«Ich könnte nicht einfach nichts tun» Marronimann mit aufgeschobener Pension

Freddy Illi könnte von seiner Pension gut leben. Dennoch arbeitet er nach der Pensionierung weiter – weil es ihm Freude bereitet.

von UBS Wissen 30. Nov 2018

Bild: Claudio Bader

Lebensmittel sind für Freddy Illi mehr als nur Mittel zum Leben. Schon als Bub stand er gern bei seiner Mutter in der Küche und half mit. Er absolvierte eine Lehre als Koch – und auch in seinen 34 Jahren als Aussendienstmitarbeiter für einen grossen Lebensmittelkonzern liess ihn seine Leidenschaft nicht los. «Einmal Lebensmittel, immer Lebensmittel. Versicherungen hätte ich nicht verkaufen können», sagt der 68-Jährige.

Da ist es nur logisch, dass Freddy Illi auch nach seiner Pensionierung mit Esswaren zu tun hat. Von einem Schützenvereinskollegen übernahm er einen Marronistand. Den betreibt er nun schon seit sechs Jahren jeweils von Oktober bis Februar. Seriös, aber nach dem Lustprinzip. «Am Morgen brauche ich Zeit für den Garten oder das Fitnesscenter. Und falls es mir einmal nicht so gut gehen sollte, ist der Stand halt nicht besetzt.»

Kontakt mit dem Leben

Wenn Freddy Illi an seinem Marronistand steht, geniesst er den Austausch mit anderen Menschen. Für ihn war klar, dass er nach den vielen Jahren im Aussendienst nicht einfach nichts tun konnte: «Der Kontakt mit dem Leben da draussen würde mir fehlen.» Freilich, der Hobbyschütze ist in einer komfortablen Position. Finanziell würde er auch ohne Marronistand klarkommen. Die Pensionskasse seines Ex-Arbeitsgebers sorgt dafür. Auch weil seine Frau bis zur Pensionierung fast immer voll gearbeitet hat, kommt das Paar gut über die Runden. Zudem hat er seine Altersrente von der AHV nicht mit 65 bezogen, sondern aufgeschoben – so lange, bis er mit dem Marronistand aufhört. Auf diese Weise muss er das zusätzliche Einkommen nur mit der BVG-Rente, nicht aber mit der AHV-Rente versteuern. Und sobald er seine Rente bezieht (laut Gesetz spätestens mit 70), profitiert er von einem höheren Betrag als Folge des Aufschubs.

Für viele meiner Altersgenossen wäre ein Nebenjob eine feine Sache. Nicht nur, aber auch wegen dem zusätzlichen Einkommen.

Den Marronistand betreibt er aber nicht nur des Geldes wegen. Was dieser abwirft, fliesst in «schöne Ferien». Mehr als jetzt möchte er auch gar nicht verdienen, sagt er. Sonst würde aus dem Spass schnell Ernst. Zumal ihn der Verdienst «steuertechnisch plagen» könnte.

Hat sein Unruhestand Nachteile? Das Skifahren müsse im Winter hintenanstehen, meint er. Doch abgesehen davon würde Freddy Illi sein Konzept weiterempfehlen. «Es gibt Rentner, die eine völlige Freiheit geniessen wollen. Das ist ihr gutes Recht. Aber für viele meiner Altersgenossen wäre ein Nebenjob eine feine Sache. Nicht nur, aber auch wegen dem zusätzlichen Einkommen.»

Rente aufschieben?

Der Mindestaufschub des AHV-Rentenbezugs beträgt ein Jahr und wird mit einem Zuschlag von 5,2 Prozent belohnt. Wer die maximal erlaubten fünf Jahre auf seine AHV-Rente verzichtet, erhält eine um 31,5 Prozent höhere Altersrente. Dieses Vorgehen empfiehlt sich aber nur, wenn Sie damit rechnen, älter als 85 Jahre zu werden.

Fragen? Fast jede Situation ist anders und verlangt eine individuelle Betrachtung.