
1967 veränderte sich das Bild der Bankenwelt grundlegend: An der Zürcher Bahnhofstrasse 45 durchbrach ein Automat die Fassade der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) und machte Geld erstmals unabhängig von Schalterzeiten verfügbar, konstruiert von der Firma De La Rue in London. Die SBG lancierte damit als erste Bank der Schweiz – und eine der frühesten weltweit – einen Geldautomaten und setzte ein sichtbares Zeichen für eine neue Ära des Bankings.
Das Gerät sollte bestehende Paradigmen radikal verändern, weshalb es in den Medien als technologische Sensation und als «Wunderautomat» beschrieben wurde. Die Zeitung «Finanz und Wirtschaft» merkte an: «Da der Prototyp rund 70 000 Franken kostet, dürfte er sich selbst für grössere Privathaushalte noch kaum eignen …»
Noch funktionierte diese erste Generation nicht so wie mit einer heutigen Bankkarte: Kundinnen und Kunden mussten zuvor am Bankschalter Bargeldkarten, eine spezielle Lochkarte, im Wert von 200 Franken beziehen. Am Automaten konnte anschliessend nur genau dieser Betrag, also 200 Franken, in Form eines Bündels von 20-Franken-Noten abgehoben werden.
Bereits im Frühjahr 1968 folgte der Zusammenschluss mehrerer Schweizer Banken, darunter der Schweizerische Bankverein (SBV), die Schweizerische Kreditanstalt (SKA), die Schweizerische Volksbank (SVB) und die Bank Leu, zu einem Automatennetz namens «BANCOMAT», einem Gemeinschaftswerk von Schweizer Banken.
Bis 1970 hatte sich das Netz bereits auf zahlreiche Städte und Tourismusorte ausgedehnt – von Basel, Bern und Zürich bis nach Davos, St. Moritz und Zermatt, mit der Einschränkung, dass nur an Automaten der eigenen Bank Geld bezogen werden konnte. Ein zentrales, vernetztes Interbanken-System entstand 1978, entwickelt durch die Telekurs AG (heute Teil von SIX), dadurch waren Kunden nicht mehr an den Bancomaten der Hausbank gebunden und das Netz wurde entsprechend ausgebreitet.
Die Bankkarte hiess bis 1978 «Swiss Cheque». Ab 1976 wurde sie durch das Eurocheque-System (EC-Karte) abgelöst, das als Vorläufer der heutigen Debitkarten gilt. In den 1980er-Jahren trug die immer beliebter werdende Debitkarte im Rahmen von EC-Direct mit Direktabbuchungen vom Konto wesentlich zum Durchbruch des bargeldlosen Bezahlens im Detailhandel als auch an Tankstellen bei. In derselben Zeit wurden regionale und kantonale Bankgruppen einbezogen, wodurch das Netz der Bancomaten bis 1986 von 260 auf 600 Geräte anwuchs. Mit rund 7000 Geräten erreichte die Schweiz 2016 die höchste Bancomat-Dichte. Seither ist die Zahl aufgrund des zunehmenden bargeldlosen Zahlungsverkehrs und der Schliessung von Bankfilialen wieder leicht rückläufig.
Mit dem Bancomaten hielt das Prinzip der Selbstbedienung Einzug ins Schweizer Bankwesen. Die rund um die Uhr verfügbaren Automaten machten Bargeld unabhängiger von Schalteröffnungszeiten und erleichterten den Alltag der Kundschaft. Zugleich erhöhte die jederzeitige Verfügbarkeit von Bargeld die Flexibilität der Wirtschaft, etwa im Detailhandel, auf Reisen und in der Freizeit.