Frau Huber-Schütz, welcher Moment hat Ihnen besonders deutlich gezeigt, wie wichtig Finanzkompetenz für Frauen ist?

Es gab nicht den einen Moment. Es waren vielmehr unterschiedliche Begegnungen und Gespräche mit Frauen – im privaten wie im beruflichen Umfeld.

Im Fall einer Scheidung kommt es beispielsweise immer wieder vor, dass Frauen erst nach der Trennung merken, dass sie keine eigene Säule 3a haben, obwohl sie immer berufstätig waren. Oder ich treffe erfolgreiche Unternehmerinnen, die täglich wichtige Entscheidungen für ihre Firma treffen, sich aber zu wenig Zeit für die eigenen Finanzen und die eigene Vorsorge nehmen.

Was bedeutet denn Finanzkompetenz für Sie persönlich?

Ich betrachte die Frage aus einer etwas anderen Perspektive. Für mich gehört Finanzkompetenz – oder besser Finanzwissen – zum Grundwissen. Es sollte deshalb schon in der Schule auf dem Lehrplan stehen.

Auch Vorbilder spielen eine wichtige Rolle. In dieser Hinsicht hat mich meine Mutter geprägt. Bei uns zu Hause wurde regelmässig über Finanzen gesprochen und sie hat finanzielle Entscheidungen getroffen.

Doch nicht für alle sind Finanzthemen selbstverständlich. Das wird gerade mit Blick auf die Herausforderungen im Vorsorgesystem deutlich: Wer zuversichtlich in die Zukunft blicken möchte, sollte sich mit den eigenen Finanzen befassen und sie aktiv planen. Dafür ist Finanzkompetenz zentral.

Welche Rolle spielt Finanzkompetenz für die persönliche Selbstsicherheit von Frauen im Alltag?

Finanzkompetenz wirkt wie ein Katalysator. Sie gibt Frauen mehr Sicherheit – und am Ende mehr Selbstbestimmung – bei finanziellen Fragen. Finanzwissen hilft, in der Partnerschaft oder im Gespräch mit der Beraterin oder dem Berater bei der Bank auf Augenhöhe zu diskutieren.

Finanzkompetenz ist der Katalysator für mehr Selbstsicherheit bei finanziellen Fragen.
Sandra Huber-Schütz

Wenn Sie auf die Studie «Frauenperspektiven 2026» schauen: Welches Ergebnis hat Sie persönlich am meisten beschäftigt?

Ich befasse mich schon lange mit dem Thema, daher haben mich die Ergebnisse nicht überrascht. Die Studie bestätigt, dass Finanzkompetenz nach wie vor ein wichtiges Thema ist und dass Frauen sich gerne mit Finanzen beschäftigen. 

Die Resultate verdeutlichen auch: Im alltäglichen Umgang mit Geld fühlen sich viele Frauen wohl, etwa beim Haushaltsbudget, beim Bezahlen von Rechnungen oder bei der Steuererklärung. Wenn es aber um langfristige Entscheidungen und um das Anlegen geht, zeigt sich ein anderes Bild.

So sagt ein grosser Teil der befragten Frauen, dass sie sich zwar mit Anlagethemen auseinandersetzen, bisher aber noch nie investiert haben. Und drei von zehn Frauen haben sich noch gar nicht damit befasst. Hier besteht also eine Lücke, die es zu schliessen gilt.

Die Studie ist daher ein wichtiger Gradmesser. Sie zeigt, wo wir ansetzen müssen und wie wir Frauen gezielt unterstützen können.

Frauenperspektiven 2026 – Studie

Mehr zur Studie

Aufbauend auf dem UBS Sorgenbarometer untersucht die Studie, was finanzielle Sicherheit für Frauen bedeutet – und welche Herausforderungen ihre Entscheidungen zu Vorsorge und Investitionen prägen. Entdecken Sie zentrale Erkenntnisse und Hintergründe auf unserer Website – und laden Sie die vollständige Studie herunter.

Wenn Sie den Kern der Studie in ein, zwei Sätzen zusammenfassen müssten: Was sagen uns die Ergebnisse über die finanzielle Realität von Frauen in der Schweiz heute?

Bei eher kurzfristigen Themen haben Frauen ihre Finanzen fest im Griff. Im Hinblick auf  langfristige Fragestellungen wie ihre eigene Vorsorge verschenken sie aber noch zu viel Potenzial. 

Gleichzeitig zeigt die Studie auch, dass sich finanzielle Sicherheit  positiv auf das Wohlbefinden von Frauen auswirkt. Die positive Nachricht ist also: Frauen haben es in der eigenen Hand.

Sie können ihr Wohlbefinden stärken, indem sie sich aktiver um ihre langfristigen Finanzen kümmern. Sie müssen nur den ersten Schritt machen.

Erleben Sie in der Praxis auch einen Unterschied, wie Frauen und Männer über Geld sprechen, Entscheidungen treffen oder Risiken bewerten?

Es gibt kein Schwarz-Weiss, aber klare Tendenzen. Frauen betrachten Geld eher als Quelle von Möglichkeiten und halten sich in Diskussionen rund um Geld eher bedeckt. Männer dagegen diskutieren solche Themen aktiver, geben sich gegenseitig Tipps oder tauschen sich über Anlagestrategien aus. Auch beim Risikoverhalten werden Unterschiede sichtbar: Wenn Frauen investieren, wählen sie tendenziell defensivere Anlagestrategien oder lassen das Geld auf einem Sparkonto. Dadurch vergeben sie sich auf lange Sicht viel Renditepotenzial.

Die Studie zeigt, dass Frauen oft das Gefühl haben, finanziell nicht genug für die Zukunft vorzusorgen. Wie ordnen Sie dieses Ergebnis ein?

Das Spannende ist: Frauen sagen oft intuitiv, dass sie mehr für ihre Vorsorge tun sollten. Gleichzeitig zögern sie, sobald es darum geht, tatsächlich zu investieren.

Gemäss der Studie ist ein Grund dafür, dass Frauen häufig denken, sie hätten nicht genug Geld, um mit einer Anlage etwas zu bewirken. Doch das ist ein Trugschluss. Wer regelmässig investiert, kann auch mit kleinen Anlagenbeträgen Kapital aufbauen.

Wichtig ist, sich selbst einen Ruck zu geben und den ersten Schritt zu machen. Dabei kann zum Beispiel ein Online-Kapitalrechner helfen. Damit lässt sich durchspielen, wie sich das eigene Vermögen über die Jahre entwickeln kann, wenn man monatlich einen bestimmten Betrag anlegt. Das öffnet häufig die Augen für die Chancen von langfristigem Anlegen.

Frauen sagen intuitiv, dass sie mehr für ihre Vorsorge tun müssen. Aber sobald es darum geht, ihr Geld zu investieren, zögern sie.
Sandra Huber-Schütz

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass Frauen ein starkes Sicherheitsbedürfnis haben. Trägt das zur Zurückhaltung beim Investieren bei?

Der Faktor Sicherheit spielt mit, ja. Viele haben zum Beispiel das Gefühl, dass das Geld auf dem Konto sicher sei. Dass es aufgrund der Inflation effektiv an Wert verlieren kann, ist ihnen oft nicht in vollem Ausmass bewusst. 

In einem passenden Anlageportfolio könnte das Vermögen stattdessen langfristig wachsen. Solche Zusammenhänge aufzuzeigen, ist unsere Aufgabe.

Wenn eine Frau sagt: «Ich würde gerne bei Geldthemen sicherer werden, aber ich weiss nicht, wo ich anfangen soll» – welchen ersten kleinen Schritt empfehlen Sie?

Wichtig erscheint mir, sich zuerst Grundkenntnisse rund um Finanzthemen anzueignen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man das anpacken kann. Zum Beispiel hilft die UBS Women’s Wealth Academy dabei. Sie bietet verschiedene Lerninhalte rund um die unterschiedlichsten Finanzthemen. Diese Wissensgrundlage bietet eine gute Ausgangslage, um dann die nächsten Schritte anzugehen. Denn wir sehen immer wieder: Bevor Frauen eine Investition tätigen, möchten sie genau verstehen, was sie tun.

Was kann die Women's Wealth Academy konkret dazu beitragen?

Unsere digitale Plattform ist aus dem Bedürfnis vieler unserer Kundinnen entstanden, sich zunächst selbst informieren zu wollen. 

Auf der Academy finden sie Artikel, Interviews und Lernpfade zu unterschiedlichen Themen – und sie können auf Inhalte zugreifen, die für ihre persönliche Situation relevant sind. Wir decken eine breite Palette ab: von Vorsorge und Anlegen über Famile und Karriere bis hin zu Aspekten wie Ehe- oder Erbrecht.

Women’s Wealth Academy

Frauen, die sich aktiv an Finanzentscheiden beteiligen, erhöhen ihre Chance auf finanzielle Sicherheit und machen sich weniger Sorgen um ihre Zukunft.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wie wünschen Sie sich, dass wir in einigen Jahren über die Finanzkompetenz von Frauen sprechen?

Finanzen sind ein gesellschaftlich relevantes Thema. Heute müssen wir dabei noch oft die Gender-Brille aufsetzen.

Ich hoffe, dass wir diese Brille in ein paar Jahren nicht mehr brauchen und sich Frauen und Männer gleich aktiv um ihre langfristige Finanz- und Anlageplanung sowie um ihre Vorsorge kümmern. 

Und ganz persönlich: Was gibt Ihnen selbst heute das Gefühl von finanzieller Sicherheit?

Für mich ist Transparenz sehr wichtig – Transparenz über meine Vorsorge und meine finanzielle Situation. Ein klar definiertes Vorsorgekonzept gibt mir die Sicherheit, dass mein Partner und ich unsere Zukunft so gestalten können, wie wir sie uns vorgestellt haben.

Sandra Huber-Schütz

Sandra Huber-Schütz ist seit über 30 Jahren in der Finanzbranche tätig und hat in dieser Zeit verschiedene Führungspositionen übernommen. Heute ist sie Vice Chairwoman UBS Schweiz und leitet unter anderem den Bereich UBS Women's Wealth Schweiz und unterstützt so Frauen bei allen wichtigen und spezifischen Finanzthemen – in jeder Lebensphase.

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