Kreditkarten Keine Chance für Kreditkartenbetrüger

Menschliche und künstliche Intelligenz sorgen im UBS Card Center dafür, dass Kreditkartenbetrug erfolgreich eingedämmt wird.

von UBS Wissen 09. Sep 2019

Quelle: istockphoto.com

Anna Bettoni, Teamleiterin der 24-Stunden-Betrugsprävention im UBS Card Center, steht an ihrem Computerterminal mit den beiden grossen Bildschirmen und überwacht mit Argusaugen die Kreditkartentransaktionen aller UBS-Kunden. Die Daten laufen in Windeseile über den Bildschirm. Lange dauert es nicht, bis die Software eine erste Warnung ausspuckt. Anna nimmt den möglichen Betrugsfall sofort unter die Lupe.

Das System hat sich, wie im Grossteil der Fälle, nicht geirrt: Sechs Stunden nach einem Einkauf in einer St. Galler Boutique soll sich der Kunde bereits in Manhattan an einem Geldautomaten befinden und einen Bargeldbezug veranlassen. «Das System hat erkannt, wie unrealistisch diese Situation ist, und hat die Auszahlung von 200 Dollar verhindert», so Anna Bettoni. Umgehend wird der Kunde telefonisch über den Fall informiert und seine UBS Kreditkarte wird sofort ersetzt.

Künstliche Intelligenz (KI)

Die Software, mit der das UBS Card Center seit über 20 Jahren erfolgreich Kreditkartenbetrug verhindert, ist die FICO Falcon Plattform. Täglich werden im 24-Stunden-Betrieb über 500 000 Transaktionen von Mensch und Maschine geprüft. Das sind 25% aller Kreditkartenbewegungen in der Schweiz. Das System vergleicht alle Transaktionen auf Basis von Musterprofilen, diverser Regeln und bekannter Vorgehensweisen von Betrügern.

Im System sind unzählige Regeln und Verhaltensmuster hinterlegt. So werden unter anderem die Anzahl, die Art sowie die Beträge aller Transaktionen überprüft. Auch den Karteneinsatz nach Branchen und Örtlichkeiten hat die künstliche Intelligenz im Blickfeld und löst bei Ungereimtheiten Warnungen im System aus.

Noch ist nicht jeder Verdachtsfall auch ein Treffer

«Das System kann sich auch irren, denn Menschen können in gewissen Situationen unvorhersehbare Verhaltensweisen an den Tag legen», erklärt Anna Bettoni. Sie verweist auf einen Fall aus dem letzten Sommer: Vor der Abreise in die Sommerferien hatte eine Kundin keine Zeit mehr, sich mit den nötigen Utensilien einzudecken. Deshalb fuhr sie am Tag der Abreise an den Hauptbahnhof Zürich und deckte sich in verschiedenen Läden mit den nötigsten Dingen ein. Das System erkannte ein gängiges Muster nach Kreditkartendiebstählen: viele kleinere Transaktionen, innerhalb kürzester Zeit, mittels NFC ohne PIN-Eingabe unter 40 Franken. «Wir meldeten uns umgehend telefonisch bei der Kundin. Sie musste lachen, bedankte sich bei uns und erklärte ihre Situation», schmunzelt Anna.

Menschliche Intelligenz

Das Fraud-Team im UBS Card Center arbeitet täglich daran, dass das Frühwarnsystem noch akkurater wird. Denn die FICO Falcon Plattform ist ein lernendes System – Stichwort Machine Learning. Auf Basis der Inputs durch die Mitarbeitenden erstellt es ständig neue Regeln und lernt, Verhaltensmuster richtig zu deuten. In der Verarbeitung der potenziellen Betrugsfälle liegt laut Marcel Drescher, Leiter Fraud Services im UBS Card Center, auch die grosse Stärke seiner Abteilung: «Unsere Kernkompetenz ist die Interpretation und Analyse der einzelnen Fälle. Das System lernt nur so effektiv, weil wir es mit den richtigen Inputs füttern. Aus diesem Grund konnten wir von 2015 bis 2018 84% mehr betrügerische Fälle stoppen», gibt Drescher stolz zu Protokoll.

Sind Kreditkartenbetrüger bald arbeitslos?

In den Jahren 2000 bis 2016 nahm die Anzahl an Betrugsversuchen laufend zu. Vor allem der Handel gestohlener Kreditkartendaten im Dark Web trug dazu bei. Die Tendenz ist jedoch seit 2017 stabil. Das hat vielerlei Gründe. Verschiedene Sicherheitsmechanismen und technologische Entwicklungen erhöhen die Sicherheit für Kreditkartennutzer.

Das 4-Parteien-System

Diese Mechanismen und Kontrollen laufen im Hintergrund eines jeden sicheren Bezahlvorgangs ab.

«Nebst der ständigen Optimierung unseres Frühwarnsystems hat auch die Einführung des neuen 3-D Secure direkten Einfluss. Wir stellen fest, dass direkt ab Markteinführung die Betrugsfälle im Internet bei unseren Kunden zurückgegangen sind» so Marcel Drescher, Leiter Fraud Services im UBS Card Center.

Trickdiebstähle nehmen wieder zu

Zurzeit finden trotzdem etwa 90% aller Betrugsversuche im Internet statt. Da diese jedoch immer erfolgreicher vereitelt werden, tritt eine eher altmodische Form des Betrugs wieder in Erscheinung: der Trickdiebstahl. Die gestohlenen Kreditkarten werden direkt nach Entwendung zum Einkaufen oder zum Bezug am Bancomaten missbraucht. «Unser Frühwarnsystem erkennt dieses Muster und verhindert diese.» Kreditkartennutzer können ausserdem einen möglichen Betrug doppelt vereiteln: Erstens können sie im UBS E-Banking oder in der UBS Mobile Banking App Transaktionsbenachrichtigungen aktivieren, um dann zweitens innerhalb weniger Sekunden ihre Karte in der UBS Mobile Banking App im Missbrauchsfall selbst zu sperren. Eine Ersatzkarte wird umgehend zugestellt.

Zurzeit erkennt das Frühwarnsystem 85% aller Betrugsversuche automatisch. Die restlichen 15% werden durch Kunden gemeldet. In Zukunft sollen auch die Inputs der Kunden aktiv ins System einfliessen, damit Kreditkartenbetrug noch proaktiver verhindert wird.

Ausgezeichnete Sicherheit

Im April 2019 wurde das UBS Card Center anlässlich der «Retail Banker International Awards 2019» mit dem «Security Innovation of the Year» Award ausgezeichnet. Die internationale Jury würdigte die hervorragende Arbeit des Teams, das für Betrugsfälle zuständig ist. Dieses nutzt Funktionen für KI und maschinelles Lernen der FICO Falcon Plattform. Mit dieser Vorgehensweise wurden im Jahr 2018 84% mehr betrügerische Kreditkartentransaktionen gestoppt als im Vergleichsjahr 2015.