
Die Entwicklung des digitalen Bankings in der Schweiz begann bereits in den frühen 1980er-Jahren mit Videotex (VTX) über VTX-Geräte, welche ausschliesslich über das Netz der PTT (Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe) funktionierten. Die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG), der Schweizerische Bankverein (SBV) und die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) schufen mit ihren elektronischen Dienstleistungen die Grundlagen des heutigen Online-Bankings in der Schweiz. Die SBG führte Mitte der 1980er-Jahre Telebanking über Videotex ein und ermöglichte Kundinnen und Kunden, Kontoinformationen abzurufen, Zahlungen zu erfassen und Börsengeschäfte vorzubereiten. Mit Angeboten wie UBITEL, UBITEX und UBIVIC baute sie elektronische Bankdienstleistungen für Privat- und Firmenkunden weiter aus. Der SBV entwickelte parallel dazu den VideoService 7777, der Konto- und Depotabfragen, Zahlungsaufträge sowie Wertschriften- und Börsengeschäfte über Videotex ermöglichte. Ergänzend nutzte der SBV Teletext zur Verbreitung aktueller Devisen-, Edelmetall- und Börseninformationen und machte damit Finanzdaten rund um die Uhr über das Fernsehgerät verfügbar. Auch die SKA investierte früh in elektronische Kanäle: Ab 1985 bot sie Telebanking über Videotex an, 1986 folgte mit SKA direct TEL ein telefonischer 24-Stunden-Dienst. Technisch basierte Videotex-Banking auf Fernseher oder einem VTX-Terminal mit Telefonanschluss und Tastatur, später konnten auch die aufkommenden Personal Computer mit VTX-Software dazu verwendet werden. Über das Telefonnetz wurde eine Verbindung zum Videotex-System der PTT aufgebaut; Bankkunden meldeten sich mit Bankkennung, Vertragsnummer und Passwort an. Für Transaktionen kamen zusätzliche Sicherheitsmittel wie Streichlisten mit Einmalcodes oder später Chipkarten zum Einsatz. Möglich waren Konto- und Depotabfragen, Kursinformationen, Zahlungsaufträge sowie Wertschriftentransaktionen. Im Jahr 1997, als sich das Internet nach und nach durchsetzte und das PTT-Netz ablöste, lancierte die Credit Suisse (vormals SKA) als erste Schweizer Bank das Internet-Banking für Zahlungsverkehr und Börsengeschäfte – damit leitete sie den Übergang vom Telebanking zum Internet-Banking ein. Auch SBG und SBV arbeiteten zu diesem Zeitpunkt an Internet-Banking-Lösungen. Nach der Fusion von SBG und SBV zu UBS wurden die bisherigen Entwicklungen zusammengeführt und mit UBS E-Banking, UBS Connect, Online-Handelssystemen und mobilen Anwendungen weiterentwickelt. Insgesamt zeigte sich, dass alle drei Institute mit unterschiedlichen Schwerpunkten – Telebanking, VideoService, Teletext, Phone Banking und Internet-Banking – entscheidend zur Digitalisierung des Schweizer Bankwesens beitrugen.
Textquellen:
Electronic Banking: Utopie oder Wirklichkeit? In: «Der Monat» des Schweizerischen Bankvereins, September 1982
Erfolgreiche Partnerschaft. Bankverein und TELETEXT arbeiten zusammen, in: «Der Monat» des Schweizerischen Bankvereins, Mai 1987
VideoService 7777. Telebanking mit dem Bankverein, in: «Der Monat» des Schweizerischen Bankvereins, Mai 1988
René Staubli, Credit Suisse lanciert Internet-Banking, in: Sonntagszeitung, 6. April 1997
UBS, 40 Years E-Banking, 2024 (unveröffentlichte interne Dokumentation)
Joseph Jung, Von der Schweizerischen Kreditanstalt zur Credit Suisse Group, Eine Bankengeschichte, Zürich, 2000
Bildquelle:
UBS Langzeitarchiv, Schweizerischer Bankverein, VideoService, in: Die drei Schlüssel, Juni 1990
Bildquellen der Ausstellung:
UBS Langzeitarchiv, Schweizerischer Bankverein, VideoService, in: Die drei Schlüssel, Juni 1990
UBS Langzeitarchiv
Quellen der im Ausstellungsvideo verwendeten Bilder:
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv
UBS Langzeitarchiv