Roland Halter
Head of M&A and Succession Planning, UBS Switzerland

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Anteil von KMU in der Schweiz, die sich als Familienunternehmen bezeichnen, sinkt kontinuierlich.
  • Familienunternehmen, die ihre Nachfolgeplanung frühzeitig angehen, haben deutlich mehr Handlungsoptionen.
  • Die Erstellung eines Notfallplans ist ein sinnvoller Schritt im Rahmen einer Nachfolgeplanung, um wichtige Fragen rund um die Nachfolge zu klären.
  • Externe Experten können viel Mehrwert schaffen. Dennoch sind Unternehmen zurückhaltend, Beraterinnen und Berater in den Prozess einzubeziehen.

Die UBS Nachfolgestudie 2026 zeigt, dass der Anteil von Familienunternehmen in der Schweiz seit 2013 deutlich gesunken ist. Pascal Zumbühl, Sie sind Mitautor der Studie: Wie erklärt sich diese Entwicklung?

Pascal Zumbühl: Es gibt Anzeichen dafür, dass weniger Familienunternehmen gegründet werden als früher. Zudem finden viele bestehende Familienunternehmen innerhalb der Familie oft keine Nachfolger. Hierfür kann es unterschiedliche Gründe geben:

  • Nicht können: Die Nachfolgegeneration verfügt oft nicht über ausreichend Kapital für die Übernahme. Kann der Firmeninhaber die familieninterne Nachfolge nicht durch Schenkung oder Erbvorbezug erleichtern, müssen alternative Lösungen gefunden werden. Zudem zweifeln potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger daran, dass sie fachlich und persönlich für die Übernahme geeignet sind, und ziehen sich stillschweigend aus dem Auswahlprozess zurück.
  • Nicht wollen: Die Nachfolgekandidatinnen und -kandidaten zeigen zwar insgesamt ein grosses Interesse an einer Unternehmensnachfolge, die Hälfte zieht jedoch auch alternative Karrierewege ausserhalb des Familienunternehmens in Betracht. In unserer Multioptionsgesellschaft stehen ihnen vielfältige Möglichkeiten offen – beispielsweise die Gründung eines eigenen Unternehmens.
  • Nicht dürfen: Innerhalb einer Familie gibt es häufig mehrere potenzielle Nachfolgekandidatinnen und -kandidaten sowie pflichtteilgeschützte Erben, was den Handlungsspielraum im Nachfolgeprozess einschränken kann. Weit verbreitet ist etwa das Leitprinzip der Gleichbehandlung aller Nachkommen. Bei einer strengen Auslegung führt dieses allerdings rasch zu Spannungen. Vor allem, wenn die Interessen und die unternehmerische Eignung der Nachfolgekandidaten unterschiedlich sind.

Marco Oliverio, sehen Sie als Nachfolgeberater in der Praxis weitere Gründe für diese Abnahme?

Marco Oliverio: Ja, die Erfahrung zeigt, dass eine familieninterne Nachfolge mit jeder Übergabe komplexer wird. Während in der ersten Generation meist nur wenige Beteiligte involviert sind, wächst der Kreis in der zweiten und dritten Generation schnell auf eine Vielzahl von Eigentümerinnen und Eigentümern mit unterschiedlichen Interessen und Erwartungen an.

Dadurch verkleinert sich der Spielraum für tragfähige Lösungen zunehmend, es wird anspruchsvoller, eine Einigung zu finden. In der Praxis führt das oft dazu, dass ein externer Verkauf nicht mehr nur eine Option, sondern die realistischste Form der Weitergabe wird – auch wenn der Wunsch vieler Familien weiterhin ist, das Unternehmen in der Familie zu halten.

  • 67 %

    der KMU in der Schweiz bezeichnen sich in der UBS Nachfolgestudie 2026 als Familienunternehmen. Im Jahr 2013 waren es noch 81 Prozent.

Bevorzugen die befragten Familienunternehmen in der Studie eher ein Management-Buy-out (MBO) oder den Verkauf an Externe, wenn die Firma nicht in Familienhand bleibt?

Pascal Zumbühl: Unsere Studie zeigt, dass bei der Eigentumsübergabe ein Verkauf an Aussenstehende gegenüber einem MBO leicht bevorzugt wird. Bei der Weitergabe der Geschäftsführung ist das Verhältnis ausgeglichen.

Häufig beobachten wir in der Praxis eine Kombination: Das Eigentum wird sowohl an externe private Investoren als auch langjährige Mitarbeitende übertragen. Das kann eine gute Lösung sein, denn das bestehende Management kennt das Unternehmen, die Mitarbeitenden und die Geschäftspartner bereits bestens. Gleichzeitig bringen Aussenstehende frische Perspektiven und neue Impulse ein – was zusätzliche Wachstumspotenziale eröffnet.

Letztlich hängt die Wahl des Nachfolgewegs von der individuellen Ausgangslage des Unternehmens ab, etwa welche Optionen überhaupt zur Verfügung stehen, sowie von den persönlichen und unternehmerischen Zielen des Inhabers oder der Inhaberin.

Welche Vor- und Nachteile haben die zwei Varianten konkret?

Pascal Zumbühl: Der Verkauf an Aussenstehende führt häufig zu einem höheren Verkaufspreis und ermöglicht, wie bereits erwähnt, frische Impulse und neue Perspektiven im Unternehmen. Die Übergabe an langjährige Mitarbeitende hingegen schafft Kontinuität und Stabilität, auch bei der Unternehmenskultur. Allerdings besteht dabei das Risiko einer gewissen Betriebsblindheit.

Marco Oliverio: Aus Beratungssicht zeigt sich: Ein MBO ist in der Umsetzung anspruchsvoll. Die internen Kandidatinnen und Kandidaten kennen das Unternehmen zwar sehr gut, verfügen aber nicht immer über die finanziellen Mittel, um einen Unternehmenskauf aus eigener Kraft zu stemmen. Viele befinden sich in einer Lebensphase mit hohen privaten Verpflichtungen – etwa gegenüber der Familie, durch Wohneigentum oder durch laufende Vorsorge- und Lebenshaltungskosten.

Für Verkäuferinnen und Verkäufer bedeutet das, dass ein MBO oft mehr Flexibilität verlangt: sei es bei der Preisgestaltung, bei den Zahlungsmodalitäten oder durch Verkäuferdarlehen. Damit bleibt die abgebende Generation unter Umständen länger finanziell engagiert und trägt einen Teil des Transaktionsrisikos weiter. Ein Verkauf an Externe ist in dieser Hinsicht häufig einfacher strukturierbar, setzt aber voraus, dass das Unternehmen organisatorisch und personell gut auf die Übergabe vorbereitet ist.

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Wie läuft in Familienunternehmen der Entscheid für eine externe Nachfolge ab?

Marco Oliverio: Das ist ein langer Prozess. Meist läuft er in drei Stufen ab. Zunächst suchen Unternehmerinnen und Unternehmer nach einer familieninternen Lösung. Zeichnet sich ab, dass das nicht funktioniert, stellt sich als Nächstes die Frage eines MBOs. Und erst wenn diese Option nicht möglich ist, rückt der Verkauf an Externe in den Fokus.

Jede dieser Phasen kann mehrere Jahre dauern. So vergehen oft acht bis zehn Jahre, bis die Firma tatsächlich verkauft ist.

Beginnen Unternehmerinnen und Unternehmer früh genug mit der Nachfolgeplanung?

Pascal Zumbühl: Viele unterschätzen, wie langwierig und anspruchsvoll der Nachfolgeprozess tatsächlich ist. Eine familieninterne Nachfolge kann sich problemlos über zehn Jahre erstrecken, während eine Übergabe an Mitarbeitende im Schnitt etwa fünf Jahre dauert.

Hinzu kommt, dass rund 80 Prozent der Inhaber als Firmengründer noch wenig Erfahrung mit dem Nachfolgethema haben – und der Abschied vom eigenen Lebenswerk ist ohnehin emotional oft sehr belastend. Das alles führt dazu, dass der Übergabezeitpunkt immer wieder herausgezögert wird. Sinnbildlich dafür ist, dass 21 Prozent der 65- bis 90-jährigen Firmeninhaber in unserer Umfrage noch keinen konkreten Übergabetermin nennen konnten.

Dabei gilt: Wer die Nachfolge frühzeitig plant, schafft sich wertvolle Handlungsspielräume. Ein Beispiel: Hat die Inhaberin eines Familienunternehmens rechtzeitig für den eigenen Ruhestand vorgesorgt, ist sie weniger auf einen hohen Verkaufserlös angewiesen. Dadurch hat sie mehr Möglichkeiten, bei einer Übergabe dem Nachfolger preislich entgegenzukommen.

Schlussendlich besteht für attraktive und transferierbare Unternehmen das Hauptrisiko bei der Nachfolge nicht im Scheitern, sondern in einem unbefriedigenden Ausgang aufgrund mangelnder Vorbereitung. 

Ausserdem sind sie nicht ausreichend vorbereitet, falls etwas Unvorhergesehenes passiert.

Marco Oliverio: Das ist ein wichtiger Punkt. Generell gilt: Je früher man mit der Planung anfängt, desto besser. Sinnvoll ist es zudem, von Anfang an mehrere Nachfolgeoptionen zu prüfen – etwa die Weitergabe innerhalb der Familie und einen Verkauf an Dritte. Das schafft Flexibilität und kann den Prozess deutlich verkürzen.

Wir empfehlen ausserdem, frühzeitig einen Notfallplan zu erstellen – gewissermassen eine Patientenverfügung für das Unternehmen. Er schafft Klarheit für den Fall, dass zentrale Entscheidungsträger plötzlich ausfallen, und beantwortet aus Sicht der Unternehmerin oder des Unternehmers drei entscheidende Fragen:

  • Wer darf in meinem Namen entscheiden?
  • Wie bleibt die Firma handlungsfähig?
  • Wie sind Nachfolge und Erbe geregelt?

Wer diese Punkte rechtzeitig klärt, reduziert Unsicherheiten für Familie, Mitarbeitende und Geschäftspartner – und legt zugleich ohne Zeitdruck eine wichtige Grundlage für eine geordnete Nachfolgeplanung.

Was gilt es bei der Vorbereitung des Unternehmens auf einen Verkauf zu beachten?

Marco Oliverio: Grundsätzlich gilt: Wenn der Verkauf an eine externe Person ansteht, muss auch das Unternehmen darauf vorbereitet sein.

Wir sehen oft, dass sich Vermögenswerte in der Firma befinden, die für den Betrieb nicht notwendig sind – etwa Immobilien, Grundstücke oder private Sammlungen. Solche Positionen sollten vor dem Verkauf bereinigt werden.

Zudem ist eine saubere Dokumentation aller Abläufe und Vereinbarungen, sowohl intern als auch extern, zentral. Erst wenn die Übertragungsfähigkeit gewährleistet ist, wird das Unternehmen für externe Käufer wirklich attraktiv – und nur dann lässt sich der optimale Preis erzielen.

Welche Rolle spielt eine externe Beratung bei der Nachfolgeplanung?

Pascal Zumbühl: Externe Berater sind extrem wichtig. Denn die Nachfolge tangiert schnell verschiedene rechtliche, steuerliche, strategische, organisatorische und finanzielle Bereiche. Spezialisten können helfen, diese Komplexitäten zu reduzieren.

Spannend ist, dass sich Firmeninhaberinnen und -inhaber in der Nachfolgestudie diesbezüglich eher skeptisch geäussert haben. Nur 28 Prozent gaben an, dass sie bereit sind, externe Beraterinnen und Berater im Nachfolgeprozess einzubinden.

Der wichtigste Grund gegen ihren Beizug sind dabei die Kosten. Diese können sich in der Gesamtabrechnung allerdings als sinnvolle Investition erweisen. Beispielsweise, wenn durch den Beizug der externen Fachleute die Chancen auf eine erfolgreiche Nachfolge steigen oder ein besserer Verkaufspreis erzielt werden kann.

Gibt es andere externe Plattformen, die Inhaberinnen und Inhabern von Familienunternehmen den Verkauf vereinfachen?

Pascal Zumbühl: Ja, Nachfolgebörsen sind ein sehr gutes Beispiel. Die Teilnahme bietet verkaufswilligen Unternehmerinnen und Unternehmern Zugang zu einem grossen Kreis an Interessenten, was die Chancen auf einen attraktiven Verkaufspreis erhöht. Gemäss unserer Umfrage zeigen sich insbesondere ältere Inhaberinnen und Inhaber noch zurückhaltend, während jüngere Generationen offener sind. 

UBS Opportunity hub

Der UBS Opportunity hub bringt Unternehmerinnen und Unternehmer, die eine externe Nachfolgelösung suchen, mit Investorinnen und Investoren zusammen. Im Fokus stehen Schweizer KMU mit einem Unternehmenswert von 2 bis 12 Millionen Franken.

Wie profitieren Familienunternehmen vom Know-how externer Beraterinnen und Berater ganz konkret?

Marco Oliverio: Die Weitergabe der eigenen Firma ist für Unternehmerinnen und Unternehmer eine Ausnahmesituation – viele durchlaufen diesen Prozess nur einmal. Für spezialisierte Beraterinnen und Berater hingegen gehört der Nachfolgeprozess zum Alltag. Entsprechend kennen sie typische Stolpersteine, bringen Struktur in den Prozess und helfen, frühzeitig verschiedene Optionen zu entwickeln.

Sie begleiten das Unternehmen dabei Schritt für Schritt – von der Sicherstellung der Übertragbarkeit über die Suche nach der passenden Käuferschaft bis hin zur Beantwortung von steuerlichen und vermögensbezogenen Fragestellungen.

Wir arbeiten bei UBS mit einem internen Team, das alle relevanten Kompetenzen abdeckt. Der E&E-Desk oder der zuständige Firmenkundenbetreuer begleitet Unternehmerinnen und Unternehmer oft bereits fünf bis zehn Jahre vor der geplanten Übergabe und führt sie strukturiert durch die Nachfolge – immer mit dem Ziel, dass am Ende die bestmögliche Nachfolgelösung umgesetzt wird, ob innerhalb der Familie, im Unternehmen oder mit externen Käufern.

Fazit: Familienexterne Nachfolge gewinnt an Bedeutung

Die Nachfolge gehört für viele Familienunternehmen zu den anspruchsvollsten strategischen Entscheidungen.

  • Zahlreiche Gründe können zum Scheitern einer familieninternen Nachfolgelösung führen: von mangelnden (wahrgenommenen) Fachkenntnissen und Ressourcen über fehlendes Nachfolgeinteresse bis hin zu strukturellen und familiären Rahmenbedingungen.
  • Management-Buy-outs bieten Kontinuität und Stabilität, die Finanzierung gestaltet sich jedoch für unternehmensinterne Nachfolgerinnen und Nachfolger oft schwierig.
  • Ein Verkauf an externe Käuferinnen und Käufer kann neue Impulse und einen höheren Verkaufspreis bringen.
  • Je früher Unternehmerinnen und Unternehmer mit der Nachfolgeplanung beginnen, desto mehr Handlungsoptionen bleiben ihnen offen.
  • Ein Notfallplan schafft zusätzliche Sicherheit, falls Entscheidungsträgerinnen oder Entscheidungsträger plötzlich ausfallen.
  • Eine externe Beratung begleitet den gesamten Prozess strukturiert. Das hilft, Stolpersteine frühzeitig zu erkennen und aus dem Weg zu räumen.
  • Zudem stellen externe Berater sicher, dass die Nachfolge im Tagesgeschäft nicht untergeht.

Mit einer frühzeitigen Planung lassen sich persönliche Ziele, familiäre Interessen und die Bedürfnisse des Unternehmens in Einklang bringen.

Pascal Zumbühl

Pascal Zumbühl

Ökonom im Global Wealth Management bei UBS

Pascal Zumbühl stiess im Oktober 2023 zu UBS, nachdem er zuvor vier Jahre im Research bei der Credit Suisse gearbeitet und verschiedene Analysen zur Unternehmenslandschaft Schweiz gemacht hatte. Er ist Mitautor der UBS Nachfolgestudie 2026 und verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Forschung zu Start-ups, KMU, Nachhaltigkeit in der Unternehmenswelt sowie Nachfolgeregelungen.

Daniel Stampfli

Marco Oliverio

Executive Director UBS Corporate Finance / Head SME Succession/MBI

Marco Oliverio leitet seit dem 1. August 2026 die Nachfolgeberatung für KMU bei UBS. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bankwesen, insbesondere bei strukturierten Finanzierungen für multinationale Unternehmen, und stiess nach der Fusion mit Credit Suisse im Jahr 2023 zum M&A-Team der Bank. Seither begleitet er Unternehmen vertrauensvoll bei Firmenverkäufen und der Nachfolgeplanung.

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