Zusammenfassung

Der Markt für aktive ETFs erlebt eine signifikante Entwicklung beim Zugriff europäischer Anleger auf aktives Management. Ausgehend von einer Umfrage von NMG Consulting unter 40 institutionellen Anlegern und Privatinvestoren, die EUR 3 Billionen in Grossbritannien, Deutschland, Italien und der Schweiz verwalten, prüft dieser Bericht den aktuellen Stand der Einführung aktiver ETFs, die wichtigsten treibenden Kräfte und Hindernisse für die Akzeptanz dieser ETFs und wie Anleger diese Chance nutzen.

Aktive ETFs schliessen die Lücke zwischen traditionellem aktivem Management und der operativen Effizienz von ETF-Strukturen und bieten ein Potenzial zur Alpha-Generierung mit erhöhter Transparenz, niedrigeren Kosten und verbesserter Liquidität. Diese Studie zeigt sowohl die starke Dynamik als auch die Herausforderungen auf, die mit zunehmender Reife des Marktes gemeistert werden müssen.

Wichtige Erkenntnisse:

  • Starke Dynamik: 48% der Anleger nutzen aktive ETFs bereits, weitere 30% ziehen sie ernsthaft in Erwägung
  • Erhebliches Wachstumspotenzial in allen Anlageklassen: Während an aktiven Aktienstrategien das grösste Interesse (94%) besteht, weisen Anleihen (89%) die grösste Kluft zwischen Interesse und aktueller Nutzung auf, was auf eine erhebliche ungenutzte Nachfrage in beiden Kategorien hindeutet.
  • Alpha-Effizienz: 58% nennen Alpha-Chancen als Hauptgrund für ihr Interesse, wobei aktive ETFs als kostengünstiges Instrument für den Zugang zu aktivem Management gelten.
  • Wunsch nach einem dualen Ansatz: 47% wünschen sich sowohl verbesserte Indexierung als auch uneingeschränkte aktive Strategien, was auf eine Nachfrage im gesamten aktiven Spektrum hindeutet.
  • Die Hürden sind nach wie vor beträchtlich: Die begrenzte Verfügbarkeit der Produkte (88% institutionelle Anleger, 70% Grossinvestoren), kurze Erfolgsbilanzen (65-80%) und Bedenken hinsichtlich Transparenz (76-60%) sind aktuelle Einschränkungen für eine schnellere Akzeptanz.

Methodik

Diese Studie basiert auf eingehenden Gesprächen mit 40 hochrangigen Entscheidungsträgern in vier europäischen Märkten mit gleichwertigem Marktanteil (25%) aus Grossbritannien, Deutschland, Italien und der Schweiz. Im Juli und August 2025 wurden anhand von Analysen die Perspektiven von Anlegern mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt EUR 3 Billionen erfasst.

Alle Befragten waren verpflichtet, ETFs zumindest in gewissem Umfang zu nutzen, um relevante Perspektiven für die Umsetzung aktiver ETFs zu gewährleisten. In diesem Bericht unterscheiden wir zwischen „institutionellen“ Anlegern (Rentenkassen, Versicherer, Stiftungen) und „Grossinvestoren“ (Privatbanken und Vermögensverwalter), um wichtige Unterschiede bei Bedürfnissen und Präferenzen herauszuarbeiten.

1. Das Umfeld für aktive ETFs

Wichtige Erkenntnisse:

  • Fast die Hälfte (48%) der europäischen Anleger nutzt bereits aktive ETFs, wobei Grossinvestoren mit 57% eine besonders starke Akzeptanz zeigen
  • Aktive Aktienstrategien weisen das höchste Gesamtinteresse auf (94%), wobei bereits 46% investiert sind; Anleihen (89%) weisen ein ähnlich hohes Interesse auf, stehen aber nur für 11% der aktuellen Nutzung
  • Anleger betrachten aktive ETFs als effizienten Mechanismus für den Zugang zu Alpha, wobei Kostenerwägungen Teil einer breiteren Beurteilung sind und nicht der primäre Treiber

Aktuelle Akzeptanz

Die Akzeptanz aktiver ETFs hat an den europäischen Märkten einen kritischen Punkt erreicht. Fast die Hälfte (48%) der befragten Anleger investiert bereits in aktive ETFs. Das zeigt, dass diese Produkte den Early-Adopter-Status hinter sich gelassen und eine signifikante Marktdurchdringung erreicht haben. Weitere 30% erwägen aktiv deren Umsetzung, während nur 22% aktuell kein Interesse haben (Abbildung 1).

Grossinvestoren weisen mit 57% eine deutlich stärkere aktuelle Nutzung auf, verglichen mit 37% bei institutionellen Anlegern. Damit kehrt sich das typische Muster um, bei dem Institutionen die Produkteinführung anführen. Dies verdeutlicht, dass die operativen Vorteile aktiver ETFs besonders stark von Vermögensverwaltern getragen werden, die effiziente Lösungen für ihre Kundenportfolios suchen.

Bei einigen entfällt auf aktive ETFs bereits ein wesentlicher Teil ihrer Investments. Ein Vermögensverwalter in Italien stellt fest: „Wir setzen aktive ETFs in Aktien und Anleihen umfassend ein, denn sie bieten die Flexibilität, die wir für unsere Kundenportfolios benötigen.“ Andere machen die Akzeptanz nach wie vor von weiteren Belegen abhängig. Dazu eine Privatbank in der Schweiz: „Wir beobachten den Bereich genau, wollen aber eine etablierte Erfolgsbilanz sehen, bevor wir uns umfassend engagieren.“

Diese Kluft zwischen begeisterten Early Adopters und zurückhaltenden Beobachtern zeigt, wo der Markt steht: Bewährt genug, um ernsthaft Kapital anzuziehen, aber noch jung genug, dass viele Anleger eine längere Performance-Bilanz sehen wollen, bevor sie einsteigen.

Abbildung 1: Einsatz aktiver ETFs, Antworten in %

Nutzung aktiver ETFs in Europa: Nutzer, potenzielle Anleger und sonstige Anleger, eher Grossinvestoren als institutionelle.
Quelle: NMG Consulting, September 2025

Das Diagramm vergleicht die Antworten europäischer institutioneller Anleger und Grossinvestoren zum Einsatz aktiver ETFs. Rund die Hälfte aller Anleger nutzt bereits aktive ETFs, rund ein Drittel erwägt sie ernsthaft und rund ein Fünftel meldet aktuell kein Interesse. Grossinvestoren verzeichnen derzeit eine deutlich höhere Akzeptanz (rund drei Fünftel) als institutionelle Anleger (rund zwei Fünftel), was die stärkere Akzeptanz seitens der Vermögensverwalter zeigt.

Strategische Präferenzen

Akzeptanz und Interesse unterscheiden sich auch nach Anlageklassen und Strategien und zeigen unterschiedliche Wachstumskurven auf. Aktive Aktienstrategien stossen mit 94% auf das grösste Interesse, wobei bereits 46% der Befragten investiert sind (Abbildung 2). Diese Kombination zeigt, dass aktive Aktien-ETFs die am besten etablierte Kategorie sind, obwohl der Abstand von 48 Prozentpunkten zwischen Interesse und aktueller Nutzung beträchtlichen Spielraum für anhaltendes Wachstum ergibt.

Aktive Anleihestrategien verbuchen ein Interesse von 89% – und nähern sich damit dem Niveau von Aktien. Derzeit sind jedoch nur 11% investiert, was eine Lücke von 78% darstellt. Dazu ein Vermögensverwalter in Italien: „Aktive Anleihestrategien sind von besonderem Interesse – hier sehen wir die klare Chance für Manager, Wertsteigerungen zu erzielen, die über die Indizes hinausgehen.“

Ein Versicherer in Deutschland ergänzt: „Die Anleihemärkte sind nicht so effizient wie die Aktienmärkte, was mehr Spielraum für aktives Management schafft. ETF-Strukturen können dies zu angemessenen Kosten leichter zugänglich machen.“

Quantitative und systematische Strategien sprechen 60% der Befragten an, 11% sind derzeit investiert. Ein DB-Pensionsfonds in Grossbritannien erklärt: „Wir wären an systematischen aktiven Ansätzen im ETF-Format interessiert – verbesserte Indexierung mit geringem Tracking Error. Für ein vollständig aktives Management würden wir in der Regel immer noch einen Fondsmanager mit Fundamentalanalyse in einem Investmentfonds oder mit einem Sondermandat einsetzen.“

Alternative Strategien ziehen 54% des Interesses auf sich, allerdings ohne aktuelle Verwendung bei den Befragten. Ein Vermögensverwalter in der Schweiz merkt an: „Aktive alternative Strategien in ETF-Wrappern sind vom Konzept her interessant, aber wir fragen uns immer noch, ob tägliche Liquidität wirklich mit diesen Anlageklassen kompatibel ist.“

Abbildung 2 – Aktive ETF-Anlageklassen und -Strategien von Interesse, Antworten in %

Aktives ETF-Interesse, geringeres Interesse/Nutzung quantitativer und alternativer Strategien, Unterschiede sichtbar.
Quelle: NMG Consulting, September 2025

Diese Abbildung stuft Anlageklassen und Strategietypen nach Anlegerinteresse und aktueller Verwendung im aktiven ETF-Format ein. Aktive Aktienstrategien stossen auf das grösste Interesse (über 90% der Befragten), wobei etwa die Hälfte bereits investiert ist. Festverzinsliche Anlagen folgt gleich danach, mit nahezu universellem Interesse, aber nur einer kleinen Minderheit, die derzeit investiert ist. Hier besteht der grösste Abstand zwischen Interesse und effektiver Nutzung. Quantitative und systematische Strategien ziehen das Interesse einer klaren Mehrheit an, weisen aber nur begrenzte aktuelle Investitionen auf. Alternative Strategien wecken das Interesse von mehr als der Hälfte der Befragten, weisen aber keine effektive Nutzung auf. Dies unterstreicht die erhebliche latente Nachfrage, sobald sich geeignete Produkte und Track Records entwickeln.

Worauf basiert das Interesse?

Alpha zeigt sich als wichtiger Treiber des Interesses an aktiven ETFs, wobei 58% die Aussicht auf Wertsteigerung im Vergleich zu passiven Indexanlagen nennen (Abbildung 3). Allerdings erfordern die Rahmenbedingungen eine sorgfältige Interpretation. Während 16% niedrigere Kosten priorisieren und 26% sowohl Alpha als auch Kosten als gleichermassen wichtig ansehen, suchen die Anleger im Allgemeinen nach einem effizienteren Mechanismus für den Zugang zu einem aktiven Management. Dazu eine Privatbank in der Schweiz: „Wir sind nicht auf der Suche nach der absolut günstigsten Option und sind bereit, angemessene Gebühren für echtes aktives Management zu zahlen. Aber aktive ETFs müssen zeigen, dass sie einen Mehrwert bieten, der über das hinausgeht, was wir mit anderen aktiven Anlageinstrumenten erreichen.“

Strukturelle Vorteile gegenüber Investmentfonds stellen eine zweitrangige, aber wichtige Motivation dar. Ein Vermögensverwalter in Grossbritannien betont: „ETF-Strukturen würden es uns viel einfacher machen, in aktive Fonds zu investieren, die wir mögen – bei einem Investmentfonds kann es Wochen dauern, bis die Zeichnungen abgeschlossen sind, während ETFs sofort gehandelt werden können.“

Ein Versicherer in Italien hebt die Liquiditätsvorteile hervor: „In Stressphasen an den Märkten haben wir gesehen, dass ETFs aufgrund des Auflegungs-Rücknahme-Mechanismus tatsächlich eine bessere Liquidität bieten als Investmentfonds. Für aktive Strategien ist das enorm wichtig.“

Abbildung 3: Treiber des Interesses an aktiven ETFs, Antworten in %

Alpha-Chancen als wichtigster Treiber für aktive ETFs, gefolgt von Kosteneffizienz und Vorteilen wie Liquidität und Umsetzung
Quelle: NMG Consulting, September 2025

Das Diagramm zeigt die Beweggründe der Anleger für den Einsatz aktiver ETFs. Der wichtigste Grund, der von weit über der Hälfte der Befragten genannt wird, ist das Alpha-Potenzial im Vergleich zu passiven Indexanlagen. Kleinere Gruppen priorisieren niedrigere Kosten im Vergleich zu traditionellen aktiven Fonds oder halten Alpha und Kosten für gleich wichtig. Sekundäre Treiber sind strukturelle Vorteile des ETF-Wrappers, wie Intraday-Handel, operative Effizienz und die besser wahrgenommene Liquidität in Stressphasen im Vergleich zu Investmentfonds. Insgesamt sehen Anleger aktive ETFs als effizientere Möglichkeit, um auf ein aktives Management zuzugreifen, und nicht nur als günstigeres Produkt.

Enhanced oder uneingeschränkt aktiv

Die Studie ergab, dass die Anleger unterschiedliche Präferenzen für die Arten des aktiven Managements im Rahmen aktiver ETFs haben. Fast die Hälfte (47%) wünscht sich je nach Anlageklasse und Strategie Zugang zu Enhanced Indexing- und uneingeschränkt aktiven Strategien. Von denjenigen mit einer erklärten Präferenz bevorzugen 28% Enhanced Indexing, während 25% vollkommen uneingeschränkte aktive Ansätze bevorzugen (Abbildung 4).

Institutionelle Anleger tendieren eher zu uneingeschränkt aktiv. Ein DB-Pensionsfonds in Grossbritannien erklärt: „Ich hätte gesagt, dass der Trend eher zu absolut aktiv in einem ETF-Wrapper geht als zu Enhanced Indexing. Wir haben bereits Zugang zu passiven Strategien zu sehr niedrigen Kosten. Damit aktive ETFs interessant sind, müssen sie echtes Alpha-Potenzial bieten und nicht nur eine bescheidene Tilt-Strategie.“

Die Präferenzen der Wholesale Investoren tendieren zu Enhanced Indexing. Ein Vermögensverwalter in Grossbritannien merkt an: „Ich schätze, es wäre der Ansatz mit Enhanced Indexing – niedriger Tracking Error und moderates Outperformance-Potenzial. Unsere Kunden sind auf der Suche nach besseren risikobereinigten Renditen, als rein passive Strategien bieten können, aber sie fühlen sich unwohl mit der Volatilität aktiver High-Conviction-Wetten.“

Der Kontext spielt eine wichtige Rolle. Eine Stiftung in Italien erklärt: „Für Aktien aus Industrieländern, wo die Märkte hocheffizient sind, ist Enhanced Indexing wahrscheinlich sinnvoller. Aber im Anleihesegment, insbesondere an den Anleihemärkten oder in Schwellenländern, wären wir eher an aktiven Ansätzen interessiert, da es mehr Möglichkeiten für qualifizierte Manager gibt, um Wertsteigerungen zu erzielen.“

Abbildung 4: Bevorzugter Ansatz für aktive ETFs, Antworten in % 

Vergleich der Präferenzen für Enhanced Indexing, aktive Strategien und eine Kombination innerhalb aktiver ETFs.
Quelle: NMG Consulting, September 2025

Diese Zahl fasst den bevorzugten Stil des aktiven Managements der Anleger im ETF-Format zusammen. Fast die Hälfte der Befragten nennt keine individuelle Präferenz und wünscht sich stattdessen je nach Anlageklasse und Anwendungsfall Zugang zu Enhanced Indexing und uneingeschränkter aktiver Strategie. Von denen mit klaren Präferenzen bevorzugen etwas mehr Enhanced Indexing mit niedrigem Tracking-Error und leicht überdurchschnittlicher Performance, während ähnlich viele komplett uneingeschränkte aktive Strategien bevorzugen, die sich auf höheres Alpha konzentrieren. Institutionelle Anleger tendieren zu einer uneingeschränkt aktiven Strategie, während Grossinvestoren verstärkt auf Enhanced Indexing setzen, was unterschiedliche Risikobereitschaft und Kundenerwartungen zum Ausdruck bringt.

2. Umsetzungsüberlegungen und -hindernisse

Wichtige Erkenntnisse:

  • Die Anlagemethodik gilt als wichtigstes Auswahlkriterium (94% der institutionellen Anleger, 89% der Grossinvestoren), wobei die Anleger klare Aussagen darüber verlangen, wie die Strategien Alpha generieren.
  • Die eingeschränkte Produktverfügbarkeit stellt die primäre Akzeptanzschwelle dar (88% der institutionellen Anleger, 70% der Grossinvestoren)
  • Unzureichende Erfolgsbilanzen gelten als zweitwichtigste Einschränkung (65% der institutionellen Anleger, 80% der Grossinvestoren), da die Anleger nach Performance-Belegen bei unterschiedlichen Marktbedingungen suchen.

Prioritäten bei der Auswahl

Bei der Auswahl eines aktiven ETF ist die Anlagemethodik die wichtigste Erwägung, die von 94% der institutionellen Anleger und 89% der Grossinvestoren angeführt wird (Abbildung 5). Ein DB-Pensionsfonds in Grossbritannien betont: „Die wichtigste Entscheidung wäre der spezifische Anlageansatz – wie genau strebt der Manager Alpha an? Welche Vorteile bestehen? Dann würden wir uns die Kosten und die Liquidität anschauen und eine Erfolgsbilanz sehen wollen, anstatt nur Back-Testing durchzuführen.“

Die Kosten im Vergleich zu traditionellen aktiven Fonds spielen laut 71% der institutionellen Anleger und 84% der Grossinvestoren eine wichtige Rolle. Ein Versicherer in Deutschland stellt fest: „Derzeit zahlen wir 75 bis 100 Basispunkte für aktive Anleihestrategien im Investmentfonds-Format. Wenn aktive ETFs etwas Vergleichbares bei 40-60 Basispunkten bieten können, ist das überzeugend.“

Die Erfolgsbilanz des Managementteams spielt eine wichtige Rolle, insbesondere für institutionelle Anleger (71%) im Vergleich zu Grossinvestoren (63%). Eine Stiftung in Italien erklärt: „Wir würden sehr genau prüfen, wer die Strategie tatsächlich verwaltet, mit welcher Erfahrung, wie die Zusammenarbeit im Team und die Anreizstrukturen aussehen. Bei aktiver Verwaltung geht es letztlich um Menschen. Selbst in einem ETF-Format ist das Team enorm wichtig.“

Handelsvolumen und Liquidität sind 71% der institutionellen Anleger und 53% der Grossinvestoren wichtig. Ein Versicherer in Italien stellt fest: „Wir brauchen die Sicherheit, dass wir eine Position von aussagekräftiger Grösse ohne grössere Marktverwerfungen verkaufen können.“

Transparenz ist ein komplexes Thema, die von 59% der institutionellen Anleger und 53% der Grossinvestoren priorisiert wird. Während aktive ETFs in der Regel täglich eine Offenlegung ihrer Positionen bieten, betonen die Anleger, wie wichtig es ist, die zugrunde liegende Anlagestrategie und den zugrunde liegenden Anlageprozess zu verstehen.

Ein Vermögensverwalter in der Schweiz äussert folgende Notwendigkeit: „Transparenz ist für uns das wichtigste Element. Wir würden nicht in etwas investieren, wenn wir nicht wissen, was drin ist. Unsere Kunden wollen verstehen, was sie besitzen.“ Dies reicht über die reine Betrachtung aktueller Positionen bis hin zum Verständnis der Anlagegrundsätze, des Entscheidungsrahmens und der Strategieentwicklung.

Abbildung 5: Priorisierte Überlegungen bei der Auswahl aktiver ETFs, Antworten in %

Kriterien für aktive ETFs mit Anlagemethodik als Hauptfaktor, gefolgt von Kosten, Erfolgsbilanz, Liquidität und Transparenz.
Quelle: NMG Consulting, September 2025

Das Diagramm stuft die Faktoren ein, denen Anleger bei der Auswahl eines aktiven ETF Vorrang einräumen. Die Anlagemethodik ist das vorherrschende Kriterium für institutionelle Anleger und Grossinvestoren. Fast alle Befragten betonen, wie wichtig es ist, zu verstehen, wie die Strategie Alpha generiert. Die Kosten im Vergleich zu traditionellen aktiven Fonds sind der nächste wichtige Faktor, insbesondere für Grossinvestoren. Die Erfolgsbilanz des Managers und des Teams, einschliesslich Erfahrung und Laufbahn, steht ebenfalls im Vordergrund, insbesondere bei institutionellen Anlegern. Handelsvolumen und Liquidität am Sekundärmarkt sind für viele wichtig, ebenso wie die Transparenz bei Positionen und Anlageprozess. Zusammen zeigen diese Kriterien, dass Anleger bei aktiven ETFs die gleichen Sorgfaltsstandards anlegen wie bei anderen aktiven Instrumenten.

Hindernisse für die Akzeptanz

Trotz der offenkundigen Begeisterung für aktive ETFs erkennen Anleger mehrere erhebliche Hindernisse, die die Einführung derzeit hemmen. Die begrenzte Verfügbarkeit von Produkten ist das Hauptanliegen, das von 88% der institutionellen Anleger und 70% der Grossinvestoren angeführt wird (Abbildung 6). Eine DB-Pensionskasse in Deutschland erklärt: „Wir wären an einer Ausweitung der Nutzung aktiver ETFs interessiert, aber die Produktpalette ist derzeit einfach zu begrenzt. Wir brauchen mehr Optionen im Anleihesegment, eine grössere geografische Abdeckung und eine grössere Stilvielfalt bei Aktien.“

Begrenzte Erfolgsbilanzen stellen ebenfalls ein Hindernis dar, das von 65% der institutionellen Anleger genannt wird und bei Grossinvestoren auf 80% steigt. Ein DC-Pensionsfonds in Grossbritannien betont: „Wir benötigen einen Performance-Überblick von mindestens drei Jahren, vorzugsweise fünf, bevor wir signifikante Vermögenswerte in einen aktiven ETF investieren. Backtesting-Ergebnisse sind interessant, aber nicht ausreichend.“

Einige Befragte merken an, dass parallele Track Records aus Investmentfonds mit derselben Strategie hilfreich sein könnten. Ein Versicherer in Deutschland stellt fest: „Wenn eine etablierte aktive Investmentfondsstrategie im ETF-Format mit demselben Team und demselben Prozess zur Verfügung gestellt wird, wären wir bereit, diese Erfolgsbilanz als relevant zu betrachten.“

Transparenz in Bezug auf die Anlagestrategie schafft Bedenken bei 76% der institutionellen Anleger und 60% der Grossinvestoren. Eine DB-Pensionskasse in der Schweiz erklärt: „Wir brauchen ausreichende Transparenz, um den Ansatz zu verstehen und das Risiko zu überwachen. Bei aktiven Strategien geht es letztlich um das Urteilsvermögen und die Überzeugung der Manager, was schwieriger zu bewerten ist als eine regelbasierte Methodik.“

Höhere Kostenquoten im Vergleich zu passiven ETFs beschäftigen 41% der institutionellen Anleger und 35% der Grossinvestoren. Dazu ein Vermögensverwalter aus Grossbritannien: „Wenn ein passiver Aktien-ETF 5-10 Basispunkte und ein aktiver Aktien-ETF 60-80 Basispunkte kostet, ist das eine erhebliche Hürde, die es zu überwinden gilt. Die aktive Strategie muss eine konstante überdurchschnittliche Performance von mindestens der Kostendifferenz erzielen, vorzugsweise aber deutlich mehr.“

Abbildung 6: Bedenken beim Einsatz aktiver ETFs, Antworten in % 

Bedenken bei aktiven ETFs, wie begrenzte Verfügbarkeit, kurze Track-Records, Transparenz und Gebühren gegenüber passiven ETFs
Quelle: NMG Consulting, September 2025

Diese Zahl verdeutlicht vermeintliche Hindernisse bei der Einführung aktiver ETFs. Die häufigste Sorge ist die begrenzte Verfügbarkeit der Produkte, insbesondere bei institutionellen Anlegern, die sich eine breitere Abbildung von Anleihesegmenten, Regionen und Anlagestilen wünschen. Die unzureichende Live-Performance-Historie ist das zweitgrösste Hindernis, wobei viele Befragte eine Erfolgsbilanz von mindestens drei bis fünf Jahren verlangen oder sich auf parallele Fondsverläufe stützen. Transparenz in Bezug auf Anlagestrategie und Risikomanagement ist ein weiteres vielzitiertes Thema, insbesondere für institutionelle Anleger. Höhere Kostenquoten im Vergleich zu passiven ETFs spielen ebenfalls eine Rolle, allerdings hauptsächlich als Hürde, die aktive ETFs durch konstante Überschussrenditen rechtfertigen müssen, statt als Grund, diese direkt zu vermeiden.

3. Wachstumschancen in allen Anlageklassen

Wichtige Erkenntnisse:

  • Aktive Aktien-ETFs profitieren von der Marktreife mit etablierten Erfolgsbilanzen und unterstützen die fortgesetzte Expansion in systematische Strategien und thematische Ansätze
  • Die strukturellen Ineffizienzen der Anleihemärkte und taktische Anwendungsfälle machen sie für ein aktives Management besonders attraktiv
  • Alternative Exposures über ETFs stossen auf beträchtliches Interesse, wobei Private-Credit-, Rohstoff- und Hedgefondsstrategien die Nachfrage anführen.

Aktive Aktienstrategien: Aufbau auf die vorhandene Dynamik

Wie in Abbildung 2 dargestellt, entfällt auf aktive Aktienstrategien mit 94% das grösste Gesamtinteresse, wobei bereits 46% der Befragten investiert sind – eine Lücke von 48 Prozentpunkten, die erheblichen Spielraum für weiteres Wachstum aufzeigt.

Mehrere Faktoren stützen das anhaltende Wachstum. Die bestehende Nutzerbasis liefert einen Machbarkeitsnachweis und hilft, Bedenken hinsichtlich der Erfolgsnachweise für neuere Strategien zu zerstreuen. Ein Vermögensverwalter in Grossbritannien merkt an: „Wir haben gute Erfahrungen mit unseren aktiven Aktien-ETFs gemacht, was uns offener für neue Angebote in diesem Bereich macht.“

Ein besonders vielversprechendes Segment stellen systematische und faktorbasierte Strategien dar. Ein DB-Pensionsfonds in Grossbritannien erklärt: „Systematische aktive Ansätze funktionieren im ETF-Format gut. Ihre regelbasierte Natur bedeutet, dass Transparenz die Strategie nicht untergräbt. Wir hätten hier gerne mehr Optionen, insbesondere Strategien, die mehrere Faktoren kombinieren oder Factor-Exposures auf Basis der Marktbedingungen anpassen.“

Thematische Aktienstrategien wecken ebenfalls Interesse und bieten eine Exposure in langfristigen Trends bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der operativen Vorteile der ETF-Struktur. Geografische Diversifizierung bietet zusätzliche Chancen, da die Befragten Lücken in europäischen aktiven Aktienstrategien, Schwellenländeransätzen und regionalen Spezialisierungen aufzeigen. Ein Versicherer in Deutschland stellt fest: „Wir wären an aktiven europäischen Aktienstrategien interessiert, die die Komplexität der verschiedenen Märkte und des regulatorischen Umfelds in der gesamten Region bewältigen.“

Anleihen: Chancen im Fokus

Aktive Anleihestrategien verbuchen ein Interesse von 89%. Derzeit sind jedoch nur 11% investiert, was eine Lücke von 78% darstellt (Abbildung 2).

Mehrere strukturelle Faktoren erklären sowohl das hohe Interesse als auch das erhebliche Wachstumspotenzial. Im Gegensatz zu Aktien aus Industrieländern zeichnen sich die Anleihemärkte nach wie vor durch erhebliche Ineffizienzen aus. Ein Versicherer in Deutschland erklärt: „Die Anleihemärkte, insbesondere bei Unternehmensanleihen, sind weniger effizient als die Aktienmärkte. Manager, die die Fundamentaldaten von Unternehmensanleihen verstehen, können durch die Titelauswahl und die Sektorallokation echten Mehrwert schaffen.“

Taktische Duration erwies sich als wichtiger Anwendungsfall. Dazu ein Vermögensverwalter aus Grossbritannien: „ETFs sind eine grossartige Möglichkeit für Anleihen, um Duration Calls einzugehen und sie rasch anzupassen, was bei direkten Anleihen schwieriger ist. Aktive Anleihen-ETFs bieten uns Instrumente, um diese Einschätzungen effizient umzusetzen.“

Spezifische Chancen ergeben sich in mehreren Sektoren. Bei Unternehmensanleihen sehen die Anleger signifikante Unterschiede bei Qualität und Spreads, bei denen erfahrene Manager eine Wertsteigerung erzielen können. Hochzinsanleihen ziehen das Interesse von Anlegern an, die höhere Renditen bei gleichbleibender Liquidität anstreben. Eine Stiftung in Deutschland merkt an: „Bei Hochzinsanleihen ist es ebenso wichtig, Ausfälle zu vermeiden wie Gewinner auszuwählen. Wir wären an aktiven ETFs interessiert, die eine disziplinierte Wertpapierauswahl und ein diszipliniertes Risikomanagement ausweisen können.“

Schwellenländeranleihen bieten Chancen für Strategien sowohl in harten Währungen als auch in Landeswährungen. Ein Versicherer in der Schweiz erklärt: „Schwellenländeranleihen sind so komplex, dass ein aktives Management einen echten Mehrwert schaffen kann, aber wir verfügen nicht über die interne Expertise, um sie selbst zu verwalten. Aktive ETFs können einen effizienten Einstieg bieten.“

Spezialisierte Sektoren, einschliesslich verbriefter Kredite und Bankkredite, stellen zusätzliche Bereiche dar, in denen Anleger Potenzial für aktive Ansätze erkennen. Ein Vermögensverwalter in Grossbritannien merkt an: „Es gibt Teile des Anleihemarktes, die durch passive Strategien oder direkte Positionen nur schwer effizient zugänglich sind.“

Alternative Exposure: Von Natur aus aktiv

Eine Exposure in alternativen Anlageklassen über ETFs bietet neue Chancen, da 54% der Anleger Interesse bekunden, obwohl sie von ihnen derzeit nicht genutzt werden (Abbildung 2).

Während Rohstoffe und bestimmte digitale Vermögenswerte die Möglichkeit bieten, in indexierte Exposures zu investieren, erfordern die meisten alternativen Strategien definitionsgemäss ein aktives Management – es gibt beispielsweise keine investierbaren Indizes für Privatkredite, Hedgefonds-Strategien oder Immobilien. Dies macht alternative Anlagen zu einer natürlichen potenziellen Erweiterung aktiver ETFs.

Die am stärksten nachgefragten Exposures zeigen klare Prioritäten. Private Credit-Anlagen führen die institutionelle Nachfrage mit 82% an, während 50% der Grossinvestoren Interesse bekunden (Abbildung 7). Ein DB-Pensionsfonds in Grossbritannien merkt an: „Private-Credit-ETFs wären sicherlich interessant und etwas, das wir prüfen würden.“ Eine italienische Privatbank fügt hinzu: „Private Credit wäre interessant, aber der Zugang ist heute begrenzt. ETFs könnten sie investierbarer machen.“

Dieses starke Interesse trägt sowohl den attraktiven Renditen von Private Credit-Anlagen als auch der operativen Komplexität des Zugangs über traditionelle Fondsstrukturen Rechnung.

Rohstoffe wecken das Interesse von 36% der institutionellen Anleger und von 63% der Grossinvestoren. Dies ist eine der wenigen alternativen Kategorien, in denen eine passive Exposure möglich ist, aber ein aktives Management durch Timing- und Auswahlentscheidungen potenziell Wertsteigerungen erzielen kann. Hedgefondsstrategien zeigen eine ausgewogene Attraktivität bei 45% der institutionellen Anleger und 50% der Grossinvestoren, während Volatilitäts-/VIX-Strategien 55% der institutionellen Anleger und 44% der Grossinvestoren interessieren.

Die Hindernisse für die Akzeptanz alternativer Anlagen sind ausgeprägter als bei traditionellen Anlageklassen. Anleger verweisen auf das fundamentale Spannungsverhältnis zwischen täglicher Liquidität und illiquiden Basiswerten. Ein Vermögensverwalter in der Schweiz hat das Dilemma erfasst: „Alternative Strategien in ETF-Wrappern sind vom Konzept her interessant, aber wir fragen uns, ob die tägliche Liquidität mit den meisten alternativen Anlageklassen kompatibel ist. Anlageinstrumente haben derzeit nur eine begrenzte Erfolgsbilanz, daher bleiben wir zurückhaltend.“

Die Verfügbarkeit der Produkte stellt bei alternativen Anlagen eine noch grössere Herausforderung dar als bei festverzinslichen Anlagen. Der aktuelle Markt ist nach wie vor eingeschränkt und bietet nur eine begrenzte Vielfalt an Strategien, Regionen und Managerstilen. Das grosse Interesse – insbesondere an Private Credit – deutet jedoch auf signifikante Chancen für gut strukturierte Lösungen hin, die die Liquiditätsfrage glaubwürdig angehen und gleichzeitig eine echte Exposure in alternativen Risikoprämien bieten.

Abbildung 7: Alternative Anlageklassen greifen derzeit auf ETFs zu oder möchten auf ETFs zugreifen, Antworten in %

Nachfrage nach alternativer Exposure über ETFs, u.a. Private Credit, Rohstoffe, Hedgefonds und Volatilitäts-/VIX-Ansätze
Quelle: NMG Consulting, September 2025

Das Diagramm veranschaulicht das Interesse an ETFs für den Zugang zu alternativen Anlageklassen. Private Credit wird am stärksten nachgefragt, insbesondere von institutionellen Anlegern, wobei etwa vier von fünf institutionellen Anlegern und etwa die Hälfte der Grossinvestoren Interesse bekunden. Rohstoffe ziehen aufgrund ihrer Verwendung in diversifizierten Portfolios ein grösseres Interesse von Grossinvestoren als von institutionellen Anlegern an. Hedgefonds-ähnliche Strategien und Volatilitäts- oder VIX-basierte Strategien zeigen eine ausgewogene Nachfrage aus beiden Gruppen. Trotz dieses Interesses ist die aktuelle Verwendung kaum der Rede wert, was die Bedenken hinsichtlich der Kompatibilität der täglichen ETF-Liquidität mit illiquiden Basiswerten und der aktuell verfügbaren begrenzten Produktpalette widerspiegelt.

Aktives Management zu neuen Konditionen

Jahrzehntelang bedeutete der Zugang zu einem aktiven Management oft, Kompromisse zu akzeptieren: Fachkundige Portfoliomanager wurden konfrontiert mit den Beschränkungen von Investmentfonds oder den Grössenanforderungen getrennter Mandate.

Anleger mussten sich oft zwischen einfacher Verwaltung mit begrenzter Flexibilität oder massgeschneiderten Lösungen entscheiden, die erhebliche Investitionen erforderten. Aktive ETFs heben diese Einschränkung auf und bieten aktives Management in einem Wrapper, der tägliche Liquidität, transparente Positionen und nahtlose Portfoliointegration bietet.

Umfragen zeigen, dass Anleger diese Änderung annehmen und zugleich selektiv entscheiden, wo und wie sie ihr Geld einsetzen. Anleger streben nach wie vor nach Alpha und wenden dieselben strengen Standards an wie anderswo: Klare Anlagemethoden, nachgewiesene Erfolgsbilanzen und Strategien, die echte aktive Positionen einnehmen. Die erheblichen Unterschiede zwischen Interesse und aktueller Nutzung der verschiedenen Anlageklassen spiegeln nicht die Skepsis gegenüber dem Konzept wider, sondern eher die praktische Realität begrenzter Produktpaletten und kurzer Erfolgsbilanzen. Wenn diese Hindernisse abnehmen, dürfte die latente Nachfrage zum Tragen kommen.

Attraktiv hieran ist die Vielzahl der Möglichkeiten im aktiven Spektrum. Aktive Aktien-ETFs haben gezeigt, dass das Modell für manche Anleger funktionieren kann und sich auf systematische Strategien, thematische Ansätze und geografische Spezialisierungen ausdehnen kann. Anleihen verkörpern ein ungenutztes Potenzial, bei dem Marktineffizienzen als gang und gäbe gelten und taktische Positionierungen einen klaren Mehrwert bieten. Quantitative Strategien passen wie von selbst in transparenten Strukturen, die auf regelbasierten Ansätzen basieren. Selbst alternative Anlage, die lange Zeit undurchsichtigen Anlageinstrumenten vorbehalten waren, werden auf Grund ihres Anpassungspotenzials an tägliche Handelsformate geschätzt.

Der aktive ETF-Markt befindet sich am Scheideweg. Anleger lehnen es zunehmend ab, dass für den Zugang zu einem qualifizierten aktiven Management operative Vorteile geopfert werden, die sie von modernen Anlagestrukturen erwarten.

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