Lohnen sich Hedgefonds immer noch?
Wie sich wandelnde Fondsstrukturen, Anlegeranforderungen und Cross-Asset-Innovationen auf das Wertversprechen von Hedgefonds auswirken

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Wie sich wandelnde Fondsstrukturen, Anlegeranforderungen und Cross-Asset-Innovationen auf das Wertversprechen von Hedgefonds auswirken

In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden Hedgefonds unzählig oft als tot, wiederauferstanden, ersetzt und neu erfunden erklärt. Und die Debatte hält auch im Jahr 2025 an: Lohnen sich Hedgefonds angesichts ihrer Komplexität und Kosten noch?
Diese Frage zeigt genau die Ansichten der Allokatoren in Bezug auf Risiko, Liquidität und die Grenzen zwischen traditionellem und alternativem Engagement. Multi-Strategie-Plattformen werden immer grösser und ähneln zunehmend globalen Vermögensverwaltern. Zugleich versuchen spezialisierte Single-Strategie-Fonds, ihren Mehrwert in einem Umfeld, in dem es nur wenig Alpha gibt und die Geduld der Anleger von kurzer Dauer ist, unter Beweis zu stellen. Und die Dachfonds, die zuvor der standardmässige Zugang zu Hedgefonds waren, müssen ihre Relevanz rechtfertigen, da mittlerweile der direkte Zugang sowie auch die operative und Liquiditätseffizienz einen hohen Stellenwert einnehmen.
Dies führt zu einer ausgefeilteren Branche, die sich zugleich konsolidiert und fragmentiert. Dabei wird sie also zugleich grösser aber auch eher zu einer Nischenanlage.
Zweiteilung der Branche
Im letzten Jahrzehnt ging es vor allem um das Überleben, im aktuellen Jahrzehnt geht es nunmehr um Divergenz. Die Hedgefonds unterteilen sich im Wesentlichen in zwei Modelle:
Die Grösse ist mittlerweile ein Wettbewerbsvorteil, zugleich aber auch eine Voraussetzung. Regulatorische Kosten, Konformitätsanforderungen, Wettbewerb um Talente und die operativen Erwartungen institutioneller Anleger haben die Einstiegsbarrieren für neue Einführungen erhöht. Um institutionelles Kapital wirklich anziehen zu können, braucht ein Hedgefonds eine institutionelle Infrastruktur: hochwertige Anlageanalysen, Daten-Pipelines mit Standardisierungs- und Bereinigungsprozessen, Cybersicherheitsprotokolle, robuste Risikorahmen, die in die Handelssysteme integriert sind, und ein CFO-Reporting.
Dies spielt Multi-Strategie-Riesen in die Karten. Ihre Skaleneffekte ermöglichen ausgefeilte Analysen, strategieübergreifende Kapitalallokation, eine gute Anziehungskraft für Talente und tiefgreifende operative Ressourcen. Ihre Grösse kann jedoch auch einen Preis haben, denn dabei wird es schwieriger, flexibel zu bleiben oder echte Innovationen zu fördern.
Netto-Allokationspläne der Anleger (2. HJ25 vs. 1. HJ25), % der Befragten

Der Aufstieg und die Schwierigkeiten eines Multi-Strategie-Modells
Multi-Strategie-Plattformen haben den grössten Beitrag zum Wachstum des verwalteten Vermögens von Hedgefonds geleistet. Mittlerweile ähneln die grössten dieser Unternehmen zunehmend diversifizierten Vermögensverwaltern, da sie mit mehreren internen und externen Trading-Teams arbeiten, als traditionellen Hedgefonds.
Ihr Modell bietet eindeutige Vorteile: stabile Infrastruktur, diversifizierte Erträge und disziplinierte Risikoplanung. Die «Pod»-Struktur bietet talentierten Portfoliomanagern die Möglichkeit, sich auf die Generierung von Alpha zu konzentrieren, ohne sich gleichzeitig um einen Unternehmensbetrieb kümmern zu müssen.

Der Erfolg bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich. Die Multi-Strategien haben zwar ein Wachstum verzeichnet, die Anforderungen ihrer Anleger haben sich jedoch auch verschärft. Der Druck auf die Gebühren steigt: Pass-Through-Kostenmodelle werden zum Standard und der Kampf um neue Talente ist erbittert. Multi-Strategie-Manager müssen die ihren PMs gewährte Autonomie ständig anpassen und zugleich das Risiko im Unternehmen auf einem kohärenten Niveau halten. Zu viel Ermessensspielraum könnte in Stressphasen zu einem Anstieg der Korrelation führen. Nur wenige und die besten Trader legen ihre eigenen Fonds auf oder steigen bei flexibleren Plattformen ein.
Diese Unternehmen erschliessen neue Anlageklassen wie Rohstoffe, Kredite, Quant und sogar die privaten Märkte, weshalb die Komplexität des strategieübergreifenden Risikomanagements zunimmt. Die Aufnahme eines Relative Value-Sleeves für Kredite oder eines systematischen Macro-Books bedarf nicht nur Kapital, sondern auch eine tiefgreifende Fachkenntnis sowie eine Kultur der gemeinsamen Disziplin.
Die Allokatoren müssen sich nicht mehr fragen, ob Multi-Strategien funktionieren, denn sie funktionieren. Die Frage ist eher, welche Strategien rechtfertigen ihre steigenden Kostenstrukturen, ihre längeren Liquiditätsbedingungen und ihre begrenzte Kapazität. Es ist nun mehr denn je die Aufgabe der Allokatoren, dies herauszufinden.
Single-Strategie-Fonds: anpassen oder untergehen
Andererseits haben Single-Strategie-Hedgefonds mit einer Identitätskrise zu kämpfen. Reinen Macro- oder Event-Driven-Fonds kam zuvor die Volatilität zugute, nun haben sie jedoch mit einem ungleichen Chancenspektrum und den kürzeren Anlagehorizonten der Anleger zu kämpfen.
Wenn man im aktuellen Umfeld Alpha liefern möchte, gilt es, zwei Anforderungen zu erfüllen: sich von der Masse abheben und anpassen können. Die Single-Strategie-Manager mit der besten Performance spezialisieren sich (notleidende Kredite in Nischenregionen, Energiewende-Trades oder Spreads komplexer Fusionen) und nutzen die Technologie, um die Ausführung zu verbessern sowie die Tiefe ihres Researchs zu steigern.
Das Überleben wird jedoch zugleich durch die Flexibilität bedingt. Die Volatilität in den 2020er Jahren kam statischen Managern nicht zugute. Die Manager müssen in Abhängigkeit der Chancen im aktuellen Marktumfeld ihr Engagement dynamisch anpassen können.
Die Allokatoren sind oftmals aufgrund ihrer Reinheit interessant. Ein Single-Strategie-Fonds kann ein unkorreliertes Engagement in einer spezifischen Risikoprämie bieten, die sogar die grössten Multi-Strategie-Fonds intern nicht nachbilden können. Diese können in spezifische Chancen oder Marktzyklen unterteilt werden, wodurch die Allokatoren ihren Kernportfolios ein höheres taktisches Wertsteigerungspotenzial hinzufügen können. Der Trade-off dabei könnte eine höhere Volatilität, eine begrenzte Kapazität und eventuell auch ein Risiko von Schlagzeilen sein.
Dachfonds erfinden sich neu
Für zahlreiche Anleger waren die Dach-Hedgefonds der eigentliche Einstiegspunkt in alternative Anlagen. Mittlerweile müssen sie ihren grundlegenden Zweck jedoch neu definieren. Die Diversifikation reicht nun nicht mehr aus, da die Anleger direkten Zugang zu den besten Managern, auch über Managed Accounts, erlangen.
Die Marktführer sind Multi-Alternative-Allokatoren geworden und bieten oftmals einen strategischen Zugang sowie ein Engagement in frühe Phasen, die sogar für grosse Institutionen schwer zugänglich sind. Ihr Wertversprechen geht von Aggregation zu Kuratieren über.
Sie haben oftmals Zugang zu geschlossen Fonds, handeln individuelle Bestimmungen aus und implementieren Overlays wie den Schutz vor Extremrisiken oder eine dynamische Neugewichtung, wodurch die Volatilität in den Portfolios geglättet werden kann. Ihre weltweiten Netzwerke und Beziehungen zu Institutionen können es ihnen ermöglichen, aufkommende Talente als erste zu entdecken, und sie verfügen darüber hinaus über das Potenzial, die Anlegen mit günstigen Liquiditäts- oder Gebührenbestimmungen zu strukturieren.
Zugleich dienen Dach-Hedgefonds zunehmend als strategische Partner für Multi-Strategien. Eine Möglichkeit besteht darin, PM-Teams nach einer Exklusivitätsphase mit einem Multi-Strategie-Unternehmen ein Start- oder «Spin-out»-Kapital zu liefern. Eine weitere besteht darin, strategiespezifische Fonds (sog. «Spin-ins») gemeinsam zu entwickeln, die einem breiteren Multi-Strategie-Rahmen unterliegen. Dieser eher hybride Aufbau verwischt die traditionellen Grenzen zwischen Allokatoren und Multi-Strategie-Hedgefondsmanagern, was bei alternativen Anlagen immer häufiger ein Thema ist.
Quant-Strategien und die neue Grenze
Quantitative Strategien, ob nun auf statistischem Arbitrage, maschinellem Lernen oder systematischen Macro-Ansätzen beruhend, machen mittlerweile einen grossen Teil der Kapitalflüsse in der Branche aus. Ihr Vorteil liegt nicht nur in der Datenwissenschaft sondern auch in ihrer verhaltensbezogenen Neutralität, da quantitative Modelle bestrebt sind, Ineffizienzen zu nutzen, die diskretionäre Manager vielleicht nicht betrachten.
Der Quant-Faktor-Effekt von Anfang der 2010er Jahre ist zu einem Infrastrukturvorteil gereift. Grosse Unternehmen mit skalierbaren Datenpipelines und fortschrittlichen Analysen weisen kumulierte Vorteile auf, die kleine Akteure nicht replizieren können. In volatilen Märkten bieten diese systematischen Prozesse eine Art der Risikokontrolle, die diskretionäre Einblicke eher ergänzt als sie zu ersetzen.
Die Herausforderung besteht in der Governance: Angleichung der Liquiditätsbestimmungen an die zugrunde liegenden Engagements, Handhabung der Bewertungstransparenz und Vermeidung der zu hohen Konzentration in einem bestimmten Anlagestil. Manche alternative Strategien verlangen aufgrund illiquider Positionen Liquiditätsanforderungen, andere wiederum tun dies, da die Nachfrage nach ihrem Fonds ihre Kapazität übersteigt, wodurch sie eine längerfristige Kapitalbasis erlangen können. Für Anleger, die eine gewisse Illiquidität akzeptieren, ist das Renditepotenzial jedoch interessant.
Die Chancen sind hier eher am Scheideweg zwischen Multi-Strategien/Plattformen und Dach-Hedgefonds zu finden, da bei einer erfolgreichen Lancierung Kosten, Komplexität und unternehmerische Fähigkeiten eine wichtige Rolle spielen. Diese exklusiven Beziehungen können wie folgt strukturiert werden: individueller Quant-Fonds mit Multi-Strategien, die eine direkte Monetisierung des Alpha in frühen Phasen ermöglichen, und Strategien mit einer höheren Sharpe Ratio. Das Ganze hat jedoch einen Haken, da bei diesen früheren Lancierungen höhere Kosten entstehen können, der Beginn des Teamaufbaus schwierig sein kann und die Generierung von Alpha aus kleinen Strategien im Vergleich zu beständigen, gänzlich etablierten Kapazitäten geringer ausfällt. Und genau dort können Dach-Hedgefonds ihre Beziehungen zu Multi-Strategien nutzen und der bevorzugte Kapitalanbieter für diese Quant-Spin-outs sein, da sie das Risiko verringern und ein reiferes Alpha- und Risikoangebot schaffen können. Dies ist ein Bereich, auf den sich die Community der Dach-Hedgefonds aktuell besonders konzentriert.
Strukturelle Verschiebungen gestalten das Chancenspektrum neu
Mehrere langfristige Kräfte bieten eine neue Definition der Hedgefonds, und wie diese in institutionelle Portfolios passen:
Mobilität der Talente: Portfoliomanager können ganz einfach zwischen Pod-Shops, Single-Strategien und Allokatoren wechseln. Sie haben zwar gute Chancen auf eine Karriere, der Wettbewerb um Fachkompetenzen ist jedoch gnadenlos.
Institutionalisierung der Weitergabe der Kosten: Was noch als Experiment begann, ist in der Branche mittlerweile zum Standard geworden und verändert die operative Transparenz gegenüber den Anlegern, verringert zugleich jedoch auch die Nettorenditen.
Hybride Geschäftsmodelle: Multi-PM-Unternehmen gehen auf diskretionäre Macro-Strategien über, Quant-Unternehmen stellen Trader für Strategien wie Fundamental, Intrinsic, Relative and Valuation (FIRV) oder Rohstoffe ein, traditionelle Credit-Shops führen systematische Overlays ein.
Technologie als Infrastruktur für Alpha: Datenanalysen, alternative Datensätze und Tools zur Veranschaulichung der Risiken sind nun eher Wettbewerbsvorteile als die direktionale Überzeugung alleine.
Kundenerwartungen: Die Anleger wollen individuelle Gestaltung, Optionalität bei der Liquidität, bessere Cash-Effizienz und geringere Korrelation, zugleich aber auch ein beständiges Alpha, das einige Prozentpunkte über der Barrendite liegt. Die Hedgefonds müssen diesen Bedarf decken, da sie ansonsten zum Allerweltsprodukt werden.
Kurz ausgedrückt: Das Ökosystem der Hedgefonds entwickelt sich von einer Reihe unabhängiger Boutiquen hin zu einer integrierten Schicht im breiter gefächerten Umfeld der Vermögensverwaltung.
Wo passen Hedgefonds jetzt rein?
Beim Portfolioaufbau muss zwischen der Diversifikation in Hedgefonds und der Diversifikation über ein Portfolio von Hedgefonds unterschieden werden. Eine gut gestaltete Multi-Strategie-Allokation kann die Volatilität verringern, kann aber zugleich auch das Aufwärtspotenzial begrenzen. Ein Single-Strategie-Engagement kann ein besseres Risiko-Rendite-Verhältnis bieten, es muss jedoch aktiv überwacht werden und man muss zugleich eine Streuung in Kauf nehmen.
Die Rolle der Hedgefonds in zahlreichen Portfolios geht vom «Renditeverbesserer» zum «Risikoverringerer» über. In einem Umfeld, in dem sowohl Aktien als auch Anleihen gleichzeitig Verluste verzeichnen können, sind idiosynkratische Renditen, ob nun durch Relative Value-Trades, Volatilitätsarbitrage oder opportunistischen Credit, zunehmend wertvoll.
Ein Blick in die Zukunft
Die nächste Generation der Anlagen in Hedgefonds wird nicht mehr durch Labels definiert, sondern durch die Integration von Daten, Disziplinen und Strukturen. Multi-Strategie-Plattformen werden wahrscheinlich weiter die besten Talente anziehen und ihre Anlagebasis erweitern, während spezialisierte Fonds in Phasen der Ineffizienz gut abschneiden könnten. Dach-Hedgefonds werden wahrscheinlich in Richtung Partnerschaft und Finanzierung der frühen Phasen umdenken. Zudem dürfte die Konvergenz von Multi-Strategien und Dach-Hedgefonds anhalten, da die Anleger zunehmend Transparenz, individuelle Gestaltung und präzise Liquidität verlangen.
Für die Allokatoren wird der Erfolg davon abhängen, dass sie genau verstehen, wofür sie zahlen und welche Risiken sie eingehen möchten. Anders ausgedrückt: Hedgefonds sind nicht weiter eine monolithische Anlageklasse, sondern eher eine Möglichkeit für die Steigerung der Resilienz und Flexibilität der Portfolios. Sie scheinen sich nach wie vor zu lohnen. In einer Branche, die zunehmend durch Grösse, Technologie und Anpassung definiert wird, werden jedoch lediglich jene, die sie zu nutzen wissen, erfolgreich sein können.

Alternative alpha