
Die Lochkartentechnik hatte zwar die Massendatenverarbeitung ermöglicht und lange vorangetrieben. Doch mit dem stetig wachsenden Geschäftsvolumen stiess diese Technik bald an ihre Leistungsgrenzen. Deshalb stellten die Rechenzentren der Banken zu Beginn der 1960er-Jahre auf leistungsfähigere, erstmals computergestützte Systeme um. Diese berechneten und druckten unter anderem Kontokorrente, Wertschriften, Adressen, Saldi und Quartalsumsätze in einem Durchlauf. Dabei nahmen die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) und die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) Pionierrollen ein. Als erste Schweizer Banken starteten sie bereits 1956 mit dem UNIVAC 120 des Herstellers Remington Rand bzw. dem Bull Gamma 3B ins Computerzeitalter.
Damit begann für sie der Schritt von der mechanischen zur elektronischen Datenverarbeitung. Anders als die rein mechanischen Tabelliermaschinen rechneten der UNIVAC 120 und der Bull Gamma 3B elektronisch mit Röhrentechnik, was sie deutlich schneller machte.
Die SBG und die SKA programmierten den Rechner weiterhin über ein fest verdrahtetes Steckfeld. Freies Programmieren war noch nicht möglich. Die Mitarbeitenden konnten jedoch Stecktafeln austauschen und so Programme oder Arbeitsabläufe anpassen. Lochkarten lösten zusätzliche Befehle aus, etwa die Bildung einer Zwischensumme oder den Ausdruck der Gesamtsumme.
1959 ersetzte die SBG das erste System durch den UNIVAC UCT-I. Dieser speicherte Daten neu auf Stahlbändern statt auf Lochkarten und hatte eine Magnettrommel als Arbeitsspeicher. Mit dem UNIVAC UCT-II ergänzten ab 1961 Magnetbandmaschinen als Langzeitspeicher und Kernspeicher in Kombination mit Magnettrommeln die Anlagen. Programme liessen sich nun als Code in den Speicher laden. Für die Eingabe von Daten und Programmen nutzte die SBG weiterhin Lochkarten oder Bandeinheiten. Im Jahr 1959 führte die SKA ihren ersten Computer aus französischer Produktion ein, den Magnettrommelrechner Gamma-ET. 1962 zog eine weitere Grossbank nach: Der Schweizerische Bankverein (SBV) ergänzte die Datenverarbeitung ebenfalls mit einem Computer und startete mit IBM 1401. Die SKA ersetzte im selben Jahr den Gamma-ET mit der moderneren Generation Bull Gamma 30 nun mit Transistoren- anstatt Röhrentechnik.
Textquellen:
Joseph Jung, Von der Schweizerischen Kreditanstalt zur Credit Suisse Group, Eine Bankengeschichte, Zürich, 2000
Hans Neukom, Early Use of Computers in Swiss Banks, in: IEEE Annals of the History of Computing 26/3, 2004
Schweizerische Bankgesellschaft, Beschreibung des UNIVAC-UCT-Systems, in: Elektronische Datenverarbeitung in der Bank, 1959
Schweizerische Kreditanstalt, SKA Organisationsbureau, Elektronische Daten-Verarbeitung im Dienste unserer Kunden, Zürich, 1959
Schweizerische Kreditanstalt, Technische und organisatorische Fortschritte im Dienste unserer Kunden, Zürich, 1963
UBS, Virtuelles Museum der UBS, Der erste Computer der Bank, 2022
UBS Museum (Ausstellungsbereich), Schweizerischer Bankverein – Geschichte einer Partnerschaft – IBM Zukunft inkl., Basel
UBS Museum (Ausstellungsbereich), UCT I und II (UNIVAC Calculating Tabulator), Basel
Bildquelle:
UBS Langzeitarchiv, Fotograf Jean-Pierre Vautier, Genf
Bildquellen der Ausstellung:
UBS Langzeitarchiv, Fotograf Jean-Pierre Vautier, Genf
UBS Langzeitarchiv
Quellen der im Ausstellungsvideo verwendeten Bilder:
Joseph Jung, Von der Schweizerischen Kreditanstalt zur Credit Suisse Group; Eine Bankengeschichte, Zürich, 2000
UBS Langzeitarchiv
UBS Langzeitarchiv, Foto H. Wolf-Bender's Erben, Zürich
UBS Langzeitarchiv, Fotograf Christian Baur, Basel
UBS Langzeitarchiv, Fotograf W. Imber, Laufen