen. Wer jedoch stark ausgelastet ist oder mehrere Liegenschaften betreut, stösst schnell an seine Grenzen.

Typische Aufgaben im Überblick

Die Selbstverwaltung eines Mehrfamilienhauses umfasst zahlreiche Tätigkeiten, die sowohl organisatorisches Geschick als auch rechtliches und technisches Wissen erfordern. Von der Betreuung der Mietverhältnisse über die Koordination von Handwerkerinnen und Handwerkern bis hin zum Umgang mit Notfällen – Eigentümerinnen und Eigentümer übernehmen alle Aufgaben, die sonst eine professionelle Hausverwaltung abdecken würde. Die folgenden Beispiele zeigen, welche Bereiche besonders zeitintensiv und herausfordernd sein können.

Grenzen der Selbstverwaltung

Sie überlegen, ob Sie die Selbstverwaltung übernehmen sollen, können jedoch deren Umfang nicht abschätzen? Als Faustregel gilt: Ein Mehrfamilienhaus mit bis zu 15 Wohneinheiten lässt sich in der Regel selbst verwalten. Bei grösseren Objekten oder wenn diese an unterschiedlichen Standorten liegen, stossen viele Eigentümerinnen und Eigentümer schnell an ihre Grenzen. In solchen Fällen ist eine professionelle Hausverwaltung häufig die bessere Wahl – sei es aus Zeitgründen, wegen rechtlicher Anforderungen oder zur Entlastung im Alltag.

Was leistet eine professionelle Hausverwaltung?

Wer die vielfältigen Aufgaben der Selbstverwaltung eines Mehrfamilienhauses nicht selbst übernehmen möchte, kann diese an eine professionelle Hausverwaltung delegieren. Sie übernimmt sämtliche organisatorischen, kaufmännischen und technischen Tätigkeiten, die für den reibungslosen Betrieb einer Liegenschaft notwendig sind. Damit entlastet sie Eigentümerinnen und Eigentümer nicht nur zeitlich, sondern sorgt auch für rechtliche Sicherheit, optimierte Hausverwaltungskosten und professionelle Abläufe.

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Was kostet eine professionelle Hausverwaltung?

Üblich sind Honorare zwischen vier und fünf Prozent des Mietzinses für die Bewirtschaftung eines vollständig vermieteten Mehrfamilienhauses. Diese Hausverwaltungskosten umfassen auch die Organisation eines Hauswarts, jedoch nicht die zusätzlichen Kosten für dessen Leistungen oder die damit verbundenen Sozialabgaben.

Das exakte Honorar hängt von verschiedenen Faktoren ab: Anzahl und Standort der Objekte, Leistungsumfang und Mietniveau. In Regionen mit tiefem Mietzinsniveau kann das Honorar bis zu sieben Prozent der Mieteinnahmen ausmachen.

Ein Beispiel: Werden in einem Mehrfamilienhaus zwölf Wohnungen zu 1500 Franken vermietet, ergibt das 18 000 Franken Mieteinnahmen pro Monat. Bei fünf Prozent Honorar müssen Eigentümerinnen und Eigentümer monatlich rund 900 Franken für die Verwaltung einkalkulieren – was die Rendite des Mehrfamilienhauses spürbar schmälern kann.

Kostenfaktoren einer professionellen Hausverwaltung

Ob das Honorar eines Verwaltungsmandats vier, fünf, sieben Prozent oder gar mehr respektive weniger ausmacht, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.

  • Objektgrösse und Standort: Je mehr Einheiten in einem Haus, desto günstiger wird die Verwaltung pro Wohnung. Mehrere kleine Objekte an unterschiedlichen Standorten sind hingegen teurer.
  • Leistungsumfang: Ist das Mehrfamilienhaus voll vermietet oder handelt es sich um eine Erstvermietung? Wer trägt das Leerstandsrisiko? Wer rekrutiert und bezahlt die Hauswartin oder den Hauswart? Gibt es Renditevorgaben? Wie autonom ist die Verwaltung in ihren Entscheidungen?
  • Honorarmodell: Pauschal, prozentual oder nach Aufwand – jedes Modell hat Vor- und Nachteile.
  • Erfolgsabhängige Faktoren: Leerstandsrisiko, Wiedervermietung und Anpassung an Marktmieten können die Kosten beeinflussen.

Den Kostenrahmen setzen Sie durch die Vertragsgestaltung. Sie benennt den Umfang der Dienstleistungen, die Sie benötigen.

Vereinbarung des Verwaltungshonorars

Wann lohnt sich eine professionelle Hausverwaltung? Um sicherzustellen, dass die Hausverwaltung Sie zuverlässig entlastet und die Kosten im Rahmen bleiben, achten Sie insbesondere auf folgende Punkte:

  • Berechnungsgrundlage: Erfolgt die Honorarberechnung auf Basis der Netto- oder der Bruttomiete?
  • Honorarmodell: Ein Pauschalhonorar bietet Planungssicherheit, während ein prozentuales Honorar sich der Miete anpasst, aber bei steigenden Mieten teurer werden kann.
  • Zusatzkosten: Prüfen Sie, ob alle Leistungen (z. B. Bonitätsprüfung, Notdienste) im Honorar enthalten sind oder separat verrechnet werden.
  • Erfolgsabhängige Faktoren: Wie schnell wird eine leer stehende Wohnung wieder vermietet? Welche Leistungen sind im Honorar enthalten, und entstehen Zusatzkosten?
  • Leistungsumfang: Achten Sie darauf, dass sämtliche vereinbarten Aufgaben im Honorar enthalten sind. «Sparangebote» können am Ende teuer werden.
  • Erstvermietung und Selektion: Bei Neubauten oder nach einer Totalsanierung steigt der Aufwand stark an. Prüfen Sie, wie die Verwaltung Bonitäts- und Referenzauskünfte handhabt und ob sie Mieterinnen und Mieter sorgfältig auswählt, um eine hohe Fluktuation zu vermeiden.
  • Leerstandsrisiko: Welche Massnahmen ergreift die Verwaltung zur schnellen Wiedervermietung (z. B. Vermarktung, Besichtigung, Marktmietanpassungen)? Welche Kennzahlen werden offengelegt (z. B. Tage bis Vermietung, Fluktuationsquote)? Ein Monat Leerstand bedeutet rund acht Prozent der Jahresmiete.
  • Haftung und Verantwortung: Definieren Sie klar, in welchen Fällen die Verwaltung haftet und welche Risiken bei Ihnen bleiben.
  • Hauswartung: Beauftragen Sie eine fachkundige und verlässliche Person mit der laufenden Betreuung der Liegenschaft. Eine gute Hauswartin oder ein guter Hauswart sorgt nicht nur für Sauberkeit und Funktionsfähigkeit, sondern übernimmt auch kleinere Instandhaltungsarbeiten und pflegt den Kontakt zu Mieterinnen und Mietern. So lassen sich Probleme frühzeitig erkennen und Kosten langfristig senken.

Vor- und Nachteile beider Modelle im Vergleich

Ob sich die Selbstverwaltung eines Mehrfamilienhauses oder die Beauftragung einer professionellen Hausverwaltung lohnt, hängt stark von Ihren individuellen Prioritäten, Ressourcen und Zielen ab. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede beider Modelle im direkten Vergleich.

Kriterium

Kriterium

Selbstverwaltung

Selbstverwaltung

Professionelle Hausverwaltung

Professionelle Hausverwaltung

Kriterium

Kosten/Rendite

Selbstverwaltung

Keine Verwaltungskosten, volle Mieteinnahmen

Professionelle Hausverwaltung

4 bis 7 Prozent der Mieteinnahmen als Honorar, schmälert die Rendite des Mehrfamilienhauses

Kriterium

Zeitaufwand

Selbstverwaltung

Hoch: Organisation, Mietersuche, Notfälle

Professionelle Hausverwaltung

Niedrig: Verwaltung übernimmt laufende Aufgaben

Kriterium

Fachwissen

Selbstverwaltung

Rechtliche, technische und kaufmännische Kenntnisse erforderlich

Professionelle Hausverwaltung

Juristische, technische, kaufmännische und administrative Expertise vorhanden

Kriterium

Kontrolle

Selbstverwaltung

Volle Kontrolle über Entscheidungen

Professionelle Hausverwaltung

Teilweise Abgabe von Kontrolle, Abhängigkeit von Kompetenz der Verwaltung

Kriterium

Kontakt zu Mieterinnen und Mietern

Selbstverwaltung

Direkter, persönlicher Kontakt

Professionelle Hausverwaltung

Distanzierter, weniger unmittelbarer Austausch

Kriterium

Risikomanagement

Selbstverwaltung

Eigentümerinnen und Eigentümer tragen Risiken selbst

Professionelle Hausverwaltung

Verwaltung übernimmt Management (Leerstand, Notfälle, Sanierung)

Fazit

Ob Sie Ihr Mehrfamilienhaus selbst verwalten oder eine professionelle Hausverwaltung beauftragen, hängt von Ihren persönlichen Prioritäten ab. Selbstverwaltung lohnt sich vor allem bei kleineren Objekten und wenn ausreichend Zeit, Fachwissen und organisatorische Fähigkeiten vorhanden sind. Eine professionelle Hausverwaltung entlastet dagegen im Alltag, sorgt für rechtliche und technische Sicherheit und übernimmt das Risikomanagement – die Rendite des Mehrfamilienhauses verringert sich jedoch in der Höhe der Verwaltungshonorare. Letztlich geht es um die Frage, wie viel Verantwortung Sie selbst tragen möchten und welchen Stellenwert für Sie Faktoren wie Lebensqualität, Zeitersparnis und Planungssicherheit haben.

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