Konsum Kinder im Sammelfieber

Wir sammeln und tauschen seit Beginn der Menschheit. Können Kinder etwas lernen, wenn sie von diesem Urinstinkt gepackt werden?

Muscheln, Steine, Fussballbildchen oder Beyblade: Wenn Kinder ins Sammelfieber geraten, gibt es meist kein Halten mehr. Bereits die Kleinsten sammeln Dinge, die sie in der Natur finden: Blätter, Schnecken oder Steinchen werden stundenlang und mit hoher Konzentration «gejagt». Das Beste daran: Man darf sie einfach mit nach Hause nehmen, gratis! Schon in diesem Alter zeigt sich, wie stolz Kinder auf ihre Sammlungen sein können, und dass über das Sammeln auch viele soziale Interaktionen stattfinden. Man kann seine schönsten Schneckenhäuschen den anderen Kindern zeigen, mit den Geschwistern Muscheln tauschen oder für die selber gepresste Blättersammlung Anerkennung erhalten.

Tauschen statt kaufen?

Im Schulalter wird das Sammeln dann zunehmend mit System betrieben, und auch das Tauschen folgt einem entsprechenden Regelwerk. Objekte werden kategorisiert, schön säuberlich geordnet, und bis ins letzte Detail verglichen. Dabei kommen auch immer mehr Sammelobjekte ins Spiel, die man nicht mehr umsonst in der Natur findet. Stickers, Fussballbildchen oder Spielfiguren haben alle ihren Preis. Doch wie sollen diese stetig wechselnden Sammelleidenschaften finanziert werden? Durch das Sammeln kann ein Kind viel lernen. Doch das soll nicht heissen, dass die Eltern deswegen gleich alles subventionieren müssen. Im Schulalter erhalten viele Kinder ein Taschengeld. Damit haben sie einen eigenen finanziellen Handlungsspielraum und können sich auch an Sammelaktivitäten beteiligen, die mit Kosten verbunden sind. Die Anzahl der Sammelobjekte fällt vielleicht etwas knapper aus, dafür wird das wichtige Tauschen und Feilschen mit den Freunden gefördert. Und Letzteres ist sowieso befriedigender, als wenn man sich alles kaufen kann.

Sammel-Hypes: mitmachen oder ziehen lassen?

Sie geben Ihrem Kind noch kein Taschengeld, möchten ihm aber trotzdem hin und wieder ermöglichen, bei einem Sammel-Hype mitzumachen? Dann empfiehlt es sich, den Handlungsspielraum vorher gemeinsam festzulegen. Welcher Betrag steht zur Verfügung, und wo liegt die Schmerzgrenze? So lernen die Kinder auch, dass die Sammelobjekte einen finanziellen Wert haben, und dass man nicht endlos zum Kiosk laufen kann, um seine Sammlung zu erweitern. Ausserdem sollte man nicht vergessen: Das Ziel einer Sammlung ist nicht primär die Vollständigkeit, sondern das Suchen, das Jagen und das Tauschen.

Von Sammelaktion zu Sammelaktion

Und dann wären natürlich auch noch die stetig wechselnden Kinderaktionen der Grossverteiler. Je mehr man einkauft, desto grösser die Belohnung in Form von Sammelobjekten. Egal, ob Sie sich selbst auch vom Sammelvirus anstecken lassen oder nicht: Es ist sinnvoll, mit den Kindern über die Verkaufsinteressen zu sprechen, die hinter solchen Aktionen stecken. Schliesslich wachsen Kinder in einer Welt mit zahlreichen Kundenbindungsprogrammen und Werbeaktionen auf. Wenn die Kleinen lernen, solche Aktionen zu hinterfragen, wird es ihnen leichter fallen, später mündige Konsumentscheide zu treffen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sammeln ist ein Lernfeld. Lassen Sie ihrem Kind Spielraum. Ausser wenn Ihre Badewanne plötzlich voller Schnecken ist.
  • Das Sammeln ermöglicht dem Kind auch die Kontaktaufnahme mit anderen Kindern und Erfolgserlebnisse. Gleiches Interesse verbindet.
  • Mit einer Sammlung lernt man Fachwissen, genaues Hinsehen und Vergleichen, Kategorisieren und das Erkennen eines Tauschwerts.
  • Nicht jedes Sammelfieber muss von den Eltern finanziert werden. Auch mit dem eigenen Taschengeld lassen sich Stickers oder Fussballbilder kaufen.
  • Viele Sammlungen sind kostenlos zu haben. Falls Ihr Kind bei kommerziellen Sammelaktionen mitmacht, kann es interessant sein, auszurechnen, was beispielsweise ein volles Sticker-Album kostet.
  • Falls Sie als Familie bei Sammelaktionen von Grossverteilern mitmachen, sprechen Sie mit Ihrem Kind auch über die Absichten der Anbieter.

Die pädagogischen Grundsätze von UBS

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Pädagogin Marianne Heller entstanden, mehrjährige Leiterin eines Programmes zur Finanzerziehung und Schuldenprävention für Kinder und Jugendliche.

Kids-Newsletter

Spiel, Spass und Infos zum UBS Kids Cup

Interessant für Sie

Einkaufen mit den Kleinen – Mission possible?