Roland Halter
Head of M&A and Succession Planning, UBS Switzerland

Das Wichtigste in Kürze

Wenn das Marktumfeld im Umbruch ist, bieten sich aktiven KMU Chancen, von der Branchenkonsolidierung zu profitieren.

  • Konsolidierungswellen verringern die Zahl der Wettbewerber in einem Marktsegment.
  • Im IT-Sektor treibt das Wachstumsmotiv die Konsolidierung, im Gesundheitswesen der Kostendruck.
  • Handlungsoptionen für KMU sind der Kauf oder Verkauf von Unternehmen oder Firmenteilen, strategische Partnerschaften oder Wachstum aus eigener Kraft.

Was bei einer Branchenkonsolidierung passiert

Kostendruck, Wachstumspotenziale, neue Technologien oder Skaleneffekte können bisherige Geschäftsmodelle infrage stellen. Der Wettbewerbsdruck etwa durch Plattformunternehmen kann ganze Branchen transformieren. Gerät die Marktstruktur in Bewegung, häufen sich in manchen Marktsegmenten Zusammenschlüsse und Übernahmen (Mergers & Akquisitions – M&A). Durch die Konsolidierungswelle konzentrieren sich Marktanteile in den Händen von weniger, dafür grösseren Marktteilnehmern als zuvor. Die Zahl der Unternehmen nimmt ab, bis sich die einst fragmentierte Branche konsolidiert hat. Fusionen und Übernahmen grosser Firmen stossen auf höhere Aufmerksamkeit als die kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU). Unter diesen kommen M&A-Transaktionen jedoch häufiger vor.

Bei einer horizontalen Konsolidierung oder Integration vereinigen sich zwei Unternehmen aus einer Branche mit ähnlicher Produktpalette. Ziel des Zusammenschlusses ist eine grössere Marktmacht. Diese ergibt sich zum Beispiel, wenn eine Firma gezielt kleine Wettbewerber aufkauft und deren Geschäft bündelt (Roll-up-Strategie). Bei einer vertikalen Integration schliessen sich Firmen entlang ihrer Lieferkette zusammen. Sie holen sich die Wertschöpfung ihrer Lieferanten (Rückwärtsintegration) oder ihrer Abnehmer (Vorwärtsintegration) ins Haus. Dadurch gewinnen sie an Kontrolle und Optimierungsmöglichkeiten. Vereinen sich Unternehmen unterschiedlicher Branchen mit dem Ziel, ihre Geschäftsrisiken zu diversifizieren, bilden sie sogenannte Konglomerate.

Konsolidierungstrend in der Schweiz

Im Jahr 2024 lag die Zahl der Transaktionen in der Schweiz im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, nachdem sie Anfang der 2020er-Jahre Rekordhöhen erreicht hatte. Das Finanzvolumen dieser Fusionen und Übernahmen, an denen mindestens ein Schweizer Unternehmen als Käufer, Verkäufer oder Übernahmeziel beteiligt war, stieg 2024 im Vergleich zum Vorjahr um fast 60 Prozent auf 115,1 Milliarden US-Dollar.

Die IT-Branche ist auf Wachstumskurs

Wachstum und damit verbundene Skaleneffekte sind in der IT-Branche die wichtigsten Treiber von Konsolidierungswellen. Auf Käuferseite finden sich vor allem grössere IT-Firmen, die durch den Zukauf Ressourcen und Marktanteile akquirieren, oder Finanzinvestoren, die über Buy-and-Build-Strategien mehrere mittlere und kleine Unternehmen zu einem grossen Player fusionieren. Die Zusammenschlüsse oder Akquisitionen schaffen für Anbieter Vorteile: Während kleinere vom grösseren Distributionsnetzwerk des übernehmenden Unternehmens profitieren, zielen die Käufer stärker auf das Know-how und die spezifischen Fachkräfte des gekauften Unternehmens ab. Dank Synergien und Grössenvorteilen verbessert sich die Position in einem Markt, der sich dynamisch entwickelt. Der Verkaufserlös wird nicht selten in neue Businessideen reinvestiert, was den IT-Markt von unten belebt.

In der IT-Branche ist die Marktdynamik aktuell hoch aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung und der Entwicklung neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz (AI), Cloud Computing, Blockchain und Cybersecurity. 2024 erreichte das Transaktionsvolumen im Sektor Technologie, Medien und Telekommunikation durch einige grössere Transaktionen ein Zehnjahreshoch. Besonders Softwareunternehmen waren auf Konsolidierungskurs.

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Die Gesundheitsbranche will Kosten senken

Konsolidierungen in der Gesundheitsbranche sind nicht nur durch Wachstum, sondern auch durch Effizienz- und Kostengründe getrieben. Der demografische Wandel ist mit hohen Gesundheitskosten verbunden. Fachkräftemangel, erhöhte regulatorische Anforderungen und steigender Kostendruck führen dazu, dass sich immer mehr Dienstleister zusammenschliessen. So haben sich zum Beispiel Praxisgruppen für Ärzte und Zahnärztinnen oder Spital-, Labor- und Fitnesscenterketten gebildet. Innerhalb solcher Gruppen lassen sich die Kosten besser steuern, indem etwa der Einkauf koordiniert, die Administration und auch die Ressourcen geteilt werden. Bei Dienstleistern mit kostenintensiven Gerätschaften, etwa Röntgenpraxen, lassen sich durch Zusammenschlüsse Investitionskosten optimieren. Kapazitäten und Ressourcen werden besser ausgelastet.

In manchen selbstständig geführten Praxen bleibt die Nachfolge offen, weil die familiäre oder die interne Nachfrage fehlt. Darum fassen Eigentümerinnen und Eigentümer altersbedingt eine Übergabe an ein grösseres Zentrum oder eine Ärztekette ins Auge. Für sie bietet M&A eine Nachfolgelösung. Ein wichtiger Akteur bei der Konsolidierung im Gesundheitswesen sind zudem Finanzinvestoren. Sie versprechen sich durch den Aufbau und späteren Verkauf von effizienten und wachsenden Gesundheitsdienstleistern hohe Renditen. Unterschiedliche regulatorische Bestimmungen in einzelnen Ländern setzen der internationalen Expansion und den Skaleneffekten jedoch gewisse Grenzen. Unter dem Strich zählte der Sektor Pharma und Life Sciences im Jahr 2024 nach der Industrie- und der IT-Branche die drittmeisten M&A-Transaktionen.

Die Baubranche sucht Nachwuchs

Im Baugewerbe (Hoch- und Tiefbau) sorgen vor allem der Fachkräftemangel und altersbedingte Nachfolgeprobleme dafür, dass sich Betriebe zusammenschliessen oder übernommen werden. Zudem spielen auch im Baugewerbe Synergieeffekte eine wichtige Rolle. Dies gilt sowohl für vertikale Unternehmenszusammenschlüsse entlang der Wertschöpfungskette als auch für horizontale Zusammenschlüsse mit Wettbewerbern. 

Die zunehmende Nachfrage nach nachhaltigen und energieeffizienten Baulösungen bringt ebenfalls Bewegung in die Branchentransformation. Daneben ist die Digitalisierung ein Wachstumstrend, der Investorinnen und Investoren anzieht. Drohnen zur Baustelleninspektion, vernetzte Gebäudemanagementsysteme und 3D-Modelle (Building-Information-Modeling – BIM) sind nur drei Beispiele, wie neue Technologien in eine vermeintlich traditionelle Branche vordringen. Schliesslich werden im Baubereich auch immer wieder neue Unternehmen gegründet, da die Eintrittsbarrieren insbesondere im Baunebengewerbe verhältnismässig tief sind. Damit entstehen neue Übernahmeziele für die Konsolidierer der Branche.

Die Konsolidierungswelle ist schon seit einigen Jahren im Gang. In mehreren Baunebenbranchen wie Elektroinstallationen und Facility Management kam es bereits zu vielen Zusammenschlüssen und Übernahmen.

So profitieren Unternehmen von der Konsolidierung

Konsolidierung findet in Ihrer Branche auch ohne Ihr Zutun statt. Wenn Mitbewerber Zukäufe tätigen, dadurch wachsen und effizienter werden, kann Ihr KMU unter Zugzwang geraten. Zwar zahlt sich nicht jede Übernahme für Akquisiteure aus, sie kann auch Unsicherheit in die Belegschaft bringen, Ressourcen absorbieren und personelle Wechsel auslösen. 

Dennoch stehen Sie als Unternehmerin oder Unternehmer vor der Frage, ob Sie die Marktkonsolidierung für Ihr Unternehmen nutzen können. Jene Unternehmen, die den Wandel aktiv annehmen und gestalten, können erfahrungsgemäss profitieren. Das kann bedeuten, dass Sie selbst akquisitorisch tätig werden, Teilbereiche ausserhalb des Kerngeschäfts veräussern, Ihr Unternehmen in eine grössere Gruppe einbringen oder weiterhin bewusst auf unabhängiges organisches Wachstum setzen.

Wenn Sie Marktbewegungen aktiv nutzen wollen, machen Sie sich rechtzeitig Gedanken über die Auswirkungen auf Sie und Ihr Unternehmen, zum Beispiel mit einer strategischen Standortbestimmung auf Unternehmens- und Eigentümerebene. Vor Ihrer Entscheidung betrachten Sie neben Chanchen konkret auch die Risiken, die die Übernahme eines anderen Unternehmens mit sich bringt (Post Merger Integration). Allein schon die Integration der verschiedenen IT-Systeme ist mit Aufwänden verbunden, die in einen Fehlschlag münden können. Hinzu kommen mögliche interne Personalkonflikte, wenn die Unternehmenskultur nicht zusammenpasst. Ausserdem besteht die Gefahr, dass Sie zwar eine Firma übernehmen können, nicht aber deren Kundinnen und Kunden.

Ob Sie in der Konsolidierung als Käufer oder Verkäufer auftreten, sich strategische Partner suchen oder lieber in einer Nische organisch wachsen wollen: Als grösste Geschäftsbank am Schweizer Markt kennen wir die Herausforderungen für Unternehmen sehr genau. Wir begleiten Sie gern bei Kauf oder Verkauf oder beraten Sie bei Ihrer Nachfolgeregelung.

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Fazit: Branchenkonsoldierung als strategische Herausforderung annehmen

Rollt eine Konsolidierungswelle durch Ihre Branche, ist Ihre aktive Rolle als Unternehmerin oder Unternehmer gefragt.

  • Die Branchenkonsolidierung ist eine strategische Herausforderung für KMU, die Risiken und Chancen mit sich bringt.
  • Wer die laufende Konsolidierung in seiner Branche ignoriert, überlässt die Neuordnung des Marktes seinen Wettbewerbern.
  • In der IT-Branche werden Übernahmen und Fusionen vom Wachstumsmotiv getrieben, im Gesundheitswesen vom Kostendruck.

Die M&A-Expertinnen und -Experten von UBS helfen Ihnen gern, Ihre Rolle bei der Konsolidierung Ihrer Branche und eine mögliche Nachfolgelösung oder Akquisitionsstrategie zu finden.

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