Vorsorge So planen Sie als Frau Ihre Pensionierung

Die wichtigsten Fragen rund um das Thema Pensionierung geklärt. Damit Sie das Optimum aus Ihrer Altersvorsorge herausholen.

10. Juni 2021
Frauen stehen vor speziellen Herausforderungen, was ihre Vorsorge für die Pensionierung betrifft.

In der Schweiz werden Frauen im Durchschnitt vier Jahre älter als Männer. Gleichzeitig ist das ordentliche Pensionierungsalter – zumindest aktuell noch – ein Jahr früher. Dies bedeutet: Frauen stehen vor einer speziellen Herausforderung, was ihre Altersvorsorge betrifft. Auch weil der durchschnittliche Lohn tiefer ist und Frauen öfter Teilzeit arbeiten. Die Folge: Viele Frauen haben in puncto Altersvorsorge eine andere Ausgangslage als Männer und tun gut daran, diese zu prüfen.

Um auch im Alter den gewünschten Lebensstandard halten zu können, müssen sich Frauen frühzeitig mit der Planung ihrer Pensionierung auseinandersetzen. Alle drei Säulen der Altersvorsorge – AHV, Pensionskasse und die private Altersvorsorge – müssen dazu einbezogen werden.

Mit diesem Artikel unterstützen wir Sie dabei und beantworten die wichtigsten Fragen zu AHV und AHV-Rente, zur Pensionskasse und zu deren Rente, zu Ihrem Rentenalter, einer vorgezogenen Pensionierung oder dem Aufschub Ihrer Pensionierung und vielem mehr.

Das Rentenalter: Wann werden Frauen in der Schweiz pensioniert?

Das Rentenalter der Frauen in der Schweiz ist weniger hoch als dasjenige der Männer. So gehen Frauen in der Regel mit 64 Jahren in Rente, Männer gehen mit 65 Jahren in Rente. Dies könnte sich jedoch bald ändern. Denn die längere Bezugsdauer der Rente durch das frühere Rentenalter und die höhere Lebenserwartung der Frauen erhöhen den finanziellen Druck innerhalb der AHV.
Diese wird durch ein Umlageverfahren finanziert. Das heisst, die erwerbstätigen Personen und ihre Arbeitgeber kommen hauptsächlich mittels Lohnabzügen für die AHV-Renten der heutigen Personen in Pensionierung auf. Dieses System basiert auf den demografischen Verhältnissen einer Zeit, als unsere Lebenserwartung noch tiefer war.

Und so ist die Harmonisierung des Rentenalters auf 65 Jahre für Männer und Frauen in der Schweiz auch Teil des bundesrätlichen Reformprojekts der AHV (AHV 21).

Lebenserwartung: Wie planen Sie Ihre Rente – mit dem Wissen, dass Sie länger darauf angewiesen sind?

Folgende Tipps und Massnahmen unterstützen Sie dabei, auch im Alter Ihren gewohnten Lebensstandard halten zu können:

  • Beginnen Sie so früh als möglich: Packen Sie Ihre Altersrente idealerweise in jungen Jahren an und ziehen Sie dazu alle drei Säulen – also AHV, Pensionskasse und private Altersvorsorge – in Betracht. Konkrete Impulse, wie Sie die einzelnen Säulen stärken, geben wir in unserem Artikel «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser»
  • Motivieren Sie sich mit dem Bewusstsein, dass Sie schon heute davon profitieren können: Von Ihrer Vorsorge können Sie nicht erst bei der Pensionierung in Form der Altersrente profitieren. Sie können auch schon heute profitieren, indem Sie Steuern einsparen. Einzahlungen in die Säule 3a können Sie in der Schweiz bis zum jährlichen Maximalbetrag von 6883 Franken (Stand: 2021) vollumfänglich von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen. Weitere Tipps erhalten Sie in unserem Artikel «So können Sie bei den Steuern sparen»
  • Investieren Sie in Ihre private Altersvorsorge: Neben steuerlichen Vorteilen bietet die private Vorsorge die Möglichkeit, Säule-3a-Guthaben in Vorsorgefonds anzulegen, welche zusätzliche Ertragschancen bieten. Sie möchten Ihre private Vorsorge stärken und auch noch etwas für Gesellschaft und Umwelt tun? Wie dies geht, erfahren Sie in unserem Artikel «Nachhaltig investieren beim Vorsorgesparen»

Vorsorgelücken: Was können Sie dagegen tun?

Frauen arbeiten weitaus häufiger Teilzeit als Männer und verdienen im Schnitt weniger, was dazu führt, dass ihre Pensionskasse nicht ausreichend gefüllt wird und ihre Altersrente deutlich tiefer ausfällt. Wussten Sie, dass jede vierte Frau im Alter nicht auf eine Pensionskasse zurückgreifen kann? Erfahren Sie mehr in unserem Artikel «Eine von vier Frauen hat keine Pensionskasse»

Was Sie dagegen tun können:

  • Investieren Sie den Betrag, den Sie bei einer Vollzeitanstellung für die Altersvorsorge einsetzen würden, zusätzlich zur Säule 3a auch in diversifizierte Anlagen, beispielsweise mit einem Anlagefonds. Mit einem Fondskonto profitieren Sie von höheren Ertragschancen als beim Sparkonto, das Risiko von allfälligen Marktschwankungen wird durch das Verteilen des Risikos auf verschiedene Wertpapiere zudem reduziert.
  • Beginnen Sie möglichst früh, in die Altersvorsorge zu investieren, um den Zinseszinseffekt zu nutzen. Bei Erwerbsunterbrüchen oder Teilzeitarbeit sollte das Sparen für die Altersvorsorge zudem nicht pausiert, sondern idealerweise genau gleich weitergeführt werden.
  • Verlassen Sie sich nicht auf die Rente Ihres Partners. Grundsätzlich erhält jede versicherte Person eine eigene AHV-Altersrente. Beim Mann fällt die meistens deutlich höher aus als bei der Frau. Für viele Frauen ist die deutlich tiefere Rente jedoch nicht spürbar, da sie ihren Partner als finanzielle Stütze haben. Auch wenn es aktuell unvorstellbar ist, dass Ihr Ehegatte nicht für immer an Ihrer Seite sein wird – völlig darauf verlassen sollte man sich nie.

Frühpensionierung oder Aufschub: Wie kann ich mich frühzeitig pensionieren lassen? Und wie später?

Endlich mehr Zeit für die Familie und Ihre Herzensprojekte? Viele hegen den Wunsch, frühzeitig in Rente zu gehen. Genauso gibt es Frauen, für die die Arbeit zentrale Quelle des Antriebs und der Freude ist und die gerne über das Pensionsalter hinaus arbeiten möchten. Mit der richtigen Planung ist beides denkbar:

  • Frühpensionierung: Wenden Sie sich an Ihre AHV-Ausgleichskasse, um Ihre Möglichkeiten eines vorzeitigen Bezugs der AHV-Rente abzuklären und Ihre frühzeitige Pensionierung zu organisieren. Das Guthaben der privaten Vorsorge (3. Säule) können Sie frühestens fünf Jahre vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters als einmalige Kapitalleistung beziehen.
  • Erfahren Sie mehr zum Thema Frühpensionierung in unserem Artikel «Vorzeitig in Rente? So klappt’s.»
  • Aufschub: Wenn Sie über das ordentliche Pensionsalter weiterarbeiten, bezahlen Sie ab einem Freibetrag von 16 800 Franken pro Jahr oder 1400 Franken pro Monat weiterhin Beiträge an die AHV. Von den Beiträgen an die Arbeitslosenversicherung (ALV) sind Sie hingegen befreit. Ein Aufschub der AHV ist um bis zu fünf Jahre möglich. Abhängig von der Aufschubdauer profitieren Sie von einem Rentenzuschlag bei der AHV. Solange Sie weiterhin arbeitstätig sind, können Sie auch 3a-Beiträge leisten und den Bezug der Vorsorgegelder bis maximal fünf Jahre nach dem ordentlichen Pensionierungsalter aufschieben.

Ich stehe kurz vor der Pensionierung: Wie gehe ich vor?

Sie stehen kurz vor der Pensionierung? Diese Vorkehrungen müssen Sie treffen, um Ihre AHV-Rente (1. Säule) und die Leistungen Ihrer beruflichen (2. Säule) und Ihrer privaten (3. Säule) Vorsorge zu beziehen:

  • Anspruch auf die AHV-Rente bei der AHV anmelden (1. Säule): Die AHV-Rente wird Ihnen nicht automatisch von der AHV ausbezahlt. Zuerst müssen Sie Ihren Anspruch schriftlich bei Ihrer AHV-Ausgleichskasse anmelden, bei der Sie zuletzt Ihre Beiträge gezahlt haben.
  • Bezug der Leistungen der beruflichen Vorsorge (2. Säule): Hier gilt es zu entscheiden, ob Sie Ihr Vorsorgekapital als Rente, Kapital oder als Mischform von beiden beziehen möchten. In der Regel werden die Leistungen der zweiten Säule in Form einer Rente ausbezahlt. Sie können aber auch wünschen, dass ein Teil Ihres Altersguthabens als Kapital ausbezahlt wird. Wenden Sie sich an Ihre Vorsorgeeinrichtung, um die Modalitäten abzuklären. Beide Möglichkeiten (Rente oder Kapitalbezug) haben ihre Vorteile und Nachteile. Die Wahl ist von Ihrer persönlichen Situation und Ihren Bedürfnissen bezüglich Altersvorsorge abhängig, daher wird oft auch die Mischform gewählt.
  • Prüfen Sie zudem frühzeitig bei Ihrer Pensionskasse, wie lange vor dem Pensionierungszeitpunkt ein Kapital(teil-)bezug angemeldet werden muss.
  • Leistungen aus der privaten Vorsorge (3. Säule): Das Kapital der Säule 3a ist bis fünf Jahre vor der ordentlichen Pensionierung gesperrt. Hier lohnt sich die Staffelung der Bezüge der 3a-Gelder, um die Steuerprogression zu brechen. Voraussetzung dafür ist, dass sie Ihr Säule-3a-Kapital auf verschiedenen Konten angespart haben.

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