Trinkgeld Gutes Geld für guten Service

In der Schweiz gehört Trinkgeld zum guten Ton – auch wenn es eigentlich gar nicht existiert.

von Lukas Hadorn 05. Dez 2016

Bild: Thinkstock

Wer schon einmal in den USA zu Besuch war, wird dem Thema Trinkgeld bestenfalls ein müdes Lächeln abgewinnen können. Beim «tipping» gibt es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kaum Spielraum. Für die meisten Berufsklassen, von Taxifahrern und Coiffeusen bis hin zu Schädlingsbekämpferinnen und Satellitenschüsselinstallateuren, gibt es einigermassen klare Richtlinien, was die «freiwillige» finanzielle Honorierung der Dienstleistung betrifft.

In der Gastronomie sind die Regeln gar so klar, dass mit einer direkten Konfrontation rechnen muss, wer ohne guten Grund auf ein Trinkgeld in Höhe von 15 bis 20 Prozent der Rechnungssumme verzichtet.

Dass das Trinkgeld in den Vereinigten Staaten einen derart hohen Stellenwert geniesst, hat einen einfachen Grund: In vielen US-Bundesstaaten ist es erlaubt, die ohnehin schon extrem tiefen Mindestlöhne noch tiefer anzusetzen, wenn es sich um Mitarbeitende handelt, die im Rahmen ihrer Tätigkeit Trinkgelder enthalten. In vielen Staaten, von Alabama bis Wyoming, liegt das gesetzliche Minimum bei 2,13 Dollar in der Stunde.

Nur die «tips» garantieren, dass die Arbeitnehmenden das landesweit geltende Minimum von 7,25 Dollar pro Stunde erreichen. Somit ist verständlich, dass knauserige Gäste auf offene Ablehnung stossen.

Seit 1974 abgeschafft

In der Schweiz fehlen gesetzliche Bestimmungen zum Trinkgeld. Auch das hat einen einfachen Grund: Es existiert offiziell gar nicht. Am 1. Juli 1974 wurde es abgeschafft, seither gilt der Grundsatz «Service inbegriffen».

Dieser Regelung war ein Streit zwischen dem Gastgewerbe und den Steuerbehörden vorausgegangen. Letztere hatten bei der Berechnung des Einkommens von in der Gastronomie beschäftigten Personen die damals üblichen 15 Prozent Trinkgeld einfach draufgeschlagen, was beim Servicepersonal für Unmut sorgte, da längst nicht jeder Gast das übliche Trinkgeld auch tatsächlich berappte. Schliesslich einigte man sich auf dessen Abschaffung – und erhöhte stattdessen Preise und Löhne.

Die damalige Kritik am Trinkgeld hält sich bis heute. Denn obwohl es als Ausdruck der Wertschätzung für eine gute Dienstleistung gedacht ist, hängt die tatsächliche Auszahlung des Trinkgelds von ganz vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von der Zahlungsfähigkeit des Kunden. Hinzu kommt, dass von Trinkgeldzahlungen nicht selten die Mitarbeitenden an der Front, also beispielsweise im Service, stärker profitieren als die Leute im Hintergrund, etwa in der Küche. Meist gelten in Gastbetrieben deshalb klare Regeln, wie Trinkgeld gehandhabt wird; ob es der Empfänger oder die Empfängerin behalten darf oder ob es gesammelt und nach einem Verteilschlüssel an das gesamte Personal ausbezahlt wird.

Overtips statt Trinkgeld

Tatsache ist, dass Trinkgeld auch in der Schweiz bis heute existiert. Obwohl man – in Anbetracht der gesetzlichen Bestimmungen – von «Overtips» sprechen müsste, so der korrekte Begriff für freiwillige Zuwendungen als wertschätzender Ausdruck einer persönlichen Dienstleistung.

«Das Trinkgeld ist prinzipiell seit vielen Jahren im Preis inbegriffen. Natürlich kann der Gast bei guter Leistung und zuvorkommender Bedienung freiwillig einen Overtip geben», schreibt etwa der Branchenverband Gastrosuisse. «Dabei handelt es sich um einen freien Entscheid des Gastes, auf den kein Anrecht besteht.»

Gängige Praxis ist etwa das freiwillige Aufrunden bei kleineren Beträgen. «Ein Aufrunden auf den nächsten Franken oder runden Betrag bei guter Bedienung wird jeden Servicemitarbeitenden freuen», bemerkt zum Beispiel Schweiz Tourismus. Bei Restaurantbesuchen ist ein Trinkgeld in Höhe von rund 10 Prozent der Rechnungssumme üblich (ab 100 Franken ist es etwas weniger), wobei sich unter Schweizerinnen und Schweizern trefflich über Sinn und Unsinn dieser Höflichkeitsgeste streiten lässt. Das häufigste Argument gegen Trinkgeld: Guter Service sollte in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit sein, das muss man nicht zusätzlich honorieren. Versteckt schwingt meist noch eine andere Botschaft mit: Die ohnehin gesalzenen Preise braucht man nicht freiwillig noch zu pfeffern.

Es gibt denn auch Länder, in denen die Servicekultur so ausgeprägt ist, dass Trinkgelder als Geringschätzung oder gar als Beleidigung interpretiert werden können. So sollte man in Japan oder in Ländern der Südsee auf «tips» verzichten. Auch in China stösst man nicht selten auf Zurückhaltung, wenn man beim Abschied mit Geldscheinen wedelt. Deshalb lohnt es sich, in fremden Ländern die lokalen Gepflogenheiten in Erfahrung zu bringen. Denn auch beim Trinkgeld gilt: Andere Länder, andere Sitten.

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