
Während traditionelle 60/40-Portfolios angesichts hartnäckiger Inflation und Marktvolatilität unter Druck geraten, wenden sich institutionelle und private Anleger alternativen Anlagen als zusätzliche Renditequelle und zur Diversifikation zu. Jerry Pascucci und Johannes Roth untersuchen die Treiber und Implikationen dieses strukturellen Wandels.
Über Jahrzehnte hinweg waren alternative Anlagen hauptsächlich institutionellen Anlegern mit neunstelligen Mindestbeträgen und erheblichen internen Due-Diligence-Kapazitäten vorbehalten. Diese Zeit ist nun vorbei.
Heute, da traditionelle Anlagestrategien den Druck der anhaltenden Inflation, der erhöhten Zinssätze und der geopolitischen Unsicherheit spüren, vollzieht sich im Anlageumfeld eine signifikante Veränderung. Einst eherne Regeln des Portfolioaufbaus werden ebenfalls in Frage gestellt, einschliesslich der 60/40-Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen. Anleger streben nach unkorrelierten Renditen sowie Schutz vor unberechenbaren Finanzmärkten.
Viele erfahrene Privatanleger möchten ihr Kapital zunehmen ähnlich wie Pensionskassen investieren. Dieser Wandel begann still und leise im Nachgang der Finanzkrise von 2008. Als die Zentralbanken die Märkte mit Liquidität überschwemmten und die Zinsen auf historische Tiefstände drückten, sahen sich institutionelle Anleger gezwungen, sich auf der Suche nach Rendite über traditionelle Anlageklassen hinaus zu bewegen. Die Privatmärkte begannen, beispiellose Kapitalströme anzuziehen.
Die Zahlen lügen nicht. Das verwaltete Vermögen am Privatmarkt ist in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten erheblich gewachsen und erreichte Ende 2024 rund 15,1 Billionen USD.1 Ebenso wichtig ist, dass sich die Zusammensetzung dieses Kapitals drastisch verändert hat. Während einst Pensionskassen und Staatsfonds dominierten, stellen mittlerweile vermögende Privatpersonen und Family Offices das am schnellsten wachsende Segment dar.
Abbildung 1: Mit einem verwalteten Vermögen von 15,1 Bio. USD kann man die globalen Privatmärkte kaum ignorieren
Abbildung 1: Mit einem verwalteten Vermögen von 15,1 Bio. USD kann man die globalen Privatmärkte kaum ignorieren
Verwaltetes globales Vermögen an den Privatmärkten in Bio. USD

Da die öffentlichen Märkte eine höhere Korrelation aufweisen und volatiler geworden sind, erkennen Anleger die Notwendigkeit, Ertragsströme zu erschliessen, die weniger von täglichen Marktentwicklungen abhängig sind. Mit zunehmender Marktreife verlagert sich der Fokus vom einfachen Angebot alternativer Produkte auf die Bereitstellung erstklassiger Lösungen. Die Messlatte für Treuhänder liegt weitaus höher und fordert mehr Transparenz, eine verbesserte Governance sowie ein differenzierteres Risikomanagement.
Die Privatkapital-Revolution
Nehmen wir Private Equity. Ein reger Zustrom an Kapital hat es den Unternehmen ermöglicht, länger in privatem Besitz zu bleiben, wodurch ein Grossteil der Wertschöpfung von den öffentlichen auf die privaten Märkte verlagert wurde.
Im Jahr 1980 gab es etwa 4.658 börsenkotierte Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Bis Ende 2024 waren trotz des signifikanten Wirtschaftswachstums nur 3.804 inländische Unternehmen an den grössten US-Börsen kotiert – ein Rückgang um etwa 18 %. Zahlreiche Unternehmen, die zuvor wahrscheinlich den Schritt aufs Parkett gewagt hätten, entscheiden sich dafür, in privatem Besitz zu bleiben und finanzieren sich über Private Equity und Wagniskapital. Mittlerweile können Unternehmen Milliardenumsätze erwirtschaften, ohne an die Börse zu gehen.
Abbildung 2: Das Zieluniversum vergrössert sich, da mehr Unternehmen beschliessen, länger in privatem Besitz zu bleiben
Abbildung 2: Das Zieluniversum vergrössert sich, da mehr Unternehmen beschliessen, länger in privatem Besitz zu bleiben
Anzahl der durch US-Private-Equity-Fonds gestützten Unternehmen gegenüber börsennotierten inländischen Unternehmen an der NYSE und der Nasdaq

Doch dieser Erfolg hat neue Herausforderungen geschaffen. Die geringe Anzahl an Fusionen und Übernahmen sowie der Börsengänge hat längere Haltezeiten zur Folge, was das Liquiditätsmanagement zu einem entscheidenden Thema für Manager wie auch Anleger macht. Das klassische Private-Equity-Modell, Unternehmen zu kaufen, flottzumachen und binnen fünf Jahren zu veräussern, steht auf dem Prüfstand.
Die Branche reagiert. Die Sekundärmärkte sind erheblich grösser und komplexer geworden. Continuation Funds – Instrumente, die es den Komplementären ermöglichen, ihre besten Vermögenswerte länger zu halten und gleichzeitig bestehenden Anlegern Liquidität zur Verfügung zu stellen – sind zu einem wichtigen Bestandteil des Toolkits geworden. Mittlerweile bilden Sekundärtransaktionen sogar eine Kernstrategie.
Die allgemeine Entwicklung führt auch zu einer umfassenderen Spezialisierung. Anstatt breit angelegte Buyout-Strategien zu verfolgen, konzentrieren sich zahlreiche Unternehmen auf bestimmte Sektoren oder Strategien, in denen sie eine fundierte Expertise und nachhaltige Wettbewerbsvorteile entwickeln können. Gesundheit, Technologie und Infrastruktur haben sich als besondere Schwerpunkte herauskristallisiert.
Die Regulierung nach der Finanzkrise hat die Risikobereitschaft verringert und den Fokus von Aktien auf Obligationen umgestellt. Auch angesichts Herausforderungen der Regionalbanken haben sich klassische Geldhäuser von der Kreditvergabe an Unternehmen zurückgezogen und Platz für alternative Kreditgeber geschaffen.
Jahrzehntelang waren Banken der Hauptkreditgeber des Mittelstands. Mit regulatorischen Änderungen nach der Krise von 2008, einschliesslich Kapitalanforderungen, die die Kreditvergabe an kleinere Unternehmen ohne Investment-Grade-Rating unattraktiver machen, hat sich eine Chance für private Kreditgeber aufgetan.
So hat sich das Segment Private Credit von rund 1 Billion USD im Jahr 2020 auf rund 1,7 Billionen USD Ende 2024 ausgeweitet.3 Die Anlageklasse verzeichnet ein Wachstum von etwa dem Faktor zehn im Vergleich zu 2009 und dürfte bis 2029 ein Volumen von 2,8 Billionen US-Dollar erreichen. Auf Private Credit entfallen mittlerweile über 40 % der weltweiten Neuemissionen, gegenüber weniger als 10 % noch vor einem Jahrzehnt.
Das rasante Wachstum hat Herausforderungen mit sich gebracht. Da mehr Kapital in den Markt geflossen ist, werden die Standards für die Kreditvergabe auf den Prüfstand gestellt. Höhere Zinssätze zehren an der Schuldendienstfähigkeit der Kreditnehmer, während die Regulierungsbehörden diesen weitgehend ausserhalb der traditionellen Aufsicht operierenden Sektor schärfer ins Visier nehmen.4
Direktkreditgeber verlegen sich auf das gehobene Marktsegment und konkurrieren mit Banken um grössere Transaktionen, während andere die unteren Segmente bedienen und Kapital für kleinere Unternehmen bereitstellen, die sich einst an Regionalbanken gewandt hätten. Spezialisierte Kreditgeber entstehen in Nischenbereichen wie Asset-Backed Credit sowie in der Finanzierung von geistigem Eigentum und Rechtsstreitigkeiten.
Die Chance in Megatrends: KI, Energiewende und der Ausbau von Infrastruktur
Die Konvergenz globaler Megatrends schafft attraktive Anlagechancen. Privates Kapital bietet nicht nur Diversifikation für die Anlageportfolios, es wird zunehmend zu einer unverzichtbaren Finanzierungsquelle für die Wirtschaft von morgen.
Der Superzyklus der KI-Infrastruktur
Nirgends ist dies deutlicher als beim Boom der Künstlichen Intelligenz (KI), der derzeit ganze Branchen durchzieht. Das Training eines einzigen grossen Sprachmodells kann die Rechenleistung tausender spezialisierter Chips erfordern, die monatelang ununterbrochen laufen. Der Strombedarf ist enorm. Laut Schätzungen könnte KI in den kommenden Jahren einen erheblichen Teil des Wachstums des Strombedarfs ausmachen. Die Folge ist der sogenannte «Infrastruktur-Superzyklus».
Insofern sind Sachwerte bei der Verbreitung von KI-Technologie entscheidend – schliesslich steht und fällt die KI-Revolution mit der Infrastruktur. Jede Abfrage, Berechnung oder KI-gestützte Empfehlung erfordert eine massive Rechenleistung. Rechenzentren und all die für den KI-Goldrausch erforderlichen «Hacken und Schaufeln» zur Elektrifizierung, Kühlung usw. sind unverzichtbar, um das volle Potenzial dieser Technologie auszuschöpfen, wodurch Sachwerten eine tragende Rolle zukommt.
Das Ergebnis ist eine Verwischung der traditionellen Grenzen zwischen Anlageklassen. Was einst als Immobilieninvestitionen galt – Rechenzentren und Serverfarmen –, fungiert heute eher als kritische Infrastruktur, die stabile, langfristige Renditen mit begrenzter Korrelation zu den traditionellen Märkten generiert.
Die Investitionen werden Schritt halten müssen. McKinsey taxiert den erforderlichen Kapitalaufwand zur Erfüllung der Nachfrage nach KI-Rechenzentrumskapazitäten auf 3 Bio. USD bis 8 Bio. USD.5 Anders als bei herkömmlichen Immobilien sind bei diesen Anlagen die Mieter häufig inkludiert – Tech-Giganten wie Microsoft, Amazon und Alphabet, die an langfristige Mietverträge gebunden sind, die für vorhersehbare Cashflows sorgen.
Abbildung 3: Das Big-4-Capex wurde seit Jahresbeginn 2025 um ca. 30-40 % aufwärts korrigiert
Abbildung 3: Das Big-4-Capex wurde seit Jahresbeginn 2025 um ca. 30-40 % aufwärts korrigiert
Konsensprognose: Big-4-Capex an der NYSE und der Nasdaq in den Kalenderjahren 2025 und 2026

Die Notwendigkeit der Energiewende
Unterdessen schafft die Verlagerung von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energiequellen erhebliche Investitionschancen. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass die Erreichung von Netto-Null-Emissionen bis 2050 jährliche Investitionen von 4 Billionen US-Dollar bis 2030 erfordern wird. Das ist etwa doppelt so hoch wie die derzeitigen Investitionen. Regierungen und öffentliche Märkte allein können dieses Kapital nicht zur Verfügung stellen, sodass private Investitionen von entscheidender Bedeutung sein werden.
Hierbei handelt es sich auch um eine der wenigen Anlageklassen mit einer strukturellen, strategisch verankerten Nachfrage. Ob Erzeugung erneuerbarer Energie, Batteriespeicherung, intelligente Stromnetze oder grüner Wasserstoff, die Anlagechancen dürften noch einige Zeit andauern, auch wenn mit Weiterentwicklungen zu rechnen ist.
Abbildung 4: Investitionen in erneuerbare Energien werden sich bis 2030 voraussichtlich verdoppeln
Abbildung 4: Investitionen in erneuerbare Energien werden sich bis 2030 voraussichtlich verdoppeln
Globale Ausgaben für Infrastruktur für erneuerbare Energien in Mrd. USD

Abbildung 5: Erneuerbare Energien machen mittlerweile 35 % des Energiemixes aus
Abbildung 5: Erneuerbare Energien machen mittlerweile 35 % des Energiemixes aus
Anteil erneuerbarer Energien am weltweiten Endenergieverbrauch

Auch die Investitionslandschaft entwickelt sich rasant über traditionelle Wind- und Solarprojekte hinaus weiter. Fortschrittliche Batteriespeicher zur Stabilisierung der Stromnetze ziehen beträchtliches privates Kapital an. Die derzeit noch in den Kinderschuhen steckende Produktion von grünem Wasserstoff stützt sich auf Investitionen von sowohl Infrastrukturfonds als auch Private-Equity-Unternehmen, die auf das Potenzial zur Dekarbonisierung der Schwerindustrie setzen.
Zweitrangige Chancen werden immer relevanter. Da Elektrofahrzeuge eine breite Akzeptanz finden, finanzieren private Anleger Netzwerke von Ladestationen, Batterierecyclinganlagen und den Abbau kritischer Rohstoffe wie seltener Erden. Im Kern erfordert die Energiewende ein breites Umdenken darüber, wie Energie erzeugt, gespeichert und verbraucht wird.
Infrastruktur im Umbruch
Darüber hinaus ist eine Infrastruktur-Renaissance im Gange. In Industrieländern erreichen alternde Infrastrukturanlagen – meist aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg – das Ende ihrer Nutzungsdauer, während gleichzeitig Bevölkerungswachstum und Urbanisierung neue Anforderungen an diese Einrichtungen stellen.
Abbildung 6: Bis 2040 könnten kumulative Infrastrukturinvestitionen über 100 Billionen USD erreichen
Abbildung 6: Bis 2040 könnten kumulative Infrastrukturinvestitionen über 100 Billionen USD erreichen
Infrastrukturinvestitionen insgesamt, prognostiziert bis 2040, nach Sektoren (in Mrd. USD)

Die kumulierten globalen Infrastrukturinvestitionen könnten bis 2040 über 100 Billionen USD erreichen.
So schätzt die American Society of Civil Engineers, dass allein die Vereinigten Staaten im kommenden Jahrzehnt Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 3,6 Billionen US-Dollar benötigen. Europa steht vor ähnlichen Herausforderungen: Der jährliche Investitionsbedarf wird auf 500 Mrd. EUR bis 2030 geschätzt. Eine noch größere Infrastrukturlücke klafft in Asien auf: Die Asiatische Entwicklungsbank prognostiziert einen Bedarf von jährlich 1,7 Billionen US-Dollar.
Die traditionellen öffentlichen Finanzierungsmechanismen erweisen sich als unzureichend. Staatshaushalte, die mit alternden Bevölkerungen und einer steigenden Verschuldung konfrontiert sind, können diesen Bedarf nicht allein decken. Privates Kapital springt nun ein, um einen Teil der Lücke zu schliessen. Damit vollzieht sich ein Generationenwechsel in der Art und Weise, wie Infrastruktur finanziert und betrieben wird. Privates Kapital steuert nicht nur die finanziellen Mittel bei, sondern auch operatives Know-how, technologische Innovationen und eine langfristige Perspektive, die dem öffentlichen Sektor oft fehlt.
Die Chancen reichen von der traditionellen Infrastruktur (d. h. Strassen, Brücken, Flughäfen) bis hin zur neuen digitalen Infrastruktur wie Glasfasernetze und 5G-Systeme. Die Anleger konzentrieren sich zunehmend auf Chancen bei mittelständischen Unternehmen, wo es in der Regel weniger Wettbewerb und bessere Preise gibt als bei Mega-Transaktionen. Wasseraufbereitungsanlagen, Abfallwirtschaftssysteme und Transportanlagen ziehen ebenfalls beträchtliche private Investitionen an.
Innovationen beim Zugang zu Anlagen
Mit der zunehmenden Reife und Demokratisierung alternativer Anlagen haben sich auch die Vehikel, über die Anleger auf diese Strategien zugreifen, weiterentwickelt. Das traditionelle Modell – institutionelles Kapital für geschlossene Fonds mit einer Laufzeit von 10-15 Jahren – weicht einem flexibleren Ökosystem, das auf unterschiedliche Liquiditäts-, Timing- und Kontrollbedürfnisse zugeschnitten ist.
Strukturelle Innovationen haben mittlerweile zu einer grösseren Auswahl in puncto Liquidität, Rhythmus und Co-Investitionen geführt. Eine wichtige Neuerung ist der Aufstieg «ewiger» Evergreen-Vehikel, die kontinuierliche Zeichnungen und regelmässige Rücknahmemöglichkeiten bieten, die oftmals im Ermessen des Komplementärs liegen. Diese Fonds tragen dazu bei, das mit dem Auflegungsjahr verbundene Timing-Risiko zu reduzieren, bieten potenziell regelmässige Teilliquiditätsoptionen und vereinfachen die Partizipation kleinerer Anleger durch den Wegfall von Kapitalabrufen und Ausschüttungen.
Evergreen-Fonds umfassen nun Private Equity, Private Credit, Immobilien und Infrastruktur, einschliesslich einer Mischung aus Sekundärtransaktionen und Co-Investments, die ein diversifiziertes Engagement bieten. Allerdings geht die Liquiditätssteuerung mit Kompromissen einher. Die Fonds müssen Liquiditätsreserven halten, die die absoluten Renditen schmälern, und können in Stressphasen Beschränkungen, Zuteilungsregeln oder Wartezeiten auferlegen – was die Liquiditätsnachteile von Private Markets unterstreicht.
Anleger, die eine Diversifikation bei Managern und Strategien anstreben, wenden sich ausgefeilteren Multi-Manager-Plattformen zu. Diese gehen über traditionelle Dachfonds hinaus, indem sie Zugang zu geschlossenen Managern verschaffen, über Skaleneffekte bessere Konditionen aushandeln und eine dynamischere Vermögensallokation ermöglichen. Einige beinhalten zudem Co-Investments und Chancen an den Sekundärmärkten, die besonders hilfreich sein können, um mit noch nicht etablierten, aber innovativen Managern oder in Nischenstrategien zu investieren.
Getrennt verwaltete Konten (Separately Managed Accounts, SMAs) bieten maximale Personalisierung bei gleichzeitiger Beibehaltung eines professionellen Managements. Anleger können Mandate erteilen, Sektoren ausschliessen und ihre Positionen völlig transparent verfolgen, was SMAs für ESG-fokussierte Portfolios und die Steuerung von Konzentrationsrisiken beliebt macht. Um den Zugang zu erweitern, entstehen «Club»-SMAs, die es mehreren Anlegern mit ähnlichen Zielen ermöglichen, Kapital zu bündeln, um die für massgeschneiderte Portfolios erforderliche Grösse zu erreichen.
Für grössere Anleger, die Kontrolle und potenziell höhere Renditen anstreben, ermöglichen Co-Investment-Plattformen eine direkte Beteiligung an bestimmten Transaktionen mit Komplementären, in der Regel mit niedrigeren Gebühren. Die Anleger können bevorzugte Sektoren, Regionen oder Kapitalstrukturen anvisieren und gleichzeitig den Einfluss auf die Transaktionsauswahl beibehalten.
Zahlreiche Kommanditisten investieren mittlerweile einen bedeutenden Anteil ihres Engagements am Privatmarkt in Co-Investments mit Aktien und Anleihen und verlassen sich häufig auf engagierte Teams oder spezialisierte Plattformen, um Chancen zu ermitteln, zu zeichnen und zu überwachen.
Die Rolle Künstlicher Intelligenz bei Anlagen
Künstliche Intelligenz (KI) befindet sich erst am Anfang der Umgestaltung von Privatmarktanlagen, aber die Richtung ist klar. Indem KI aus Daten Erkenntnisse in grösserem Umfang und mit grösserer Geschwindigkeit gewinnt, verändert sie die Art und Weise, wie Anleger Transaktionen beschaffen, Due Diligence durchführen und Portfolios überwachen, während sie zahlreiche Routineaufgaben automatisiert. Das Potenzial zeigt sich in spezifischen generativen KI-Bereichen wie Forschungsanalyse und Produktion bis hin zu eher agentischen Formen, in denen bestimmte Aufgaben und Prozesse automatisiert werden. Die Transaktionsbeschaffung an den Privatmärkten ist traditionell beziehungsorientiert. Die KI erweitert dies durch die Untersuchung grosser Datensätze, um potenzielle Ziele zu identifizieren. Algorithmen können Tausende von Unternehmen auf einmal bewerten und Finanzkennzahlen, Wachstumsmuster, Managementänderungen, Stimmungsindikatoren und Einstellungstrends kombinieren, um so Chancen früher zu erkennen.
Im Bereich Private Credit und Immobilien können ähnliche Tools die Cashflow-Daten, Lieferantenbeziehungen, demographische Entwicklungen sowie Bild- und Sensordaten analysieren, um Underwriting und Markteinschätzungen zu präzisieren.
Die Verarbeitung natürlicher Sprache (Natural Language Processing, NLP) ist besonders leistungsfähig bei der Überprüfung grosser Dokumentensätze. Im Rahmen der M&A Due Diligence kann die KI Kundenverträge analysieren, um Konzentrationsrisiken oder Preistrends zu erkennen, während sie bei Private Credit Vertragsverletzungen oder ungewöhnliche Bedingungen hervorheben kann. Die KI kann Tausende von gesetzlichen, vertraglichen und regulatorischen Dokumenten in Stunden statt in Wochen überprüfen und Warnsignale viel schneller aufdecken als manuelle Überprüfungen. Die Sprachmodelle können zudem die finanzielle Modellierung unterstützen, Cashflows bewerten und die Beurteilung der Managementqualität durch die Analyse von Track Records und Kommunikationsmustern einheitlicher gestalten.
Sobald Anlagen getätigt werden, verändert die KI die Art und Weise, wie Portfolios überwacht und bewertet werden. Anstatt sich ausschliesslich auf regelmässige Berichte zu stützen, können die Anleger auf operative Informationen und alternative Daten zurückgreifen, um mehr Einblicke in Echtzeit zu schaffen. KI-basierte Bewertungsmodelle integrieren breitere Datensätze und verknüpfen die Unternehmensmerkmale mit historischen Transaktionsergebnissen, was dynamischere Zwischenbewertungen ermöglicht. Für das Risikomanagement kann die KI verdeckte Korrelationen und systemische Schwachstellen in sämtlichen Portfolios erkennen und somit Konzentrationsrisiken und miteinander verbundene Muster aufzeigen, die die Wertentwicklung beeinflussen können.
Obwohl sich die KI noch in einem frühen Stadium befindet, dürften ihre Auswirkungen auf die Privatmärkte erheblich ausfallen. Der Wettbewerbsvorteil besteht bei Unternehmen, die diese Instrumente intelligent integrieren und gleichzeitig das menschliche Urteilsvermögen und die Beziehungen bewahren, die für eine erfolgreiche Anlage nach wie vor unerlässlich sind.
Realität alternativer Anlagen
Für die Anleger sollte die Botschaft klar sein. Die Akzeptanz weitet sich auf eine viel breitere Palette von Anlegern aus, die bisher nicht in der Lage waren, Zugang zu den Privatmärkten zu erhalten. In dieser neuen Realität werden alternative Anlagen zum zentralen Bestandteil des Portfolioaufbaus. Sie sind unerlässlich, um die Rendite- und Risikoziele zu erreichen, was traditionelle Vermögenswerte allein nicht bieten können.
Die Demokratisierung des Zugangs hat die Tür geöffnet, Megatrends schaffen die Chancen und die KI bietet neue Instrumente. Was bleibt, ist die Disziplin, sich erfolgreich in diesem Umfeld zurechtzufinden und den Wert der Risiko- und Illiquiditätsprämien zu erhalten, die die DNA dieser Anlageklassen darstellen, während sie sich gleichzeitig an ein zunehmend wettbewerbsintensives und kontrolliertes Umfeld anpassen.
Mit zunehmender Reife der Branche hat sich der Kapitalreichtum auf die Bewertungen ausgewirkt und den Wettbewerb um die besten Chancen verschärft. Doch die Reife bringt auch Chancen mit sich. Der wahre Wert alternativer Anlagen besteht nicht nur in der Diversifikation nach Anlageklassen, sondern in ihrem differenzierten Renditeprofil.
Da die umfassende Portfolioanpassung bereits im Gange ist, lautet die wichtigste Frage für Anleger nicht mehr, ob sie partizipieren sollten, sondern wie sie dies überlegt, strategisch und mit der langfristigen Sichtweise tun können, die alternative Anlagen erfordern.

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