Gilles Rouvinez
Segment Manager Personal Banking

Das Wichtigste in Kürze

Zinsbewegungen beeinflussen Obligationen direkt – mit dem richtigen Verständnis lassen sich Chancen und Risiken jedoch besser einordnen.

  • Steigende Zinsen führen in der Regel zu fallenden Obligationenkursen, sinkende Zinsen meist zu steigenden Kursen.
  • Besonders zinssensibel sind Anleihen mit langer Laufzeit und hoher Duration.
  • Wer Obligationen bis zur Fälligkeit hält, ist von zwischenzeitlichen Kursschwankungen meist weniger betroffen.
  • Diversifikation und eine passende Laufzeitenstruktur helfen, Zinsrisiken im Portfolio zu steuern.

Wie reagieren Obligationen auf Zinsentwicklungen?

Obligationen, auch Anleihen oder Bonds genannt, gehören zu den einfacheren Anlageformen: Beim Kauf ist bekannt, wie hoch der Zins ist und wann das investierte Geld zurückbezahlt wird. Das heisst, Anlegerinnen und Anleger erhalten am Ende der Laufzeit den Nennwert zurück.

Während der Laufzeit kann sich der Kurs einer Obligation jedoch verändern. Massgeblich dafür ist das Zinsumfeld. Besonders stark fallen die Kursschwankungen bei Obligationen mit längeren Laufzeiten aus, da ihr Zinssatz über einen längeren Zeitraum fix ist.

Das Zinsumfeld steht in engem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung:

  • Steigende Inflation führt häufig zu höheren Zinsen.
  • In wirtschaftlich schwächeren Phasen senken Zentralbanken wie die Schweizerische Nationalbank oder die Europäische Zentralbank die Leitzinsen oft.

Solche geldpolitischen Entscheidungen beeinflussen die Obligationenmärkte unmittelbar.

Steigende Zinsen: fallende Obligationenkurse

Wenn die Zinsen steigen, verlieren bestehende Obligationen an Wert. Neue Anleihen bieten dann höhere Coupons und werden für Investorinnen und Investoren attraktiver. Ältere Obligationen mit tieferem Zinssatz müssen deshalb über einen tieferen Kurs gehandelt werden, damit ihre Rendite wieder konkurrenzfähig wird.

Ein einfaches Beispiel: Eine bestehende Obligation mit 1-Prozent-Coupon verliert an Attraktivität, wenn neue Emissionen bereits 2 Prozent bieten. Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt bei lang laufenden Anleihen.

Fallende Zinsen: steigende Obligationenkurse

Sinken die Zinsen, steigt umgekehrt die Attraktivität bereits ausstehender Obligationen mit höherem Coupon. Die Nachfrage nach diesen Papieren nimmt zu, was ihre Kurse stützen oder erhöhen kann. Davon profitieren vor allem Anleihen mit längerer Restlaufzeit.

Spezialfall: variabel verzinsliche Anleihen

Sogenannte Floating Rate Notes passen ihren Zinssatz regelmässig an das aktuelle Marktniveau an. Dadurch sind sie bei steigenden Zinsen meist weniger anfällig für Kursverluste. Im Gegenzug profitieren sie in einem Umfeld fallender Zinsen in der Regel weniger stark von Kursgewinnen.

Klare Perspektive bis zur Fälligkeit

Für Anlegerinnen und Anleger sind Kursschwankungen vor allem dann relevant, wenn eine Obligation vorzeitig verkauft wird. Wer sie bis zur Fälligkeit hält, erhält in der Regel den Nennwert zurück. Um Zinsrisiken zu reduzieren, kann es sinnvoll sein, in Obligationen mit unterschiedlichen Laufzeiten zu investieren.

Wissen Sie Ihr Geld in guten Händen

Investieren Sie mit UBS und entscheiden Sie, wie viel Beratung Sie möchten und welche Entscheidungen Sie lieber selbst treffen. Wir freuen uns auf Sie.

  • Ausarbeiten einer Anlagestrategie
  • Auswählen der passenden Geldanlage
  • Überwachen des Portfolios

Welche Anleihenmerkmale beeinflussen die Zinsempfindlichkeit?

Wie stark eine Anleihe auf Veränderungen des Zinsniveaus reagiert, hängt von mehreren Merkmalen ab. Diese bestimmen, wie sensibel der Kurs auf steigende oder fallende Zinsen reagiert, und sind damit zentral für die Risikoeinschätzung im Portfolio.

Die Grafik zeigt verschiedene Zinskurven der Deutschen Bundesbank. Sie zeigen, welche Rendite Obligationen abhängig von der Restlaufzeit erzielen können.

Duration als zentrale Kennzahl

Die wichtigste Kennzahl zur Messung der Zinssensitivität ist die Duration. Sie zeigt, wie stark sich der Preis einer Anleihe verändert, wenn sich das Marktzinsniveau verschiebt. Grundsätzlich gilt: Je höher die Duration, desto empfindlicher reagiert eine Obligation auf Zinsänderungen.

Der Unterschied zwischen der Duration und der Laufzeit einer Obligation

Laufzeit 

Duration

  • Unter der Laufzeit einer Obligation versteht man den Zeitraum zwischen dem Zeitpunkt der Emission und dem Zeitpunkt der Tilgung des Wertpapiers.
  • Während der Laufzeit erhalten Anlegerinnen und Anleger einer Obligation in der Regel jährliche Zinszahlungen. Steigende oder sinkende Zinsen am Markt haben keinen Einfluss auf die Laufzeit der Obligation.
  • Am Ende der Laufzeit erhalten Anlegerinnen und Anleger ihr Kapital zurück, weitere Zinszahlungen erfolgen nicht mehr.
  • Unter der Duration einer Obligation versteht man die durchschnittliche Zeit, die es dauert, bis eine Anlegerin oder ein Anleger ihr bzw. sein in eine bestimmte Obligation investiertes Kapital zurückerhält.
  • Dabei werden die in der Zwischenzeit geleisteten Zinszahlungen berücksichtigt. Daher ist die Duration einer Obligation im Allgemeinen geringer als ihre Laufzeit.
  • Die Länge der Duration hängt also von der Häufigkeit der Zinszahlungen sowie deren Höhe ab. Je häufiger und höher die Zahlungen, desto kürzer die Duration.

Weitere Einflussfaktoren

Mehrere Eigenschaften einer Anleihe wirken sich direkt auf ihre Duration und damit auf die Zinssensitivität aus:

  • Konvexität: Sie beschreibt, wie sich die Duration selbst bei Zinsänderungen verändert. Anleihen mit hoher Konvexität reagieren bei starken Zinsbewegungen weniger linear und können Kursverluste teilweise abfedern.
  • Höhe des Coupons: Anleihen mit höheren Couponzahlungen weisen in der Regel eine tiefere Duration auf, da ein grösserer Teil der Rückflüsse früher erfolgt.
  • Laufzeit und Duration: Die Laufzeit zeigt, wann das Kapital zurückbezahlt wird. Die Duration misst den gewichteten Durchschnitt der Zahlungsströme. Zwei Anleihen mit gleicher Laufzeit können deshalb unterschiedliche Zinsrisiken aufweisen.
  • Credit Spread: Ist der Risikoaufschlag hoch, reagiert der Kurs oft stärker auf Veränderungen der Kreditwürdigkeit des Emittenten als auf das allgemeine Zinsniveau.

Die Zinsstruktur von Obligationen – vier Szenarien

Die Zinsstruktur bildet die Renditen gleichartiger Obligationen über verschiedene Restlaufzeiten ab. Als grafische Darstellung wird sie Zinsstrukturkurve oder Zinskurve genannt. Anlegerinnen und Anleger können an ihr ablesen, welche Rendite eine Obligation – abhängig von der Restlaufzeit – erzielen kann. Besonders relevant sind dabei Staatsanleihen. Bei der Zinsstruktur werden vier Varianten unterschieden:

  • Normale (steigende) Zinskurve: Bei dieser Zinsstruktur ist die Verzinsung umso höher, je länger die Laufzeit ist. Je länger Anlegerinnen und Anleger also auf ihr zur Verfügung gestelltes Geld verzichten, desto besser werden sie dafür entschädigt.
  • Flache Zinskurve: In einer flachen Struktur werden alle Restlaufzeiten zu gleichen Zinssätzen verzinst. Dies ist meist dann der Fall, wenn sinkende Zinsen erwartet werden.
  • Inverse (sinkende) Zinskurve: Hier nimmt die Verzinsung mit steigender Laufzeit ab. Werden für kurzfristige Anleihen hohe Zinsen gezahlt, deutet dies tendenziell auf eine bevorstehende Rezession hin.
  • Unregelmässige Zinskurve: eine Kombination der oben genannten Strukturen, zum Beispiel steigende Zinsen bei kurzfristigen Anleihen und fallende Zinsen bei langfristigen Anleihen.

Anlagestrategien für verschiedene Szenarien

Welche Anlagestrategie sinnvoll ist, hängt von den finanziellen Zielen, der Risikobereitschaft, dem Anlagehorizont und den Zinserwartungen ab. Im Bereich der Obligationen werden häufig drei Grundstrategien unterschieden.

Even-Ladder-Strategie

Die Infografik veranschaulicht die Even-Ladder-Strategie für Obligationen.

Bei dieser Strategie werden Anlagen möglichst gleichmässig über verschiedene Laufzeitsegmente verteilt. Fällige Positionen werden laufend ersetzt, damit die gewünschte Laufzeitenstruktur erhalten bleibt.

Vorteile: Diese Strategie eignet sich für Anlegerinnen und Anleger, die regelmässige Rückzahlungen schätzen, das Zinsänderungsrisiko begrenzen möchten und eine breite Diversifikation über verschiedene Laufzeiten anstreben.

Barbell-Strategie

Die Infografik veranschaulicht die Barbell-Strategie für Obligationen.

Die Barbell-Strategie kombiniert vor allem kurzfristige mit langfristigen Obligationen und meidet das mittlere Laufzeitsegment weitgehend. Im Durchschnitt ergibt sich dadurch oft eine mittlere Duration.

Vorteile: Die Strategie kann sinnvoll sein, wenn das mittlere Laufzeitsegment als wenig attraktiv eingeschätzt wird. Sie verbindet Flexibilität auf der kurzen Seite mit Renditechancen auf der langen Seite. 

Bullet-Strategie

Die Infografik veranschaulicht die Bullet-Strategie für Obligationen.

Die Bullet-Strategie konzentriert sich auf ein bestimmtes Laufzeitsegment. Sie eignet sich insbesondere dann, wenn ein klar definierter Anlagehorizont oder ein künftiger Kapitalbedarf besteht.

Vorteile: Diese Strategie ist für Anlegerinnen und Anleger interessant, die Zahlungsströme und Rückzahlungstermin gezielt auf einen bestimmten Zeitpunkt ausrichten möchten. 

Praktische Umsetzung für Anlegerinnen und Anleger

Für Anlegerinnen und Anleger ist vor allem entscheidend, wie sie im jeweiligen Zinsumfeld mit ihrem Obligationenportfolio umgehen. Duration und Reinvestitionsrisiko helfen dabei, die Wirkung von Zinsänderungen besser einzuordnen.

Tipps für die Anleihenstrategie

  • Steigende Zinsen: Kürzere Laufzeiten können helfen, Kursverluste zu begrenzen und schneller von höheren Renditen bei Neuanlagen zu profitieren.
  • Stabile Zinsen: Eine breite Diversifikation über Emittenten, Sektoren und Laufzeiten gewinnt an Bedeutung.
  • Volatiles Zinsumfeld: Ein aktives Management von Duration und Allokation kann helfen, Chancen zu nutzen und Risiken zu begrenzen.

Weil diese Einschätzungen und Anpassungen anspruchsvoll sind, können für viele Anlegerinnen und Anleger auch Anleihenfonds oder ETFs sinnvoll sein. Sie bieten Diversifikation, professionelles Management und eine laufende Überwachung von Zins- und Kreditrisiken.

Fazit: mit Strategie durch wechselnde Zinsphasen

Zinsänderungen lassen sich nicht steuern – die Struktur des Obligationenportfolios jedoch schon.

  • Wer den Zusammenhang zwischen Zinsniveau, Laufzeit und Duration versteht, kann Risiken gezielter einschätzen.
  • Eine passende Laufzeitenstruktur hilft, Zinssensitivität und Reinvestitionsrisiken im Portfolio auszubalancieren.
  • Diversifikation über Emittenten, Sektoren und Laufzeiten stärkt die Robustheit eines Anleihenportfolios.
  • Fonds und ETFs können den Zugang zu einer professionell umgesetzten Obligationenstrategie erleichtern.

Wer Zinszyklen nicht nur als Risiko, sondern auch als Gestaltungsfaktor versteht, kann Obligationen gezielt in die langfristige Vermögensplanung einbinden.

Wissenswertes für Sie

Disclaimer